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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 90

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 90 (sequence 94)
Language
German
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als gelobtes Lud geschildert worden» war, und man mir gesagt hatte, daß man mit wenig Geld relativ viel anfangen kann. Hier in Ecuador angekommen, habe ich mich mit einem Eingeborenen assoziiert und bin leider hierbei schmählich betrogen worden, wobei ich einen , großen Teil meines Geldes einbüßte. Mittlerweil» mußte ich dann auch feststellen, daß all« Angaben, die man mir in Europa aaenafht hat, von A bis Z unwahr sind. leb warne Sis-end jaden dringend, Auswanderungen nach Ecuador zu unterstützen, da hier Leute, die Aber' mindesten« 8000 bin 4000 Dollar verfugen, ebenso ch leiden müssen, wie ich es mit meiner Frau und meinem einjährigen Kindchen getan. Meine Frau ist Friseuse, und ich habe noch eine kleine Kürschnerei, und beide" Betriebe sind nicht in der Lage, uns zu ernähren." Häufig kommen wohl solche Mißerfolge von bestimmten psychologischen Fehlern der Auswanderer,' die folgende StelleVaus dem Brief eines aas Deutschland stammenden jüdischenN«Professors in Quito vom 3. Juli 1936 schildert: \ j,Wie in allen Landern, wo Höflichkeit und gute Form hoch im Kurse stehen, ist es für den Neuling oft sehr schwer, zwischen Höflichkeit und fester Zusage zu unterscheiden. Klage Ober Unzuverlässigkeiten dar anderen ist oft nur eigene Verstandnislosigkeit Vor der ihm unheimlichen sachlichen Dringlichkeit des Europäers rettet sich der Einheimische in' die ihm gewohnte Höflichkeit und staunt über die Dummheit und Taktlosigkeit des .Gringo', der Um dadurch für gebunden halt. Größte und leider recht häufig beobachtete Fehler des Einwanderers: die Einheimischen rar dumm zu halten, weil ihre Denkweise von der unsrigen abweicht; so ton, als ob das Land nur auf den Einwanderer gewartet hat, um endlich zu lernen, was Geschäftstüchtigkeit usw. ist Diese Leute schädigen sich selbst und alle Schicksalsgefährten. Wer auf die Dauer etwas erreichen will, lasse sich nicht durch halb verstandene Aeußerlichkeiten täuschen, sondern beobachte kluge Zurückhaltung und leiste sah« Arbeit." Sehr. realistisch und deshalb wertvoll ist folgender Brief des Besitzers einer Bar in Guayaquil vom90.November 1935: »Das Leben ist, europäischen Verhältnissen nach, äußerst billig, aber dementsprechend auch der Verdienst. Sich irgendwie anzusiedeln, ist sehr schwer, da der Weg vok hier nach Quito wohl erschlossen ist, aber die Landstreifen, 'die' die Regierang kostenlos gibt, sind' von der Straße ganz abgelegen und nur . durch tagelange Mauleselreisen' zu erreichen. Um. «ich ansiedeln zu können, dazu gebort ein ziemlich großes Kapital, da man vor allen Dingen berücksichtigen muß, daß man anter den schwierigsten Verbältnissen Lebensmittel heranschaffen muß und im ersten Jahre so gut wie nichts wächst. Falls Sie evtl. diese Absicht haben, müssen Sie vor allen Dingen auf die primitivsten Lebensbedürfnisse Verzichten. Ich will Ihnen dafür ein Beispiel nennen: Mit mir zusammen kamen zwei junge Leute, Berliner, Arier, Brüder, der eine Pressephotograph; der andere Landwirt. Diese beiden kamen auf Veranlassung eines Freundes, der schon irgendwo in Holländisch-Indien Kaffee pflanzte, hierher. Der Freund, der 'schon ungefähr ein Jahr früher sich ansiedelte, machte den beiden wohl die glänzendsten Versprechungen, damit sie kamen, um seine Einsamkeit zu teilen. — Heute ist der Freund dabei, sein Land zu verkaufen, in da« er vielleicht 200 bis 300 Dollar gesteckt hat, für 50 Dollar. Die beiden anderen müssen notgedrungen dableiben, weil ihr Kapital aufgezehrt ist und kein Mensch ihr Land kaufen will. — So sieht das Ansiedeln aus! \ .Von mir gesprochen, habe ich gerade Glück gehabt; die letzte deutsche, Bar war vor l'/j Jahren hier und anter den schimpflichsten Umstanden pleite gegangen. Haute haben' die Leute hier, eins andere Meinung; aarhnem ich beinahe fünf Monate durchgehalten habe, habe ich heute auch meine Kundschaft, aber was es mich an Nerven- und Geistesanstrengung gekostet hat, weiß nur ich allein zu sagen; dazu