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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 73

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand UB Ffm
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 73 (sequence 83)
Language
German
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■ Der folgende Brief geht besonders auf die frage der zweckmäßigen Bekleidung ein. y »Mexiko-City, den 8. Juli 1986 Gestern erhielt«« wir Euren Brief vom 27. mit der JEuroo«' aT^vZZ 7^ "*oe" — w«r {reuen Ä| fif F"*'11«* P' Auch bei un» geht ea nun die« ordentlich; wir sind gesundheitlich jetzt zufrieden. Wir sind schon acht Tage feste beim Wohnungsuchen, haben aber immer —h nicht das Passende gefunden. — Moritz hat gestern Eure Einreise eingereicht Sobald mix /t- «er Vertrag zugeschickt wird, geht er sofort an Euch ab m lange das ganze jetzt dauert, weiß ich /natürlich nicht Hier geht alles nicht so schnell. — Kauft Ihr Damen Euch nur helle Schuhe, Am schönsten sind hier Leinenschuhe in beige, sie sind doch so billig und praktisch, auch weiße, möglichst in Lsder. — Wenn Du noch etwas für Helmut machen läßt: hier tragen die Jungen meistens nur lange Hosen, von klein auf; es sieht sehr nett aus, besonders die weißen Lemenanzflge mit langen Hosen sind ganz reizend. Auch Walter soll möglichst lange Hosen bringen. — Man kann hier alles tragen, es guckt niemand nach einem. Verwendet nur alles Alte für die Kinder und such für Euch, denn die Wische geht durch die Hohensonne hier schneller kaputt Es tat mir alles leid, waa ich an alter Wische an fremde Leute verschenkt habe, denn man kann alles gebrauchen. Ich habe noch nicht einmal einen Abwaschlumpen, wenn mein Lift kommt — Auch tat es mir sehr leid, daß ich meine Waschwannen nicht mitgenommen habe; ich bitte Moritz nicht folgen dürfen. Jeniii hat ihre restlos mitgenommen. Nehmt nur alles derartige mit, Sofie, auch Deine Kochtopfe; brauchst aber nicht alles dazu anzuschaffen; was Dir fehlt, ersetzt die Herkules. Aber was man schon hat, kann man dock mitnehmen. Auf den Herden hier kocht es sich ganz schön, obgleich es mit Holzkohlen ist Aber elektrischen Herd braucht man doch dabei. Seht zu, daß Ihr einen gebrauchten Eisschrank bekommt; Ihr seid doch in der Stadt und könnt Euch doch danach umsehen. Auch wurde ich Euch empfehlen eine Waschmaschine mitzubringen; auch diese kann gebraucht sein. Die Mielchen hier waschen alle mit der Hand, auf einem Stein wird gerieben, und darunter leidet die Wasche sehr. Auch wurde ich Euch raten. Eure Sommerkleider im Ausverkauf anzuschaffen. Pur Walter braucht Dir keinen dicken Mantel, .vielleicht einen UebergangsmanteL Ich hebe Euch ja ' schon geschrieben, daß man keine schweren Sachen braucht, aber immerhin kann man etwas Wollenes gebrauchen. An Tischr wische darfst Du Dir noch etwas kaufen. .'. Lagt um Gotteswillen keine Möbel droben aufarbeiten. Erstens kirne alles sehr verstoßen an, und zweitens ist das hier ' viel billiger. Bekannte haben es hier gerade noch -einmal machen lassen. Die Wohnungen sind hier nicht so billig, wie sie uns geschrieben haben; Ihr könnt Euch sicher nicht mehr ala 8 Zimmer leisten. Unsere Möbel sind heute ein Ballast und ein großer Kostenaufwand bezuglich der Wohnung. Ich wollte, ich bitte vieles nicht mitgenommen und vor allem das Geld nickt ausgegeben. — Kfichenschrank kannst Du nicht mehr als einen gebrauchen, und diesen kann man in den meisten Wohnungen nicht unterbringen. Die Küchen sind derartig klein, — davon macht Ihr Euch keinen Begriff. Es ist schade um das Geld, das ick für das Aufarbeiten ausgegeben nahe. Nimm nur Deinen Schrank mit, wie er ist; die Küche ist keine wichtige Angelegenheit hier. — Bringe mir doch bitte ein braunes Röckchen mit, in Wolle, nickt an. schwel. — Du mußt Deine Pelzjacke nicht unbedingt mitbringen, höchstens als Jackchen verarbeitet, denn ich glaube nicht, daß man so hier viel, braucht — Lieber Moritz, Du willst etwas mehr Ober unseren Betrieb wissen. Exportieren tan wir nicht, wie Du meinst, so groß sind wir nicht Es wird alles auf dem Land und auch in der Stadt Mexiko verkauft Wir sind mit B. auf ein Jahr vertraglich gebunden, und er hat fast den Alleinverkauf. Es muß noch sehr vieles In dem Betrieb geändert werden, das findet sich erst nach und nach. Auch sind wir mit dem Lager sehr Obervorteilt worden, so daß wir, bis dies aufgearbeitet ist, froh sind, wenn wir einigermaßen herauskommen. Im ersten halben Jahr