Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand UB Ffm
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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tze nach seiner Bevölkerungszahl (ausschließlich der n); infolgedessen haben die Staaten Neusüdwales und ' ietoria bei weitem den stärksten Einfluß. Daa Nordterritoriuni t seit 19J2 ein Mitglied, das aber kein Stimmrecht besitzt. 1938 betrag die Zahl der Abgeordneten insgesamt 75. Das ~aeteobe.ua wird auf drei Jahre gewählt, doch häufig vor-' „ der Legislaturperiode aufgelöst. Senatoren und Abgeordneten können nur Personen ge- "t werden, die entweder schon von Geburt britische Staatsaind oder aber vor mindesten» fünf Jahren in England einem Einzelstaat des Australischen Bundes eingebürgert Die Wahlen zu beiden Hausern-des Parlaments finden Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahl- ~hts (auch für Frauen) statt. Es muß nachdrücklich betont werden, daß sich die geeberischen Befugnisse des Bundesparlaments nur auf «n bestimmten Aufgabenkreis erstrecken. Zu diesem Aren: Handel, Schiffahrt, Bank-, Finanz- und ,Wäh- _ «wesen, Landesverteidigung, Auswärtige Angelegenten, Post- und Telegraphenwesen usw., und neben einiunwichtigeren Gebieten auch das in Australien bedeute Schlichtungswesen in solchen Arbeitskonflikten, die die Grenzen eines Einzelstaates hinausgehen. In allen deren Fragen wird die Gesetzgebung nicht vom Bundes- -lament ausgeübt, sondern von den Parlamenten der Staaten, deren Zahl augenblicklich sechs betragt, r naqh der australischen Verfassung durch Schaffung er Einzelstaaten vergrößert werden kann; dieser Fall wohl dann eintreten, wenn die jetzt noch kaum beedel ten Flachen, besondere in Westaustralien, einmal -e dichtere Bevölkerung erhalten sollten. Der Sitz des Bundesparlamento ist die Bundeshaupttadt CanDerra, die zu keinem der sechs Einzelstaaten ge- 'Sondern -sozusagen bundesunmittelbar ist. Geographisch — t politisch — gehört Canberra allerdings zu Neusüdwales. ist -eine in großzügigster Weise angelegte, ganz auf Zukunft berechnete, heute noch zum größten < Teil leere t — ein für Australien bezeichnendes Unikum. Auf die Verfassung der sechs Einzelstaaten einzugehen, de zu weit fuhren: überall herrscht das System der paramen t a r i s c h e n Demokratie, wenn freilich auch in ht verschiedener Ausgestaltung. Doch besteht für jeden nzelstast ein Oberhaus und ein Unterhaus, so daß Australien, einer Bevölkerung von' 61/4 Millionen, nicht weniger als 668 ziemlich hoch bezahlte — Abgeordnete und 68 amtierende niater sein eigen nennt. , ' Wie in jeder parlamentarischen Demokratie, so spielt Australien das Parteiwesen eine große Rolle, woi das ziemlich'stark vertretene irische Bevölkerungsement hier wie in anderen überseeischen Landern, beider* in U.S.A., dem politischen Leben seine bestimmte, cht immer erfreuliche Note aufprägt. Die wichtigsten Parteien sind folgende; Die Uni- d Australia Party entstand 1931 aus Teilen der früheren tionalistiechen Partei und Absplitterungen dar Arbeiterpartei, bildet augenblicklich zusammen mit dar United Country die Regierung. Die United Australia Party ist scharf ^kommunistisch und in außenpolitischer Hinsicht dem eng- 3 Königshaus ergeben und durchaus empiretreu. Dementiend befürwortet sie handelspolitisch Gegeneeitigkeitsvermit den Empiretündern auf Grund des Ottawa-Abkommens, weitgehende Zollvergünstigungen innerhalb des Empire vorjt Die United Country Party vertritt vor allem die der Landwirtschaft und der rohatoffverarbeitenden uatrie. Dementsprechend ist sie für Herabsetzung der Zölle Fertigwaren und Senkung der Produktionskosten!