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Jüdische Auswanderung · 1938-07-01 · Juli 1938 · p. Seite 30

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1938. Bestand UB Ffm
Issue
Juli 1938
Date
1938-07-01
Page
Seite 30 (sequence 34)
Language
German
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Hinsicht schon eher gewisse allgemeine Züge erkennen; denn trotz aller regionalen Verschiedenheiten, die vor allem durch die 'Besiedelung der einzelnen Gegenden durch Einwanderer sehr verschiedener Nationalitäten bestimmt sind, wird mit jedem Jahr mehr die Bevölkerung der Vereinigten Staaten zu einer Nation, deren geistiges Gesicht sich nach und nach immer klarer ausprägt. Diese Züge der werdenden amerikanischen Nation richtig zu erkennen, ist gewiß nicht leicht; — ja e$ bleibt selbst bei' der größten und vielseitigsten Erfahrung immer noch zum Teil eine Sache der Deutung, so daß Meinungsverschiedenheiten sehr wohl möglich sind. Aber da es wohl jeden über die unmittelbaren Notwendigkeiten des Tages hinaus denkenden Men- ■ Sehen, der nach den Vereinigten Staaten auswandert, dazu drängen muß, sich auch vom Geist seiner neuen Heimat ein Bild zu machen und sich auf ihn einzustellen, geben wir in folgendem Ausführungen wieder, die wir im wesentlichen einem aus Deutschland stammenden und seit etwa vier Jahren in Kalifornien tätigen Universitätsprofessor verdanken. Der ' Verfasser betont mit allem Nachdruck, daß er eigentlich nur die amerikanische Westküste genauer kenne, und zwar auch < diese nur insoweit, als sie unter dem Einfluß San Franziskos stehe: „Ich würde es schon nicht wagen, über Menschen' und Dinge in Los Angeles ohne sehr starke Einschränkung zu sprechen, denn die Atmosphäre in dieser rapide gewachsenen Stadt, mit der verglichen auch das absolut noch sehr junge San Franzisko traditionell gebunden, ausgeglichen und stabil erscheint, ist trotz aller regen Beziehungen zwischen den beiden kalifornischen Großstädten hier nur in Ausläufern spürbar" Dennoch glaubt der Verfasser, dem seine berufliche Schulung, als ■ Soziologe besonders zugute kommt, gerade von Kalifornien, aus noch am ehesten ein Urteil über gewisse Grundtltlsachen des amerikanischen Lebens gewinnen zu können. Und wir geben seine Ansichten trotz ihrer stellenweise unverkennbar subjektiven Färbung fast' unverändert wieder, weil sie zumindest Anhaltspunkte und Anregungen für den Einwanderer bieten. Demjenigen, der sich tiefer in die Frage des amerikanischen Geistes und Kulturlebens versenken will, weist der Literaturanhang die Wege; insbesondere 'möchten wir an dieser Stelle auf das meisterhafte Werk von Andre Siegfried über die Vereinigten Staaten aufmerksam machen. Ich habe tum vier Jahre an einer amerikanischen Universität gelehrt und dabei jedes Semester Hunderte von Studenten gesehen und mit ihnen gesprochen; ich bin mit vielen Dutzenden meiner Kollegen und mit mindestens -ebenso vielen Gymnasiallehrern und -lehrerinnen, katholischen und evangelischen Geistlichen, Aerzten und Rechtsanwälten zusammen gewesen; ich habe mit Rabbinern aller Richtungen (außer den streng orthodoxen, die an der Westküste sehen sind), mit den Leitern der jadischen Wohlfahrtsorganisarionen, und mit jüdischen und nichtjüdischen Geschäftsleuten gesprochen. Trotzdem kann auch ' ich das Bekenntnis, von einem vollen Verständnis Amerika» noch weit entfernt zu sein, mit vollster Ueberzeugung ablegen. Aber immerhin kann man sich von Kalifornien aus noch am ehesten ein Urteil über manche Grundtatsachen des amerikanischen Lebens bilden. Kaliforniens moderne Geschichte begann mit der Entdeckung der Goldlager im Jahre 1848. Der „gold rush" brachte die Einwanderer aus allen Teilen der Unk» an die pazifische Küste," und ihre Nachkommen, vermehrt durch neu« Wanderungswellen, sind im wesentlichen die Kalifornier von heute; nur ein unbedeutender Bruchteil stammt von alten spanischen Familien oder von den wenigen amerikanischen, russischen und britischen Einwanderern, die vor der Goldentdeckung da waren. Daher bildet Kalifornien ein verhältnismäßig zuverlässiges Bild aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte, die in den Vereinigten Staaten lebendig sind, eine Art soziologischen Querschnitts durch die Union. Freilich, ganz zuverlässig ist das Bild nicht, weil die Renschen, die anderswoher kamen, von dem Einfluß des Landes und von der Mischung selbst. nicht unberührt blieben. Besonders die Formenstreng«- Neu-Englands fand im Fernen Westen keinen guten Boden, und wenigstens San Francisco selbst ist vom neu-englischen Puritanismus nie erobert worden. Die Leichtlebigkeit, der Optimismus, die Toleranz sind hier großer als im Osten, wobei man vielleicht in mancher Hinsicht New York vorn^Osten ausnehmen muß. Den Unterschied der Westküste vom Mittelwesten, dem Kerngebiet Amerikas, zu^definieren, traue ich mir noch nicht zu; nur'das einexist klar, daß der Mittelwesten weniger internationale Interessen (wirtschaftliche wie geistige) hat als die beiden Küsten. Der Süden, wirtschaftlich rückständig — trotz starker Entwicklung seit Kriegsende —, kulturell und politisch höchst konservativ, an der ungelösten Negerfrage leidend, noch schwerer .geplagt von der Erinnerung an die Niederlage im Bürgerkrieg und ihre politischen und wirtschaftlichen Folgen, ist von der Westküste -ebenso verschieden wie von Chicago, New York oder Boston; höchstens . die größere Leichtigkeit des Lebens, die sich in Städten wie New Orleans trotz aller ungelösten Probleme und allen Ressentiments zeigen soll, mag manche Verwandtschaft mit dem Fernen Westen haben. * , * .' Bedingungen der geistigen Einordnung Aus alledem ergibt sich für den Einwanderer nach Amerika, daß er auch in geistigen Dingen — für praktische sollte es selbstverständlich sein, — mit sehr verschiedenen Bedingungen zu rechnen hat, je nach dem Teil der Union, in den er kommt. Aber es gibt ein paar allgemeine Feststellungen, die für manchen Teil der .Union richtiger als für den anderen, aber für keinen falsch sind. 1. Der Geist Amerikas wird vom Mittelstand bestimmt, zu dem, materiell wie psychologisch, ein erheblicher Teil der gelernten Arbeiter gehört. Schon zahlenmäßig ist dieser Mittelstand größer als in den meisten anderen Ländern; an Einfluß übertrifft er bei weitem die reiche wie die proletarische Schicht. DU ftlä&dfa^Mewe gp Kombination und Aufbaumöbel zweckentsprechend praktisch dauerhaft Bernhard Rosenbund n* A 7 •' , Tel Aviv, Rechov Hayarkon 140. i _; *»• Walter Rosenbund -Jllgen tlssfcler Berlin O 34, Kopernikusstraße 39 Ruf 58 01 02 < r \ * Übersee-Umzüge Einlagerungen Verpackungen IN I, MAKAITOASSI 1

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