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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 46

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand UB Ffm
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 46 (sequence 52)
Language
German
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für Kaufleute ohne -erhebliches Kapital und gute Sprachkenntnisse kaum irgend welche Aussichten bietet, es aei denn, die Betreffenden besäßen ganz besondere Branchenkenntnisse, für die in Australien zufälligerweise Bedarf wäre. » Im allgemeinen besteht aa kaufmännischen Arbeitskräften durchaus kein Mangel, und anter diesen Umstanden haben Fremde, selbst wenn sie die englische Sprache beherrschen, wenig, ohne gute Sprachkenntnisse aber überhaupt keine Anasichten. - Bezuglich der selbständiges Kaufleute ist zu betonen, daß in einem verhältnismäßig reichen , Lande wie Australien die Branchekenntnisse zum Erfolg noch wichtiger sind als dss Kapital. Günstiger sind die Chancen für industrielle Unternehmer zu beurteilen. Fachleute mit gründlichen Kenntnissen auf einem Gebiet, auf dem die australische Industrie noch ausbaufähig iat, können bei ausreichender Beherrschung der englischen Sprache auf verhältnismäßig günstige Aussichten zählen. Selbstverständlich bedarf es der genauesten Erkundigung nach dem Staad und den Entwicklungsmöglichkeiten der betreffenden Industrie in Australien, und vor allem muß sich jeder Unternehmer von vornherein darüber im klaren sein, welche Belastung die hohen Lohne und die unendliche Kompliziertheit der tarif- und arbeitsrechtlichen Verhältnisse für die industrielle Produktion bedeuten. In der Industrialisierung Australiens liegen auch gewisse Chancen für Ingenieure, Techniker und Chemiker. Auch für Architekten und Innenarchitekten waren wenigstens zeitweise Möglichkeiten vorhanden. Dagegen bestehen für die übrigen akademischen Berufe im allgemeinen kaum irgendwelche Auasichten. Ei sind zwar eine Reihe von Aerzten und Zahnärzten ins Land gekommen und haben"die Erlaubnis zu praktizieren erhalten, doch sind diese Möglichkeiten im Moment nicht mehr gegeben. Für sonstige freie Berufe, wie Schriftsteller, Redakteure, Schauspieler, Musiker sind im .allgemeinen die Aussichten sehr schlecht, was zum Teil mit, der geringen Bevölkerungszahl Australiens, zum. Teil mit der oben geschilderten Veräußerlichuag der Kultur zusammenhängen dürfte. Verhältnismäßig günstig' sind dagegen im allgemeinen die Aussichten für handwerkliche Berufe und Facharbeiter zu beurteilen. Freilich darf es sich hierbei nicht um „Umschichtler" handeln, sondern um gut ausgebildete, tüchtige Kräfte. Besonders gesucht sind verschiedene Kategorien von B a u - handwerkem und Metallarbeitern, wie z. B. Autogenschweißer, Bogenschweißer, Spritzer,, Blechstanzer, ferner Maschinenschlosser, Dreher, Kesselschmiede, Werkzeug-und Schablonenmacher, Mechaniker und Feinmechaniker; auch erstklassige .Kunsttischler usw. Da in Australien Pelzindustrie und Pelzhandel bedeutend sind, besteht an sich auch ein Arbeitsfeld für Kürschner, Färber, Zurichter für Pelze und Felle; doch ist im Moment 'der Bedarf - Kürschnern wieder gedeckt, nachdem einige jodische Einwanderer aus dieser. Branche ins Land gekommen sind. .j.b'i .. .. . *' Dagegen scheinin die Aussichten in dar Kn"f*lrt»"P gicht^ gut zu .sein; nur Erstklassige Zuschneider, und Zeichner für Damenkleidung haben im Moment Auesichten. Für manche andern Arten von Handwerkern und Facharbeitern, mm Bsiipiei rar Müller und - Zigarettenarbeiter, ist zeitweilig Bedarf. Doch ist auf das oben grundsätzlich Gesagte zu verweisen, daß die Lege in jedem Beruf Bloh schnell ändert immer neu festgestellt werden muß. Als verhältnismäßig günstig kann ferner die Lage auf dem Arbeitsmarkt für weibliche Krlfte gelten, und zwar für sehr verschiedene Zweige. * Wie schon -früher erwähnt wurde, besteht in Australien ein ausgesprochener Mangel an Hauspersonal, d. h an Dienstboten, aber auch an Kindermädchen und wohl auch an Haushalterinnen, welche selbst Hand anlagen. Doch iat darauf hinzuweisen, daß ein erheblicher Teil der in Frage kommenden Stellen auf dem Lande ist, se daß ia erster Reihe solche Personen Aussicht auf Berücksichtigung haben, die bereit sind, aufs Land, und unter Umständen sogar sehr weit hinaus aufs Laad, zu gehen. An städtischen Arbeitsmöglichkeiten für weibliche Kräfte sind vor allem auch noch die Stellungen für Stenotypistinnen Zu erwähnen; Sekretärinnen mit guten fremdsprachlichen Kenntnissen und tadelloser Beherrschung der englischen Stenographie haben bisher günstige Aussichten