-— Die Arbeiterpartei hat sich vor einiger Zeit gespalso daß ea jetzt eine Federal La'bour Party und eine Lang r Party gibt, — die letztere genannt nach ihrem Führer Dieser^ ist ein ganz besonders radikaler Politiker, dessen 1. Abschaffung der Bundesparlamente, Kürzung dar ' Misllnrtiarhen' Tinanriellen Verpflichtungen und eine weitere Stärkung der Gewerkschaftsposition vorsieht. Dagegen vertritt die größere Federal Labour Party die Interessen der Arbeiterschaft in der Waise, daß sie für außerordentlich hohe Schutzzölle eintritt (um die australische Industrie trotz der hohen Löhne rentabel zu machen), ferner für schärfste Beschrankung der Einwanderung (wiederum um jede Gefahrdung des Lebensstandards zu verhindern), für Sozialisierung der Banken-usw. Doch hat dies* Partei, deren Führer Mr. Senilis ist, schon viel von ihrem früheren Radikalismus verloren. ' Die australische Außenpolitik wird in erster Reihe beherrscht von der Einwanderungsfrage. Nicht nur den australischen Politikern, sondern auch der breiten Masse der Bevölkerung ist das Bewußtsein in Fleisch und Blut übergegangen, daß die übervölkerten Länder Ostasiens, insbesondere das hochgerüstete Japan, in Australien Siedlungsmöglichkeiten suchen, und, solange man die farbigen Auswanderer gutwillig nicht einläßt, Australien zu erobern trachten. Die Australier sind sich auch dessen bewußt, daß sie aus eigener Kraft einer modernen Großmacht wie Japan schwerlich gewachsen wären; und schön deshalb betrachten sie die Zugehörigkeit zum Britischen Empire als unentbehrlichen Schutz ihrer nationalen Existenz. Diese willige Zugehörigkeit zum englischen Empire, die sich u. a. darin äußert, daß Australien zum Ausbau des großen englischen Flottenstützpunktes Singapore erhebliche Beiträge leistet, beruht aber durchaus nicht nur auf militärpolitischen Erwägungen. Ebenso stark sind die wirtschaftlichen Bande, die Australien mit dem Mutterland verbinden; diese sind einerseits finanzieller Art — kommt doch daa zur Erschließung und Entwicklung Australiens notwendige Kapital fast ausschließlieh aus London —, andererseits aber handelspolitischer Natur; denn England ist der Hauptabnehmer der wichtigsten -australischen Erzeugnisse und steht auch als Lieferant an erster Stelle. Aber neben all diesen realen Interessen spielen auch gefühlsmäßige Momente auf das stärkste mit. Der Australier ist,"wte schon erwähnt .wurde, ungemein stolz darauf, daß die' Bevölkerung seines Landes zu weit über 90- •/»■ britischer Herkunft ist, und so spricht er von .England mit einem Gefühl großer Anhänglichkeit als dem Mütterland und der Heimat. Freilich gibt es zwischen England und Australien -auch gewisse Interessengegensätze. Diese beruhen zum. Teil darauf, daß Atferalieri sich dessen bewußt ist, daß ein neuer europäischer Krieg, in den England mit seinen Hauptstreitkräften verwickelt wäre, für Australien bei seiner äußerst exponierten Lage unübersehbare Folgen haben könnte; infolgedessen ist Australien auf das stärkste daran interessiert, daß England sieh nicht wegen europäische Angelegenheiten in einen Krieg einläßt. Darüber hinaus machen sich aber in Australien starke Sympathien für die andere angelsächsische Weltmacht geltend, d. h. für die Vereinigten Staaten, bei denen man in vieler Hinsicht sogar mehr Verständnis für australische Belange zu finden glaubt als in England selbst, — sind doch auch die Vereinigten Staaten ein dünn bevölkertes Einwanderungsland mit hohem Lebensstandard, das entschlossen ist, sich unter aiten Umständen gegen farbige Einwanderung zu schützen. Infolgedessen, und wegen der Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, blickt Australien vertrauensvoll auf die Vereinigten Staaten und sucht die englische Außenpolitik stets im Sinne * eines möglichst engen Zusammengehen« mit den U.S.A. zu beeinflussen. Dagegen, ist das Verhältnis zu' Japan'achwankend und unsicher, denn während aus politischen Gründen die asiatische Weltmacht mit größtem Mißtrauen betrachtet wird, ist Japan als Abnehmer. australischer Erzeugnisse, vor allem dar Wolle, wichtig, wenn nicht unentbehrlich.