Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand UB Ffm
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 57 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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I £ mit elektrischen Waschmaschinen gewaschen und mit der handlichen elektrischen Tischrolle, die jetzt auch hier zu kaufen ist, geplattet Das Charakteristikum^ der amerikanischen Wohnung, das closet, kann auch noch ganz andere Dinge als die schon erwähnten in sich bergen. Man drückt auf eine Feder, und ein Bett schnellt ins Zimmer, mit guter Matratze, darauf geschnallt Kissen und Decken. Im Handumdrehen ist das Schlafzimmer fertig. Oder man öffnet die Türen und sieht vor sich die „kitchenet", die kleine Küche, das Ideal jeder Hausfrau. In einer Spanne von 1 >/»—2 m Lange stehen da der Frigidaire, der Herd, der Ab Waschtisch, der Abstelltisch, darunter ein Schrank für Vorräte, darüber ein Schrank für Geschirr und Töpfe, an der Decke der Trockenapparat, an den Türen aufklappbare Holz- Plasten. Alles handlich neben-, über- und untereinander, 'lata genug, um ohne nutzlose Kraftvergeudung ein reichhaltiges Mahl zu bereiten. Eine ideale Arbeitsstätte. Zur Ausstattang der Wohnung gehören auch die B e - leuchtungskörper. Man hat fast nur Wand- und Deckenbeleuchtung, keine Mittelbeleuchtung, also keine Kronen, daneben Steh- und Tischlampen. Die Winde sind eingeteilt der Farbton ist hell und gefällig. Die Fenster sind Schiebefenster, von breiter und niedriger Form, keine Doppelfenster; Jalousien, dort „venetian störe«" genannt, sind Luxus. Man hat-stattdessen Leinewand- Rollen, die an einem Ring vor die Fenster gezogen werden und durch eine besondere Mechanik wieder hochschnellen. * Die Gardinen sind ans glattem, einfachem Gittertüll oder Voile. Die Uebergardinen, wenn sie nicht zum Ziehen edngerichsind, werden an Ringen über kurze, bewegliche Stangen, in einer Spirale enden, gezogen. Eine sehr praktische Einrichtung, die (sieht zu handhaben ist und die auch oft zum Inventar der Wohnung gehört Die Fußböden sind parkettiert oder gedielt Teppiche, mottengefährdete Vorhange und Möbelbezüge werden im Sommer weggegeben. Man hat drüben für die Polstermöbel oft Winter- und Sommerkleider. Wenn die New Yorker starken Winterwinde Staub durch die nur schlecht gedichteten Fenster in die bringen,' muß auch ein Möbel Winterkleid gereinigt In einer leichten Benzintrommel, die man an der Kurbel bequem drehen kann, wird der Bezug in der Flüssigkeit geschwenkt und dadurch gesäubert Im Freien getrocknet und gelüftet, ist er in ein paar Stunden wieder gebrauchsfertig. Die Zentralheizung,' die auch schon einfache Wohnungen haben, ist nicht sehr gut regulierbar, so daß die Zimmer vielfach überheizt sind. Fern- und Oelheizung wird in steigendem Maße gebräuchlich. Die Oelheizung wird besonders der leichten Handhabung wegen viel in Eigenheime eingebaut Die neueste Erfindung, deren Verwendung allerdings eine gewisse Wohlhabenheit voraussetzt die aber erwähnt werden muß, weil sie stark auf dar Tagesordnung steht, ist die künstliche Klima-Erzeugung in Wohnräumen, die „aircondition". Man kann die Luft /m Sommer abkühlen, wie in den eisgekühlten Kinos, und im Winter erwärmen. Der Einbau einer solchen Einrichtung ist natürlich sehr kostspielig. Es gibt aber schon Hausangestellte, die nur in Häuser mit aircondition gehen. Eine andere Erfindung ist die Abdichtung der Wohnung gegen den Slraßcnlärm. Diese Techniken funktionieren nur bei geschlossenem Fenster. Wer hinübergeht, kann alle« an Möbeln mitnehmen, was praktisch und handlich ist sogar auch Schränke, wenn man glaubt, ein Häuschen beziehen zu können. Die Grüße der Räume drüben und derjenigen in den hiesigen modernen Wohnungen ist annähernd gleich. Man kann auch schmale, niedrige Bücherregale mitnehmen, hur nicht eine haushohe Bibliothek (wie es ein Professor tat, den die Ziehleute angesichts dieser ihnen untragbar * und ' unaufstellbar erscheinenden