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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 60

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 60 (sequence 66)
Language
German
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und Milohverkauf .werten viel ab Selbst eine Hühnerfarm »Hein kann hier einen fleißigen d gut emfihren. Für Kartoffeln werden hohe Preise ge zahlt, all Höh kann ganze Finkaj (große Güter) -voll reichen, len Leuten pachten, mit denen man dann alljähr- Ertrag der Ernte teilen muß. Die Sociedad Hehre» de Soeorros Landwirtschaftsschule aufzubai ist im Begriff, eine Abschließend kenn gesagt werden, daß Columbien den Einwanderern eine erhebliche Reihe von Möglichkeiten bietet, daß aber dringend davor gewarnt werden muß, ohne Sprachkenntnisse einzuwandern oder ohne festen Plan, was man anfangen will. Die Spekulation auf Bekannte, die einem „irgend etwas besorgen werden", dürfte in Columbien besonders fehl am Platze sein. Es wird (besonders in den letzten Briefen von Einwanderern) dringend empfohlen, nicht In den wenigen größeren Städten zu bleiben. >'-f.'-• VIII. Briefe an .lieber die Verhältnisse in Columbien gingen dem Hilfsverein von Auswanderern viele interessante Briefe zu. Wir 'veröffentlichen davon als ersten folgenden allgemeinen Bericht Ober das Land: Bogota, den 15. Juli 1988 „In den Mona/ten, in denen ich im Lande bin, habe ich verschiedene kleine und große Städte kennengelernt. Die Entfernungen sind viel größer als in den meisten europaischen Ländern. Die hohen Gebirg« machen moderne Verkehrsstraßen fast unmöglich. De» Flagzcog, als modernstes Verkehrsmittel, hat das . Wegen i ' einer „Muchacha" sauber gehalten wird. Arbeitskräfte sind hier mehr als billig. Europäer können in den wenigsten Positionen dagegen konkurrieren. Handwerker gibt es ans allen Berufen, wie Schuster, Schneider usw. Die Lebenshaltung der hiesigen Eingeborenen liegt unter der dar Neuzukommenden. Ein Maßanzug kostet ca. 80 Pesos und wird aus den allerfeinsten ■agiiarhnn Stoffen hergestellt. Auch die Konfektion hat sieh hier eingebürgert; Anzüge und Mäntel kosten selten mehr als 80 Pesos. Lebensmittel sind in der letzten Zeit hier sehr im Preise gestiegen, doch gibt es hier alles. Außer den vielen IWiesprodukten wird sehr viel in Konserven aas den Vereinigten Staaten importiert. Konservenfabriken gibt es bis beute hier noch nicht, ebenso wie es an Fabriken fehlt, die Eisenwaren asw. herstellen. Gut entwickelt hat sich die Textilindustrie, die betUe schon einen »ehr großen Teil des Bedarfs dea Landes decken kann. Auch die Schuhindustrie hat hier einen »ehr guten Erfolg, so daß beute kein Import mehr stattfindet. Dagegen werden hier die Unternehmen in Zukunft Erfolg haben, die sich auf Haushaltartikel, wie Steingut, Porzellan, Glos und Eisenwaren legen. Ferner, die für Bauunternehmen Artikel herstellen können. Es gibt Betonfabriken, die Tag und Nacht beschäftigt, aber nicht in der Lage sind, den Inlandsbedarf zu decken. Alles, was auch zum, mi aisnhan gehört, wird hier eine Verdtenstmöglkhkeit, deuzTdafür werden, in den nächsten Jahren bestimmt Millionen ausgegeben werden müssen. Kleingewerbetreibende gibt es im Lande in ge* nagendem Umfang». De/„Klopfer" (Hausierer) ist der. Beruf, der am verrufensten >sV Daß dar Handel dagegen