ist an Verdienen nicht au denken. Sehr gern höre ich,, daß Ihr so fleißig spanisch lernt Soviel kann man ejai^nicht lernen, wie man unbedingt braucht Wenn Moritz perfekt spanisch sprechen und schreiben kann, wäre es nicht ausgeschlossen, als deutscher Korrespondent anzukommen. Es werden immer solche Leute gesucht, die in Deutsch, aber auch in Spanisch perfekt sind. Nun komme ich zu Deinen Vertretungen: Sieh vor allem, daß Du gute Hiuser findest Die Feuerzeuge kannst Du ruhig mitbringen, und laß Dir vor allem Deinen Vertreter-Vertrag dort unterschreiben. Ich werde Dir denselben, sobald ich einen hier in Händen habe, zuschicken. Parfflmerien und Toiletteartikel kannst Du mitbringen; dann soll Wachstuch und Autolsder gut sein. Außerdem wire eine gute Fahrradvertretung sehr St Von Opel ist bereits ein Vertreter hier, aber trotz alledem rfat Du eine Vertretung von dort nehmen. Wenn Du aber eine andere konkurrenzfähige und billige Firma bekommen kannst, ist es desto besser. Solinger Stahl ist auch gut, ebenso Uhrenvertretungen." Die in dem vorstehenden Brief als vielleicht lohnende Einfuhr-Vertretungen genannten Artikel werden auch von der Deutsch-Südamerikanischen Bank für aussichtsreich gehalten; diese nennt ganz allgemein folgende Waren ala erfolgversprechende Einfuhr-Gegenstände aus Deutachland: Eisen- und Stahl-Rohren und -Bleche, Maschinen, Leder, Papier, Drogen, Chemikalien, Pharmazeutika, chirurgische Artikel, Uhren, leichte Motorräder, Fahrräder und Zubehör, Farben und Lacke, Kunstseide in Strängen und Stoffen, Parfüme. FnhH sich die Familie, von der die obenstehenden Briefe stammen, in Mexiko so wohl, daß sie immer weitere Angehörige nachkommen laßt, so ist der Schreiber des folgenden Briefes einer jener Auawanderer, denen es überaus schwer füllt, Wurzel zu fassen, und die auch in Mexiko selbst kein rechtes Verhältnis zu Land und Volk gewinnen können, Aua einem Brief aus Mexiko-City vom 29. Juni 1937: „Um einen jpositiven Rat au erteilen, bin ich die letzte Per- Amerika, meist ida, ein Jahr in Uen, son, die dazu Eignung hat. lieber 81/» Jahre in in den Vereinigten Staaten, einige Zeit in Kanada, Mexiko, hatte ich nirgends den Erfolg, Einwanderungspapiere su erlangen Mein hiesiger Arbeitsschein als htdlngiw—"«fi«»' Einwanderer läuft im August ab und kann evtl. mühevoll verlängert-werden. Ich" will davon keinen Gehrauch raachen, da ich einen großen Abscheu vor Mexiko hege. Dieser Abscheu . ist durchaus instinktiv und steht im Gegensatz zu meiner fast einschränkungslosen Bewunderung der Vereinigten Staaten. Schon Eurer Kinder zuliebe sind die Vereinigten Staaten, anratenswerter, da nur dieses Land eine neue Heimat für die Nachkommen werden kann*. Man kann Amerikaner', aber nie Mexikaner werden. Immer bleibt man ein Fremder in Mexiko, von Behörden und Volk so angesehen, auch Kinder, die schon hier geboren sind. Nun zu Mexiko selbst dem eure Anfrage gilt. Das Klima des hiesigen Hochtals von Mexiko ist vorzüglich, das Land ist schön und romantisch, und mit einigem Glück, und wenn man das Richtige anfaßt, kann man hier leichter zu gutem Verdienst kommen als in den Staaten. Zum Beispiel ist der Import dtr vmyhiedenaten Warengattungen aus Deutschland eine vorzügliche Brücke zum Verdienst Wenn ihr such schon mit einigen guten Vertretungen aus Deutschland verseht, so ist dar Boden einigermaßen geebnet Wenn die - 1 Zeit nicht so vorgerückt wire, da ich Ende August fort will, würde ich euch gerne hier im Lampengeschäft zur Hand gehen, obwohl ich mein Lampengeschift bereits wieder in die Hände der Fabrik zurückgegeben habe und den Verkauf, wie im Beginn, ohne Detailgeschäft durch Kundenbesuch durchführe. Das Wie des Hereinkommens ist natürlich die erste Frage, und da kann ich fast gar nichts darüber sagen... Mein ausgeprägter Abscheu gegen Mexiko, wegen seiner . - Kulturlosigkeit (wss die Gegenwart betrifft), der Falschheit und Unzuverlässigkeit der Bevölkerung wird durchaus nicht von allen Deutschen geteilt Ich kenne einen aus Mains, der seine „ersten Bürgerpapiere" der Vereinigten Staaten besitzt, also zurückkehren kann und in 5 Jahren endgültig eingebürgert würde, es jedoch vorzieht in Mexiko zn lebeis." /dtiSiesucUn in reicher Auswahl preiswert ■s-j. Apch nach Zeichnung und für Übersee Seit fast 40 Jahren bestens empfohlen - , -'• /vr - 'S" ■' ^f^/' jFiw^^bHBbbIP- ]f 3-' v MORITZ HIRSCHOWITZ BERLIN SO, SKALITZER STR. 25

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