gehabt. ' '•. •< ■ ■ ■ ' - Yl: . -i *h L Bei der Betrachtung der Aussichten der verschieden«' Berufe darf nicht juifter.Aciit gelassen werden, daß Australien im Grunde ein hauptsächlich von der Urproduktk» lebendes Land ist, und daß an sich auch die größte, Arbeitsmöglichkeiten noch hier liegen. Für geübte Undwirtschaftliche Arbeitskräfte ist Platz vorhanden; doch sollte sich hier jeder Bewerber darüber klar sei*, daß die Landwirtschaft in Australien anders betrieb« wird als in Europa, und daß selbst für die Arbeit auf dta Farmen des Ostens und Südostens — geschweige denn aaj den Viehstationen von Queensland oder Westaustralien eine sehr weitgehende-Umstellung und ein Verzieht auf mancherlei Annehmlichkeiten notwendige Voraussetzung ist. Robuste Gesundheit und ausreichende landwirtschaftliehe Praxis sind unbedingt notwendig für derartige Ein- Wanderer; für Umschichtler dürfte kern Platz sein. Für selbständige Landwirte sind an sich zwei, fellos Möglichkeiten gegeben, und die australische Regierung sucht mehr als jeden andern Typus von Einwandere« gerade Farmer mit etwas Kapital. Doch wäre e>M falsch, sich deshalb Illusionen über die realen Möglichkeiten für jüdische Einwanderer zu machen; denn die Betätigung in der australischen Landwirtschaft setzt im allgemeinen ein recht erhebliches Kapital voraus. Es ist'denkbar, daß Einwanderer, die etwa 700 bis IM Pfund nach Australien bringen können und geübte Laad«, wirte sind, sich eine Farm, etwa in der Nähe von Sydney, kaufen können, um dort Gemüsebau, Blumenzucht, Obstbau aal Geflügelzucht .zu treiben. Nach Ansicht des australischen Komitees wäre die Möglichkeit gegeben, sich bei harter Arbeit auf diese Weise eine gute Existenz aufzubauen, Doch maß st sich um geAbte und doch umstellungswillige Landwirte handelt. Mit weniger Kapital' als 700 Pfund dürfte eine selbständige Betätigung in der australischen Landwirtschaft aussichtslos sein; bei den großen Viehstationen, etwa k West-Australien oder Queensland, müßte das Kapital sehr '.viel höher sein; auch sind dort die Existenzbedingung« unerhört hart. Ans all diesen Gründen dürfte für unser» Auswanderer vorwiegend die der europäischen ähnelnde Landwirtschaft auf den Farmen des Südostens in Fragt kommen. *■ ■ * ' . * . .,- y ■' - -JjjJ VIII. Briefe aus Australien ' Wir geben zunächst einen längeren Brief aus Melbourne wieder, dessen Schreiber mit Recht selbst .betont, daß et nach siebenmonatigem Aufenthalt im Lande noch kein abschließendes' Urteil abgeben könne. Trotzdem ist vieles, insbesondere die Betonung der hohen menschlichen Qualitäten, die man in - Australien vom Einwanderer erwartet, zweifellos richtig gesehen und wertvoll. Melbourne, 28. Januar INI „Die australische Industrie steht in einer Entwickln«»»- uad Erweiterungsperiode, so daß hier gewisse Möglichkeit« zu bestehen scheinen, vorausgesetzt, daß die Frage des - Grladungskapitals gelost werden kann. Auch für Handwerker und I nge n i e u r e dürften in einzelnen Fällen Aussichten bestehen. Sehr "Viel .ungünstigersind die Quiypsp für Aerzt«, da die Berufsorganisationen einer Niederlassung von Xnstt* dem anscheinend nicht günstig gesinnt sind Die Ansichten Obsr die Möglichkeit der AnsiedFung auf dem Lande siei sehr geteilt. Tatsache ist, daß ia den letzten Jahren viele tafliache Ansiedler von dem Land in die Städte oder gar wieder Zurück naeh England gegangen sind, weil sie den Broterwerb auf dem Land zu hart fanden. 4ch kann kein Urteil darüber abgeben, ob jüdische Einwanderer aus Deutschland dort eine Zakunft haben können, vorausgesetzt, daß sich darunter Leute befinden, die fähig und willens sind, sich einem derartigen Berat zu widmen. Ohne ein spezielles Training, das auf aV hiesigen Verhältnisse abgestellt ist, dürfte es ia keinem Faß« abgehen, wenn bittere Enttäuschungen vermieden werden sollet. Der /Australier ist ein offener und dabei Obers« freundlicher und geselliger Mensch. Ebenso wie, der1 Engländer, ist er seinem Mitmenschen gegenüber äußerst tolerant Es ist aber unerläßlich, daß der Einwanderer fähig ist, eich den Sitte» des Lsrides anzupassen. Vor allem muß sein» moralisch» Qualifikation einwandfrei sein. Nur solch» Kaufleat» z. B. sollten in ein zum Britischen Weltreich gehörendes La» Eeschickt werden, deren bisheriges Verhalten dafür Gewähr ietet, daß ihre Begriff» von kauimannisoher Sauberkeit uad Zuverlässigkeit denen de» untadeligen englischen Kauf man« entsprechvn. Ich bitte St», sehr, diese menschliche Seite dw Problem» nicht zu vernachlässigen. -Nach meinen Erfahrungen in

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