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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand UB Ffm
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 1 (sequence 7)
Language
German
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ALLGEMEINER TEIL jt ■ V Typische Fehler unserer Auswanderer Seit dem Beginn der jüdischen Auswanderung aus Deutschland sind Über vier Jahre vergangen. In dieser Zeit'haben weit mehr als 100000 Menschen Deutschland verlassen, um draußen eine neue Heimat zu suchen. Mehr als ein Drittel von Urnen fand Einlaß in Palästina und traf dort, beim Aufbau der jüdischen Nationalen Heimstätte, so besondere psychologische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse an, daß das Schicksal dieser Aaswanderer -—die zum großen Teil auch schon in Deutschland weltanschaulich und beruflich besonders vorgebildet worden waren — mit dem Geschick der übrigen zwei Drittel, die nach überseeischen oder europäischen Landern gingen, kaum auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden kann. Auch obliegt die Betreuung der Palästina Wanderung nicht dem Hilfsverein. Bei den vielen Zehntausenden aber, "die sich übei alle-- Erdteile Und eine Fülle von Landern zerstreuten, haben sich ungeachtet aller Verschiedenheiten in den klimatischen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bedingungen dieser Eiriwandernngsstaateh doch ge-; wisse typische Erscheinungen gezeigt, die auf -Gjund oYrTw bliesen Auswandererbriefe, Komiteeafrta^a«---- wk. — ■ berichte und ähnlichen Dokumente, die dem Hilfsverein Tag für Tag zuströmen, eine nähere Betrachtung verdienen — zum Nutzen unserer künftigen Auswanderer, die aus.den Fehlern anderer lernen sollen. Unter diesem Gesichtspunkte werden im folgenden gewisse, Fehler charakterisiert, die in hohem Maße als für unsere Menschen typisch anzusprechen sind — gewiß nicht in dem Sinne, daß jeder unserer Auswart^ derer alle diese Fehler beginge, wohl aber so, daß fast jeder unserer Menschen in den einen oder anderen verfällt und freilich oft genug auch in mehrere von ihnen. Ueber solche Fehler zu sprechen, ist nicht Schulmeisteret Vielleicht ist niemandem mehr als gerade den Mitarbeitern des Hilfsvereins bewußt, welch eine Fülle guter Eigenschaften — Fleiß, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und Intelligenz, Familiensinn und Hilfsbereitschaft — von unseren Auswanderern immer wieder bewiesen und bewährt wird, wenn sie sich im Ausland unter schwierigen Bedingungen eine neue Existenz gründen. Von den Anstrengungen und Leistungen unserer Menschen im Auslande zu sprechen, ist jedoch hier nicht der Ort, und ist wohl auch jetzt noch nicht die Zeit, Von ihren Fehlern aber zu berichten, ist nicht nur für die Nachfolgenden nützlich, sondern es mag auch in gewisser Weise denen dienen, die oft großzügige Kolonisations- und Wanderungspläne entwerfen, ohne die menschliche Natur unserer Auswanderer genügend zu kennen und zu berücksichtigen. 1. Eine der verhängnisvollsten Schwächen unserer, Auswanderer ist ihre Abneigung,, sieh von den grüßten Städten loszumachen und in die kleineren Städte oder gar aufs Land zu gehen. Gewiß handelt es sich hier um eine Einstellung, die aus der soziologischen Struktur und bisherigen Lebensweise der Juden in Deutschland leicht verständlich wird — um so notwendiger aber ist die bewußte willensmäßige Korrektur dieser natürlichen Neigung. Gerade weil die Berufsumschichtung für viele Tausende unserer Auswanderer ans Gründen des Alten, der körperlichen Eignung usw. nicht mehr in Frage kommt, ist eine bessere räumliche Verteilung der Einwanderer bei dem Ueber wiegen kaufmännischer und intellektueller Berufe doppelt notwendig. Trotzdem ist es eine in fast sämtlichen Einwanderungsländern immer wieder beobachtete Erscheinung, daß die Mehrzahl der aus Deutschland eingewanderten Juden sich in den größten' Städten zusammenballt — in \ Johannesburg und Kapstadt, in Buenos Aires, in Rio de Janeiro und Sfo Paulo und vor allem natürlich in New York — und schwer zu bewegen ist, auch nur in ändere Großstädte, geschweige denn in kleine Städte oder Dorfer abzuwandern, selbst wenn dort die Erwerbsmöglichkeiten wesentlich besser sind. Die Folgen dieses Verhaltens für die . jüdische Gesamtheit sind ernst. Denn durch das Zusammenströmen vieler Hunderte oder Tansende unserer Menschen an einem Ort ergibt sich meiat die Unmöglichkeit, sie mit Hilfe der dort bestehenden jüdischen Gemeinden und'Komitees'

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