Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 5 (9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische TurnMung Offizielles Organ des Jüdischen Turnvereins „Bar Kochba”, Berlin, Redaktionaausschu a: Hermann Jalowicz, N., Schönhauser Allee 182a; Richard Blum, C, Rosenthaleratr. 72; Max Zirker, N., Krausnickatr. 16. ' Das Blatt erscheint in der ersten Woche eines jeden Monats. Einsendungen müssen spätestens am so jedes Monats bei H. Jalowicz einlaufen; Geldsendungen und Abonnementsbestellungen sind an R. Blum zu richten. Bezugspreis für Nichtmitglieder (incl. Porto) jährlich Mk. 2,—, einzelne Nummern 20 Pfg. 5. September 1900. ‘ 1- Jahrgang Jüdische Turner und jüdische Philister. Während viele jüdische Zeitungen das Erscheinen der „Jüdischen Turnzeitung“ in wohlwollender Weise begrüsst haben, hat es doch auch keineswegs an solchen jüdischen Blättern gefehlt, die — wir nennen nur die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ — es von ihrem Standpunkte aus für das Beste gehalten haben, uns totzuschweigen. Nicht so geschickt verfahren ist der „American Israelite“, der in einer seiner letzten Nummern einen heftigen Angriff gegen uns gebracht hat. Wir würden auf die Auslassungen des amerikanisch-jüdischen Theologenblattes mit keinem Worte erwidern, wenn dieselben nicht auch die Gedanken oder wenigstens die Vorwände weiter deutsch-jüdischer Kreise enthielten, in denen man das Totschweigesystem gegen uns beliebt. Der „American Israelite“ macht den „nationalistischen Wahnsinn unter den Juden“ für solche „äusserst ungebetene und unnütze Erscheinungen“ verantwortlich, wie es die „Jüdische Turnzeitung“ sei. Der jüdische Nationalismus lenke die Augen ab von dem wahren Ziele des Judentums als einer religiösen Kraft in der Welt. Wo sind, fragen wir da, die jüdischen Missionare, welche für die Ausbreitung dieser „religiösen Kraft“ bei Andersgläubigen gewirkt haben? Und welche Erfolge, fragen wir weiter, hat das des Nationalismus entkleidete rein religiöse Judentum in unseren eigenen Reihen gezeitigt? Hat es nicht massenhafte Taufen und Mischungen im Gefolge gehabt, hat es uns nicht vor allem des weitaus grössten Teiles unserer Geistesaristokratie beraubt, die nun einmal religiösen Idealen nicht huldigt, und da, wo das nationale Ideal des eigenen Volkes genommen ist, zu den nationalen Idealen fremder Völker flüchten muss? Aber unsere jüdischen Philister, die in ihrer Engherzigkeit den befreienden und beseligenden Gedanken des Nationayudenturas garnicht fassen können, sehen es nicht oder wollen es doch nicht sehen, wie sie mit ihrem Kampfe gegen die jüdische Nation auch der jüdischen Religion ihre Wurzeln abgraben. S