Sehrklo hat. Land erobert Wegen schlechter Straßen und Mangel an genügendem Kapital kann das Laad steh nicht in dem Umfang entwickeln, wie wenn diese Schwierigkeiten nicht wären. Doch „ glaube ich, daß Columbien wohl von allen amerikanischen Ländern die größte Zukunft hat, dann unermeßliche Schätze hat dieses Laad noch. Ich will nicht auf Gold, Smaragde und Oel hinweisen, sondern daß es möglich wäre, durch moderne Agrikultur hier viele» zu erreichen. Columbiens größte Anbauflächen sind Kaffee, Zucker,, Reis usw. und neuerdings Baumwolle. Baumwolle ist hier in den letzten, Jahren .mit sehr.gutem Erfolg angebaut worden und wird noch mehr angopflanrt. Erze besitzt da» Land auch genügend, abernoch viel, schlummertin dar Erde, denn Kapital fehlt, aber auch entsprechende Arbeitskräfte. In den Oelgebieten kalten die wenigsten Europäer ans, nur die Amerikaner und Holländer haben die Energie, längere Zeit dort durchzuhalten. In diesen Gebieten wird viel Geld vor- . dient Die großen Gesellschaften haben kleine Städte gegründet, die sauber sind, und wo auf Gesundheit ihrer Arbeiter/^iel Wert gelegt wird Es kommt ferner dar Holzreichtum des Landes hinzu. Die edelsten Hölzer können nicht oder wenig, exportiert „ werden, weil es keine Veifcela »straßwit gibt Urwälder bedecken das Land, und es gibt heute noch genügend Gebiete, die kaum ein Menschenfuß je betreten hat Indianer, zurOckgel Heben auf einer längst -vergessenen Kulturstufe,, beber reeben '..oute noch diese Urwälder. Außer diesen ist dort bestimmt noch Oel und vieles andere zu finden. Aber »lies scheitert daran, daß keine Verkehrswege vorhanden sind. Bog-otä, die-.Hauptstadt oft geschildert, and jeder sieht sie anders: Moderaa» Leben, sagt der eine, — Kaff, sagt der andere. Eins steht fest, in keiner Stadt Columbiens wird so viel gebaut wie in Bogota. Aber dafür ist Bogota die Hauptstadt und hat in den letzten Jahren an Einwohnern am meisten gegen alle Städte Columbiens zugenommen. Straßenzüge werden runtergerissen, um modernen breiten Straften Platz zu machen - Alle« Leben spielt sich im Zentrum ab. Raum ist' dort, sehr - knapp und daher Ladenmieton sehr hoch. Moderne, nach europäischem Stil gebaute Hänser wachsen mimer mehr und mehr . empor, doch «lad die Mieten für diese Wohnungen für die meisten unerschwinglich. Wem es von dea Neuzugekommenen besser geht, mietet in den neuen Vororten Bogotas »ich ein Häuschen, das aas 5—7 Zimmern besteht einen kleinen Garten hat und in einer »ehr gaeaaden Lage liegt Daß »ich zwei Familten so »in Häuschen mieten, ist fast die Regel. Misten hierfür fwwegea sich zwischen 60—100 Pesos. Billiger sind dagegen die „Patio"-Häuser, welche mehr in der Stadt liegen. Doch sind diese noch nach dem altspanischen Typ gebaut, meietene dunkel mid .nicht sehr sauber. Doch um ein Haus oder eine Wohnung mieten zu können, gehört immer ein „Fiador". (Die» ist ein Bürge, der die Miete zu bezahlen hat wenn der Mieter, sie nicht zahlen kann.) Uebrigans wird so ein „Fiador" bei allen Gelegenheiten benötigt Alle Wohnungen haben elektrisch Licht Gas ist unbekannt, Und die Wasserverhältaisse haben sieh in "Bogota bedeutend gebessert. Kohle, »am Kochen, ist hier sehr billig, denn in genügendem Umfange hn Laad» vorhanden. Jaag» unverheiratete Leute wohaaa entweder ht Pension»«, oder irwhrere haben steh ein» Wohnung zusammen s^oommee, die von Möglichkeiten gibt es für Klaiakaufleute heute nur noch an den kleinen Plätzen. Wer die nötige Energie noch aufbringt, wer auf all» Grbßstadtannehmlichkeiten verzichten will, hat hier atjj MfrgtiehVair iteaaelhe gilt für alle Hand, 60 ,) .