war ich jetzt ca. acht Wochen erkrankt an einem Tropenfieber und habe in dieser Zeit ca. SO kg abgenommen. Im ersten Jahre empfind, t man nur die Hitze,, im zweiten' kommen die "Krankheiten, bis man akklimatisiert ist" t { ~ . Sehr interessant ist folgender Brief eines Auswanderers aus Tu Iran vom Oktober 1935: Irh wohnte in A<HY'ln "nm' Haiaaian KaiHi IsJl llmr frflheren Provinzgouverneur, einem Rechtsanwalt, der mir außer ordentlich mit gutem Rat dienlich war und mir abriet,. Laadwirt im Gebirge zu werden, da die Wege dortbin anter aller Beschreibung sind, und msn selbst von der primitivsten Kultur hermetisch abgeschlossen ist Ich habe dort Land, sehr produktiv, wo Kaffee, Bananen, Zuckerrohr und andere Produkte mehr reifen. Aber der Transpott ist nur durch Ochsen möglich, und msn klettert selbst wie ein Hochtourist, mit zwei Stocken, aber eine Höhendifferenz von 9000 m. Also entschloß ich mich > "wach vielem Hin and Her, einen Laden aufzumachen, der mich I Cott sei Dank 'gut ernährt, trotz meines geringen Kapitals und i entsprechend kleiner Auswahl. Ich sitze in einer Hobe von 8200m, in der Nähe der columbianischen Grenze, in einer Stadt von 10 000 Einwohnern. Es gibtnier elektrisches Licht, Kanalisation, Radio usw, Autos und gute Straßen. Das Klima hier istfrisch, und msn kann einen Wintermantel gut vertragen und warme Unterwäsche." Endlich geben wir den zufriedenen Brief eines Auswanderers wieder, der sich eine größere Besitzung gekauft hat. Quito, den 24. November 1935 Man kann als .Europaer hier sein Auskommen finden, doch gehört, wie überall, Geld dazu, am weiterkommen za -S können. Mein Sohn hat unberufen in Radioreparaturen so viel zu ton, daß er, wenn es so weitergeht, oz> 500 bis 600 Sucre im Monat verdienen wird. Im Handel ist hier nicht sehr viel zu machen, da dss Land, das fast so groß wie Deutschland ist, nur ca. 2 500000 Einwohner besitzt Die Käuferzahl der begüterten Bevölkerung ist. daher sehr gering und wird auf ca. 900 000 geschätzt Das beste ist immer eine Hacienda (Farm), da doch auch die Nichtbemittelten essen müssen, und die Produkte einen guten Absatz finden. Es wird hier von der Regierung Land gratis verteilt doch' ist dieses in Gegenden, wo Urwald ist, und dort sind die Wegeverhältnisse sehr schlecht Ich habe schon wahrend meines Hierseins sehr viel besichtigt und bin mitunter neun bis zwölf Standen am Tage im "Sattel gewesen, .denn man kann sich hier alias nur zu Pferd ansehen, da'mit Sem Wagen dort nicht hinzukommen ist Ich'habe mich deshalb entschlossen, mir lieber etwas zu kaufen, was am Wege liegt denn es ist keine leichte Sache, so seine Familie ia fast unbewohnte Gegenden zu bringen. Ich hebe mir nun "nach Ungern Suchen' eine Hacienda gewählt, die von der Straße nach 20 Minuten per Pferd zu erreichen und ca. 600 Hektar .— 24 000 Morgen groß ist. Auf meiner Hacienda ist schon ein Sägewerk mit Wasserturbinenantrieb; urbar gemacht ist das Land bereits, auf 260 Morgen, hiervon 60 Morgen Wiesen für Vieh, das hier.auch eine große Rolle spielt Die Hacienda ist nicht -nur landwirtschaftlicher Betrieb, eondern durch das Sägewerk auch Industriebetrieb. In den Waldungen sind meistens nur Edelhölzer, aber auch Bauholz. Wenn man hier so etwas > unternehmen will, gehören mindestens 5000 RM. dazu, das sind hier 20 000 Sucre. Ich würde niemandem raten, hierher zu kommen, der nicht über diesen Betrag verfügt Denn selbst wenn msn ein Stück. Land in der Nahe eines Weges gratis erhält, gehört auch zur Urbarmachung Geld, denn man kann hier unmöglich die Arbeiten selbst machen. Man muß hierzu Indios haben, die auch 1,30 Sucre pro Tag and Essen bekommen müssen, da man sonst keine Arbeiter bekommt . Das Essen für einen Indio kostet pro Tag 0,50 Sucre. Wenn das auch nicht viel Geld kostet, so gehört dennoch Geld dszu. Außerdem wird hier das Land auch ganz anders bestellt wie in Deutschland, da doch alles gebirgig ist Ia tropisches Klima kann unsereiner nicht gehen, da dort Malaria und andere tropische Krankheiten herrschen. Deshalb muß man hier sehr, aufpassen, um nicht in eine solche Gegend zu kommen. Hier im Lsnde sind fsst alle 90km andere Klimata

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