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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 68

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 68 (sequence 74)
Language
German
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Mein« Erinnerungen an tbeae Zeit «lad *e trübt lud wenig erquicklich, daß ick nicht gerne weiter über diese erat« Zeit schreibe. Im Geschäft kam ich dann schnell vorwärts und wurde im Anfang fast monatlich im Gehalt gesteigert. Ich kündigte aber im Geschäft nad wellte mich mit den 450 Sucres, die ich auf der Bank liegen hatte, selbständig machen. Ich hatte wiederum etwa* Glück and fand mit meinem Plan bei einem hiesigen Kaufmann, den ich durch einen Freund kennengelernt hatte, Anklang, und er versprach mir zu helfen Ich bin nun der einzige Emigrant, der es fertig gebracht hat, »ich selbständig zu machen. ,-r Da ich jetzt durch meine häufigen Reisen im gaaaan Laad viel gesehen habe, mochte ich Ihnen ein wenig darüber schreiben. Die Sierra, das Gebirge' des Landes, ist so schön, daß man glaubt, man säße hu Kino und es rollte aa einem ein, Film vorüber, der die schönsten Landschaften aus allen Lindarn der Welt zeigte. Das Land ist reich aa Natu_ruad Bodenschätzen und dennoch so arm,-daß hier Menschen leben, die sich von nichts anderem ernähren können als von Reis und Bananen. Schuhe haben mindestens 70 der Bevölkerung noch nie an den Füßen getragen. Hier unten an der Küste macht das nicht viel aus, aber wenn. man im Gebirge ist, und sogar noch friert, wenn man einen warmen Wintermantel anhat, findet maa es unbegreiflich, wie die Menschen es aushalten Das Glück ist nur, daß sie selbst nichts vea ihrer Not wissen. Nachdem maa von morgens am 7 Uhr bis des abends um 7 Uhr in der Eisenbahn gesessen hat, und es sich erlauben kann, einen Privatwagen zu mieten, verläßt maa in Cajabaraba den Zug und4 fährt noch einmal 3> 2 Stunden mit diesem bis zur Stadt A m b a t o. Hier ist eine kleine Industrie von Baumwollwebereien, einer •Seidenfabrik und einer Töpferei; außerdem — «lu»*«ai t^wl^nw—I.«* pljjaj lebt die Stadt Di» Lohne sind derartig niedrig, daß ein Europäer mit dWIachem MtfHtMT ~ lohn noch nicht einmal seinen notwendigsten Lebensunterhalt verdienen kann. ,.*■ t In Ambato gibt es ein Lokal, welches von zwei Juden aus Deutachland aufgemacht wurde. Das Lokal ist für hiesige Be* arriffe ganz. nett, weil es sauber ist; das Essen dort ist gut Ich konnte mich selbst davon überzeugen, daß sie gerade soviel verdienen, wie sie zum Leben gebrauchen. Ein zweites Lokal hätte hier keinen Plate. Die Inhaber verkaufen neben Kaffee und Kuchen noch Aufschnittwaren, die sie aus Quito erhalten. Dann sind hier noch einige jüdische Geschäfte, die auf Abzahlung verkaufen. Was die bei dem niedrigen Einkommen der Bevölkerung umsetzen, können Sie sich wohl denken. Die Leute sagen aber, daß sie ganz gut surecht kommen. Ich war in Riobamba, was etwas größer ist, .aber auch durchaus den Eindruck einer Kleinstadt macht, lab hatte dort fünf Tage geschäftlich zu tun uad war froh, als ich wieder abreisen konnte. Die Stadt ist nach 6 Uhr abends furchtbar kalt und bietet überhaupt keinerlei Zerstreuung. Es" ist nicht übermütig, wenn. man schreibt, daß es einem aa solchen Dingen fehlt Man ist doch Europäer und kann natürlich bei allem guten Willen, den maa dafür mit hierher gebracht hat nicht seine ganze Erziehung ' uad _ seine Lebensgewohnheiten auswechseln. In Riobamba gjbt es jetzt seit einiger Zeit ein jüdisches Lokal, und die Leute haben glänzend zu tun, denn War ist immerhin eine Stadt, wo mehrere Kaufleute und Beamte wohnen, die sich schon mal. ein Frühstück oder eine Tasse Kaffee erlauben können. Die hier ansässigen Juden sind zumeist ebenfalls Kaufleute. - Einen lernte ich kennen, der ist hier schon seit einigen Jahren im Lande und hat die Fabrikniederlage einer europäischen chemischen Fabrik. Er sagte mir, daß er gut verdient hätte. Aber wie gesagt, das sind alles Einzelerscheinungen. Auasichten haben meines Erachtens nur junge Leute, welche die Absicht haben, sich landwirtschaftlich zu betätigen. Dies« kommen weiter und wissen wofür sie arbeiten — Dar eine von den L's. aus Olltrlashaad ist hier in der Nahe als selbständiger Landwirt tätig. Vor dem Jungen habe ich Respektdenn er ist auf dam Weg«, sich nicht nur eine neue Heimat, sondern auch eine sehr gute Existenz an schaffen.*' Recht instruktiv ist auch der folgend« kurze Brief: . Quito, 20. Novewber 1937 „Ich habe hier als gelernter Maler und Lackierer so viel zu tun, daß ich mir noch bissig» Arbeitskräfte nehmen muß. Allerdings muß maa sein Handwerk auch wirklich vir - si".' /■ %i .- ... .;•■ ■ .