Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 108 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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im **. % ■r v von 1500—5000 Peso* kann man einen kleinen Laden der Manufakturenwaren- oder Haushaltungsartikel- oder Lebensmittelbranche aufmachen «ad kann dabei noch ein hie zwei Monaten bescheiden seinen Lebensunterhalt verdienen. Auch kleine H-a usindustrie - Betriebe bieten unter gewissen Voraussetzungen noch einige Chancen. Es ist dabei notig, daß der Hersteller in kleinstem Maßstäbe mit geringen Unkosten arbeitet und seine Produktion selbst vertreibt. Welche Art von Industrie hier in Frage kommt, ist schwer an sagen. Stark überlastet ist die Fabrikation von pharmazeutischen, kosmetischen Artikeln wie auch jeder Art von Putzmitteln. Ein wirklich tüchtiger Schokoladenmeister, um nur ein Beispiel so nennen, konnte noch gut zu tun haben. / Die Magi&hir^itn für Groß-Kapitalisten kann man in dieser allgemeinen Uebersicht nicht auffuhren. A Auffallig ist die geringe Anpassungsfähigkeit der Einwanderer: die Stetigkeit des tfeutschen Labens, das jahrelange Innehaben einer Stellung, das Bewußtsein einer Vergangenheit in mehr oder weniger gehobener Stellung, macht die Mehrzahl der Einwanderer recht schwerfällig und erschwert damit die so unbedingt notige Umstellung auf das Neue, das selbstverständlich ganz anders ist Hier in Uruguay, sei es in Montevideo oder in der Provinz, trifft der Immigrant immer wieder auf zwei Elemente, die Hiesigen und die Ostjuden. Häufig sind es gerade die Ostjuden, die dem Einwanderer helfen können, die er aber meist nicht nur nicht zu erwärmen versteht, sondern häufig genug vor den Kopf stößt Die hier ansässigen Ostjuden sind zum großen Teil aus kleinen Städten und Dörfern und haben sich in 8—10 Jahren in zäher Arbeit und unter großen - Entbehrungen hochgearbeitet. Man versteht, daß solche Menschen auch von anderen daa Aeußerste verlangen und Flüchtlingen nur dann helfen werden, wenn diese ihre Sympathien zu erwerben wissen." V. Lebenshaltung und Lebenshaltungskosten „Die Kosten des Lebensunterhalts für einen einzelnen jungen Mann stellen sich auf 35—40 Pesos monatlich, solange er keinerlei Anschaffungen zu machen braucht, ausschließlich der Ausgaben für spanischen Sprachunterricht. Es ist dabei ziemlich gleich, ob man in einer billigen Pension öderen einem Zimmer, das man mit den nötigsten Möbeln billig möblieren kann, wohnt Wohnungen gibt es in jeder Preislage, und man. kann von der einfachsten Wohnung im Kolonialstil (große hohe Zimmer, die nach dem Innenhof gehen) bis zur modernen 10-Zimmer-Wohnung mit Zentralheizung, fließendem Wasser usw. alles haben. Die Wohnungspreise sind dementsprechend sehr verschieden. Eine altmodische 2-Zimmer-Wohnung kann man schon für 20 Pesos monatlich haben, -während eine große moderne Wohnung 100—ISO Pesos kostet Die Gesamtlebenshaltung rechnet man ungefähr 4—Smal so hoch als die Mietausgaben. Relativ hoch "sind die Ausgaben für Omnibus und Straßenbahn, sowie im Anfang die Ausgaben für Sprachunterricht Wir mochten dabei betonen, daß es geradezu unbegreiflich ist, daß Menschen« ohne Geld nicht wenigstens die Ueberfahrt zu eifrigen Sprachstudien benutzen." *V s f (Aus dem Bericht des Schutzkomitees in Montevideo, vom 25. Mai 1936.) Die Regierung von Uruguay berechnet in regelmäßigen Abständen die Kosten der monatlichen Lebeoshaltung, doch ist die Ziffer, die in Pesos angegeben wird, für das tatsächliche Preisniveau nicht charakteristisch, da wesentliche Waren wie Butter, Tee, Fische, Geflügel und Kohle eicht in ihr berücksichtigt sind. Sie umfaßt nur für den Eingeborenen-Durchschnitt notwendige Lebensmittel, und Bedarfsartikel. Diese Kosten betrugen 1934 im Monatsdurchschnitt 12,87 Pesos gegenober 12 37 Pesos im Jahre 1932. Die Preise eingeführter Waren sind durch die allgemeine Bescbrän. kung der Einfuhr und durch die Devisenbewirtschaftung ge- ' VL Kulturelle« ■ Der Bildungsgrad Uruguays gilt als verhältnismäßig hoch. Der Anteil dar Analphabeten an der Gesamtbevölkerung soll einer der niedrigsten aller südamerikanischen und obligatorisch. 