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Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden · 1904-12-15 · 1 (15.12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
Volume
1904
Issue
1 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Hilfsverein der Deutschen Juden. Grossloge für Deutschland VIII. U. 0. B. B. KORRESPONDENZBLATT des „Centraibureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten". No. 2. Ausgegeben Berlin, am 15. Januar 1905. Die Auswanderung nach England. Der Arbeitsmarkt in England) namentlich in London, ist zur Zeit so schlecht, daß viele Tausende von Arbeitern aller Berufe brotlos sind. Sehr schlimm ist auch die Not unter unseren eingewanderten Glaubensgenossen. Angesichts der überaus traurigen Lage, in der sie sich befinden, bitten wir unsere Schutzkomitees, unter allen Umständen weiteren Zuzug nach England fern zu halten. Wenn Auswanderer ohne ganz festen Anhalt jetzt nach England gehen, so wandern sie unmittelbar in das tiefste Elend, und sie vermehren das Elend der hungernden Massen, die bereits drüben sind. Die Auswanderung nach Amerika. In Amerika und wiederum besonders in den großen Zentren, nach denen die Auswanderer hinzuströmen pflegen, steht es nicht viel besser. Auch hier gestalten sich die Arbeitsverhältnisse ungünstiger. Dazu kommt, daß die Preise für Lebensmittel und Wohnung ständig im Wachsen begriffen sind. Selbstverständlich werden die Einwanderer bei ihrer Unerfahrenheit durch die mißlichen Arbeitsverhältnisse am härtesten betroffen. Es wird immer schwerer für sie, Arbeit zu finden. Die Zahl der Brotlosen und Hungernden wächst von Tag zu Tag. Um sie nicht ins Ungemessene anschwellen zu lassen, prüfen die amerikanischen Einwanderungsbeamten jetzt mit großer Strenge alle Ankömmlinge auf die gesetzlichen Erfordernisse hin. (Vergl. weiter unten das Einwanderungsgesetz). Selbst kräftige und arbeitsfähige Leute werden unweigerlich zurückgewiesen, wenn auch nur der Verdacht vorliegt, daß sie nicht einmal die Mittel zur L'eberfahrt selbst haben bezahlen könuen. Wir haben Kenntnis erhalten von folgendem Fall, den wir als Beispiel des Vorgehens der Einwanderungsbeamten im Auszuge hier mitteilen. Der Beamte T. schreibt an seine vorgesetzte Behörde: „Infolge Ihres Auftrages, den Fall des Einwanderers K, der mit dem Dampfer ..... in New-York ankam, gründlich zu untersuchen, begab ich mich dreimal nach Ellis Island, um den dort zurückgehaltenen K. auszufragen. Alles was ich von ihm erfahren konnte, war, daß ihn in Berlin ein Mann zu einem Komitee geführt habe. Von diesem sei er nach Hamburg und dann weiter von dort nach Amerika geschickt worden. Er gibt an, weder den Namen des Komitees in Berlin, noch die Straße zu kennen, in der es gelegen sei, noch den Namen des Mannes, der ihn dort hingebracht habe. Bei meinem dritten Zusammentreffen mit ihm fand ich bei ihm einige Zettel. Auf einem war der Name und die Wohnung eines H. Ph. verzeichnet. Auf Befragen erklärte K, das sei der Name und die Adresse seines Onkels, dieser wisse aber nichts von seiner Ankunft, es sei zwecklos, dort hinzugehen. Nichtsdestoweniger suchte ich den Onkel auf. Ich traf ihn auch, aber er gab auf alles sehr ausweichende Antworten. Des andern Tages ging ich nochmals hin. Diesmal traf ich den Onkel nicht, dafür einen anderen Mann, der mir erzählte, er sei ein Bruder des K. Auch er war anfänglich sehr zurückhaltend, rückte aber im Laufe des Gespräches mit derSprache etwas mehr heraus. So erzählte er mir, sein Bruder habe in einem kleinen russischen Städtchen gewohnt. Er habe es aber vorgezogen, Rußland zu verlassen. Vollständig mittellos wäre er nach Thorn gekommen, dort hätte ihn ein Vertreter einer jüdischen Gesellschaft, deren Sitz in Berlin sei, in Empfang genommen und weiter nach Berlin geschickt. Am Bahnhof in Berlin habe wiederum ein Vertreter dieser Gesellschaft ihn erwartet und ihn mit einem Billet nach Hamburg versehen. Schließlich sei er von Hamburg nach Amerika geschickt worden. Die Gesellschaft in Berlin habe an der ganzen russisch-preußischen Grenze entlang zahlreiche Komitees. Sie sei ausdrücklich dazu begründet worden, um russische Auswanderer nach Amerika zu senden. Am Bahnhof in Berlin würden alle von der Grenze kommenden von einem Vertreter, der laut ihren Namen ausrufe, in Empfang genommen. Die Namen seien nämlich vorher schon telegraphisch mitgeteilt. Von Berlin aus würden sie nach Hamburg und von dort endlich nach Amerika weiter geschickt. Der Bruder des K. erzählte mir auch, daß auf solche Weise bereits viele Hunderte nach New--York gekommen seien, manche darunter, die selber reichlich mit Geld versehen gewesen seien und die das Komitee ausgenützt hätten. Er wolle keinen Namen nennen, damit diese Einwanderer keine Unannehmlichkeiten hätten. Den Namen der Gesellschaft in Berlin kenne auch er nicht. Dann bezeichnete er mir eine jüdische Gesellschaft in New-York, Cable Street, von der sagte er, dort könnte ich wohl genauere Auskünfte erhalten. Sie stehe mit der Berliner Gesellschaft in Verbindung. Ich begab mich dorthin, aber auch dort tat man so, als ob man die Gesellschaft in Berlin nicht kenne. Es wurde mir erklärt, daß vielleicht die Redakteure der jüdischen Zeitungen besser Bescheid wüßten. Auch zu diesen ging ich hin; sie erzählten mir, man spreche allgemein davon, daß wirklich in Deutschland eine derartige Organisation bestehe, aber den Namen und den genauen Sitz wüßten auch sie nicht anzugeben. Mehr habe ich für diesmal nicht erfahren können. Ich werde meine Nachforschungen nach dieser Gesellschaft fortsetzen und Ihnen zur entsprechenden Zeit weiteren Bericht erstatten." VorstehenderBericht zeigt deutlich, wie streng die Vereinigten Staaten alle unterstützten Einwanderer zurückweisen, und das ist nach den bestehenden Gesetzen durchaus gerechtfertigt. Jeder Ankömmling in den Vereinigten Staaten, der auf Befragen angeben muß, daß er unter In-

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