■; . I J ' >. .... V~N. v ■"■»• . , ■/ . V! 2ff . ■• ■ ■■- stehen. Umschichtler mit wenig Lahrzeit sind etwa» schwieri ger dran, da dfeeelbsn gezwungen sind, für einen Unternehmer zu arbeite«,, uad die Gehälter hier nicht sehr hoch sind. Aber Wie in meinem Fall als selbständiger Handwerker, kann-man im Laufe der Zeit schon etwas werden. Für Kaufleute ist es aber weit schwieriger; besonders ohne Sprachkenntnisse ist man hier sehr stark im Nachteil. Also was Sie mir schon in Berlin sagten, stimmt voll und ganz.' Lernen Sie Spanisch! Ein wichtiger Punkt betreffs Auswanderung." Nachstehend geben wir einen Bericht eine« Auswanderers wieder, der sich eine größere Besitzung gekauft hat: Quito, 24. November 1886 „Man kann als Europäer hier sein Auakommen finden, doch gehört, wie überall, Geld dazu, um weiterkommen zu kOnnen. Mein Sohn hat unberufen in Radioreparaturen so viel am tun, dag af, wenn es so weitergeht, 600 bis 600 Sucre im Monat vataisaaa wird. Im Handel ist hier nicht sehr viel zu machen, da da» Uad, da» fast so groß wie Deutachland ist hur etwa 2 500 000 Einwohner besitzt Die Käuferzahl der begüterten Bevölkerung Ist daher sehr gering und wird/auf ruüd 300000 geschätzt. Das beste ist immer eine Hacienda (Fjrm), da doch «auch die Nichtbemittelten essen müssen, und die Produkte einen guten Absatz finden. Ea wird hier von der Regierung Land gratis verteilt doch ist dieses in Gegenden, wo Urwald ist, und dort sind die Wegeverbältnisse »ehr schlecht, loh habe schon während meines Hierseins sehr viel besichtigt uad bin mitunter neun bis zwölf Stunden am Tage im Sattel rasen, dann man kann sieh hier alle» nur zu Pferd ansehen, mit dem Wagen dort nicht hinzukommen ist Ich habe mich lisshslr, entschlossen, mir lieber etwa» zu kaufen, was am Wage liegt, denn es ist keine leichte Sache, so sein» Familie in fast unbewohnte Gegenden zu bringen. Ich habe mir nun nsrli lsn-lil Bantal »ina Hacjsada gewählt die von der Straße nach 20 Minuten per Pferd zu erreichen und etwa 000 H - 2400 Morgen groß ist Auf meiner Hacienda ist schon ein Sägewerk mit Wasserturbinenantrieb; urbar gemacht ist das barfd bereits auf 280 Morgen, hiervon 80 Morgen Wiesen für Vieh, da» hier auch eine große Roll« spielt Die Hacienda ist nicht nur landwirtschaftlicher Betrieb, sondern durch das Sägewerk auch Industriebetrieb. In den Waldungen sind meistens nur Edelhölzer, aber auch Bauholz. Wenn nun hier so etwas unternehmen will, gehören mindesten» 6000 RM. dazu, das sind hier 20 000 Sucre. loh würde niemandem raten, hierher zu kommen, dar nicht eher diesen Betrag verfügt Denn seihet wenn man ein Stück Laad ia der Nahe eine» Weges gratis erhält gehört auch zur Urbarmachung Geld, denn man kann hier unmöglich die Arbeifa sslbst machen. Man muß hierzu Indio» haben, die auch 1,30 Sucre pro Tag and Essen bekommen müssen, da man sonst keine Arbeiter bekommt Da» Esse» für einen Indio kostet pro Tag 0,80 Sucre. Wenn de» auch nicht viel Geld kostet, so gehört de »noch Geld dazu. Außerdem ward hier de» Laad auch ganz ander» bestellt wie in Deutachland, da doch alle» gebirgig ist In tropische» Klima kann unsereiner nicht gehen, da dort Malaria und andere tropische Krankheiten herrschen. Deshalb muß maa hier »du aufpasse», um nicht in eine solche Gegend zu kommen. Hier im Lsnde sind fast all» 30km ander« Klimata." Zum Schluß bringen wir eine Stelle ans dem Brief eines aua Deutschland stammenden jüdischen Professors in Quito vom 3. 7. 36, weil «eine Ratschlage für alle, die «ich in Ecuador einordnen wollen; wertvoll sind: „Wie in allen Ländern, wo Höflichkeit uad gut« Form hoch im Kurs« stehen, ist es für den Neuling oft sehr schwer, zwischen Höflichkeit und fester Zusage zu unterscheiden. Klag» über Unzuverlässigkeiten der anderen'ist oft aar «igen« Verständnislosigkeit. Vor der ihm unheimlichen sachlichen Dringlichkeit des' Europäers rettet »ich der Bmheimische in die ihm gewohnte Höflichkeit uad staunt über die Dummheit und Taktlosigkeit des .Gringo', der ihn dadurch für gebunden hält Grünt« und leider recht häufig beobachtete Fehler -de» Einwanderers: die Einheimischen für dumm zu halten, weil ihre Denkweise von der unsrigen abweicht; so tun, als ob da» Land nur auf den Einwanderer gewartet hat am endlich zu lernen, was Geschäftstüchtigkeit eaw. ist Diese Leute schädigen »ich salbet und, alle Schickaalsgefährten. Wer auf die Dauer etwas erreichen will, lasse »ich nicht durch halb verstandene Aeußerlichkeiten täuschen, sondern beobeeht» klug« Zurückhaltung und leiste sähe Arbelt? . ' I T •'. - ■ - .*?: .. . i. '«•«■• .*.'• .*••• »3» '..' " ■• ' '«<•> .■" , - .; ■. 4 ■ ' .' 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