1933 gab es 1541 Volksschulen mit 4828 Lehrern, die von 165810 Schalem besucht wurden. An der Universität Montevideo, deren Besuch ebenfalls kostenlos ist, waren 1933 13766 Studenten immatrikuliert. . ' Die Mehrheit der Einwohner Uruguays ist katholisch, doch gibt es keine offizielle Staatsreligion. Es herrscht religiöse Toleranz gegenüber anderen Bekenntnissen. VH. Jüdisches Leben „In Montevideo herrscht reges jüdisches Leben. Die aschkenasischen Vereine haben sich 1932 zusammengeschlossen, die Sefardim sind besonders organisiert, ebenso die nicht geringe Anzahl jüdischer Arbeiter. Neben Talmudthoraa bestehen die von der Gesellschaft der argentinischen Religionskurse unterhaltenen sechs Schulen für aschkenasische und eine für sef ardische Kinder. In Montevideo erscheinen zwei jiddische Blätter und die spanische Zeitschrift ,Voa HebreaV* (Aus Mark Wischnitzer: ffie Juden in der Weif.) Ueber das Verhältnis der Neueinwanderer zu den eingesessenen Juden: siehe den Schluß des Abschnitt IV; über die Zahl der Juden:, siehe Abschnitt „Bevölkerung*'. VIII. Briefe an* Uruguay Nachstehend geben wir einige Stellen aus Briefen wieder, die uns in den letzten Monaten aus Uruguay zugegangen sind ' Montevideo, den 6. Juni 1936 „Der Bedarf einer vierköpfigen Familie schwankt je nach den Ansprüchen. Mit ca. 180 Pesos kann man hier schon sehr gut leben, ich glaube, daß die meisten mit kaust der Hälfte auskommen, alles einbegriffen. Um eine Existenz zu gründen, ist. Kapital nötig, daa je nach Art der: Investierung großer oder kleiner sein Kaan. Da die Banken- 5Vt 1» Zinsen zahlen, ist evtl. das Leben nur von Benin das einfachste. Also 20 000 Pesos genügen für einen Privatier, da die Möglichkeit großer- Extraausgaben sehr' gering ist. Die Staatsbank verzinst mit 50 o. Wohnungsmiete richtet'sieb-nach der Gegend. Ich selbst zahle für eis ganz modernes Sieben-Zünmer-Haua monatlich 75 Pesos, Etagenwshaungen im gewohnten Sinn gibt ee wenig. Ein Vier- bis Fünf-Zimmer-Haus wird für ca. 50 Pesos gut zu haben sein. ' Es gibt hier aar höheren Ausbildung Privatschulen (französische, amerikanische, spanische), die monatlich 12 Pesos Schulgeld kosten. Dem Werden die Schüler im eigenen Autobus wegen der etwaigen Entfernung von Hause morgens , abgeholt und wieder nach Hause gefahren für 5 Pesos pro Monat. Die Öffentliche Schule, die gratis ist hat den Cfawahtet unserer Mitteischulan.. Die Absolvierung berechtigt zum Universitätsstudiom, daa auch vollkommen gratis ist. Eise große Universität mit allen Fakultäten ist hier. Buenos Aires ist ca. 200 km entfernt der Verkehr geschieht in der Hauptsache durch Dampfer, die dazu ca. acht Stunden brauchen. Landwege, Autoverkehr, W—nKahw gind vorhanden,. ebenso Flugverkehr. Einwanderer nach Uruguay können nicht ohne weiteres nach Buenos Aires, aber umgekehrt ist et möglich. Alle unsere gewohnten Möbel, besonders die kleineren, sind hier gut zu gebrauchen. Wenn Fracht usw. in Deutschland ganz' bezahlt wird, dann lohnt ee sich auf alle Fälle, weil hier. alles' relativ teuer ist bei Neuanschaffungen (Möbel, Geschirr, Wäsche) und nicht gut gearbeitet Am besten ist ein Lift, der viel Fracht erapart. Flügel sind sehr wertvoll,- besonders Markeninstrumente." Die praktischen Ratschläge dieses Briefes, werden ergänzt durch eine Mitteilung des Einwanderer-Schutzkomitees vom 2t. Juli 1936, in der es heißt: . „Teppiche und Polstermöbel raten wir mitzubringen. Darüber hinaus machen wir Sie darauf aufmerksam, daß Umzugsgut mir zollfrei ist wenn mitgeführt. Die Revision wird sehr liberal gehandhabt. Wir raten Ihnen femer, Nähmaschinen, Radio, Staubsauger usw. mitzubringen, alt oder neu. Fall» neu, wollen Sie bitte darauf achten, daß diese Dinge nicht fabrikneu verpackt sind." ■ Eine weitere Ergänzung dieser praktischen Ratschläge aas einem Brief aus Montevideo vom 2. Juli 1986': „Die Stromspannung ist hier 220 Volt Wechselstrom. Es empfiehlt sich, alles an elektrischen Apparaten und Geraten irrigsten aller »üdamenkan.schen mitanbru^on, such Wärmeöfen, da der ftlr Kraftaweck, übliche Länder sein. D,er Schulbesuch ist kostenlos Strom nur i eent/Kwh. kostet (dJh. etwa 1% Pt)T .-i •, . 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