Riesenschränke für •«> rückt erklärten). Ungewöhnliches soll man vermeiden. Es macht auch unnütze Kosten. Es stehen die , Bibliotheken der Arbeitsstätten und die öffentlichen, großartig eingerichteten Bibliotheken zur Verfügung, die bis spät abends, geöffnet und frei benutzbar sind. Hauptgesichtspunkt muß sein: jedes Stück zu prüfen,, ob ea unentbehrlich ist. Bailast muß vermieden werden. Das kann auch für Tischgerät geben. Man deckt den Tisch englisch, auf polierten Platten, ohne Tischtuch mit „sets", kleinen Decken unter Tellern und Gläsern. Sehr praktisch und billig, weil man sie seihst mit Leichtigkeit auswaschen kann. Man hat keine Suppenteller, sondern Suppentassen, dazu nicht große Suppenlöffel, sondern mittelgroße, meistens rund. Große Messer werden vielfach auch nicht gebraucht, sondern; nur die kleinen. Es ist. ratsam, die Klingen der Messer hier verchromen zu lassen und präparierte Silberputztücher mitzunehmen. An elektrischen Hausgeräten sollte man alles mitnehmen, womit man umzugehen versteht Das Notwendigste ist der Toaströster und das Bügeleisen. Die StWmstärke in New York ist in der Regel 120 Volt1). Alle Gegenstände müssen in tadellosem Zustand sein. Ersatzteile und Reparaturen sind drüben sehr teuer. Die Reparatur einer Uhr kostet z. B. mehr als eine neue Uhr. Der Amerikaner trägt vielfach eine 1—iy»-Dollar-Uhr. Sie- - soll es auch vertragen können, wenn man sie auf die Erde wirft - und geht mit Garantie ein Jahr. Dann kauft man wieder eine neue. „ Die Technik" hilft überalL Man kann nicht nur auf das Besohlen seiner Schuhe, sondern z. B. auch auf die Herstellung einer Steppdecke warten, die in „five minutes" mittels einer elektrischen Zuschneidemaschine, die nicht größer als sin elektrisches Bügeleisen ist und einem elektrischen Steppapparat entsteht Damit kommen wir zum anderen Helfer der Hausfrau, zum Dienst am .Kunden. Das marketing, das Einholen, is^ in New York eine Kleinigkeit. Viele Lebensmittelläden sind auch nachte offen. Es gibt in New York auch einen Markt, der in einer bestimmten Straße, ganz „downtown" (nach dem Hafen zu), abgehalten wird and wo alles besonders billig ist Aber Zeit und Fahrgelder lohnen nicht die Ersparnis. Wer es sich-ganz bequem macht, bestellt alles telephonisch; auch kleinste Mengen werden sofort geschickt Das Brot kommt geschnitten, das Gemüse geputzt das Geflügel zerlegt der Kaffee gemahlen. Auch ein Lunch oder Dinner ist in fünf Minuten da Das Essen ist außerordentlich vitaminreich. Es gibt jetzt ein neues Vorfahren-, das Gemüse an Ort und Stelle gleich -einzufrieren, damit die Aufbewahrung in Büchsen vermieden wird und so der Vitamingehalt besser erhalten bleibt. Das Essen ist billig; man kocht bisher noch sehr viel aus der Büchse. Sahne, Kaffee,-Obst, Salate und die frischen Gemüse sind von erster Qualität. Es gibt eine Menge von Frachten ' und Gemüsen, welche wir hier nicht kennen, vor allem die süße Kartoffel, die groß und länglich ist, in der Schale gekocht und mit einem Stück Butter angerichtet gegessen wird. Das Fleisch, ist nicht sehr gut, besonders nicht das Kalbfleisch. Das Vieh wird anders zerlegt als bei uns, so daß man ganz andere Fleischstücke zu kaufen bekommt. Die Hühner sind langbeinige Tiere, die magerer sind als unsere Hennen. Wild gibt es wenig. „ Das Nationalgericht der Amerikaner ist der turkey, der Trut- *) Genauer sind, nach Angabe der AEG, die Strotnverhält- ■e in New York City: 120 und 240 Volt Gleichstrom, 120, 208 und 240 Volt Wechselstrom für Licht und Kraft (je nach dem Stadtviertel); in Chicago: 110, 120 und 440 Volt Wechselstrom, 115, 230 oder 600 Volt Gleichstrom für Licht; in P h i 1 a - delphia: IIS. 230 Volt Wechselstrom (emphasig, zwelpha und dreiphasig); in San Lrtncilca: 110, 220, 440 Va Wechselstrom, 110 und 600 Volt Gleichstrom. S •r Herbert Uebernthal Spedition Berlin WS Kronenstr. 99 ' i A I mjRU£*tranN|>orte nach allen Erdteilen Tel.: 1H3740 ' ' I . ' - . ,i * -.:< ■ . <v ■ /-■.-•■ i . . 1 «4 * i