- $M * k \ .• * werker. Für Leute aas dsa technischen Berufen gibt es Gelegenheiten in alle» Landern, aber hier in Columbien besonders für die nächste Zukunft. Bei der Tropioal OB Comp, kann jeder unterkommen, wenn er auf alle Annehmlichkeiten des Lebens verzichtet Hier wird sehr viel Geld verdient aber es werden sehr hohe Anforderungen an die Gesundheit gestellt, denn die T. O, C befindet sich in tropischen Gebieten. Ebenso ist es mit den anderen Oiigesellschajtea. Für Vertrater ist es hier' »ehr schwierig, denn die Art der Kundschaft ist sin» andere als in Europa. Ferner dauert es infolge der Devisengesetze bald ein dreiviertel Jahr, ehe er die erste Provision ausgezahlt erhält Viele von den Vertretern leben von 'der Hand in den Mund, denn die wenigsten Neuzukommenden haben ein ■ Anfangskapital, um sieh diese Zeit Über Weiser zu kalten. Von den in letzter Zeit Eingewanderten haben einig« Fuß fassen können, doch sind diese zu zählen. Viele, und dies sind die meisten, leben von heute auf morgen. Vom Schneider angefangen bis zum Friseur, vom Parfümeur bis zum Chemiker sind all» Berufe vertreten. Es bleibt also aar dar technische Beruf hoch offen, doch sind die Schwierigkeiten auch hierin sehr groß, dann immer noch fehlt es an dea genügenden Rohstoffen bzw.' Ersatzteilen. Ich bemerke also zum Abschluß: Zuerst di» Sprache als Ausgangspunkt, dann »in richtiger Beruf, und d»aa nicht nach d»a größeren St ä dfe n. Sind diese Voraussetzungen vorhanden, daaa hat ein jeder hier die Möglichkeit oder er müßte über Kapital verfügen, das et hier investieren kann.";. ~' " '. . Au» neuerer Zeit stammen die folgenden Angaben eines Einwanderers, die vor allem Ratschläge aar Uebersiedlung enthalten.; ■? . * Bogota, Anfang Februar 1038 . „In Bogota ist von Karneval nicht» zu mar heu, »ondara nur Von einer Stadt, in der man sich warm anziehen muß. . Es ist hier . wohl sogenannter Frühling, morgens' bis 10 Uhr kühl, dann »in wenig warm bis gegen 4 Uhr, und dann wird' es wieder sehr kahl, so daß man unbedingt warme Sachen anziehen muß. Also mit zuviel leichten Kleidchan kannst Du hier nicht» anfangen. Denke bitte daran, soviel schwerere und wärmende Sachen mitzubringen, wie es möglich Ist Möbel selbst sind hier nicht teuer. Teppich« dagegen sehr. Ebenso ist es mit Gardinen, die' man haar kaum kennt Geschirr und was sonnt so zum Haushalt gebort ist hier sehr teuer. Ich bin jedenfalls zufrieden, daß iah wenigstens eia Teil mitgenommen habe. Ich hoffe, daß ich-'dies bald gebrauchen werde. — Wohnangea selbst sind hier nicht so teu»r, aber modern» zu erhalten ist »iaht so leicht Am besten ist es, eine Apartenent-Wohnung an nehmen; .oder ein kleines billiges Jfaus. So »in Haus mit 5 Zimmern 1 B. kostet hier 60 „Pesos. Dazu kommt, daß man ein Mädchen! haben muß, di» zirka IS Pesos pro' Monat kostet- Dazu kommt noch elektrischer Strom. Hier wird alles aar elektrisch gekocht oder mit Spiritus oder Holzkohl». Ferner muß man zirka t> Besee .■ 8.

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