Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 79 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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- Bogotá 6× ep/1044235
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.liehen Bevölkerung über 10 Jahre Analphabeten; seitdem hat sichaber" der Prozentsatz noch weiter gesenkt. Wie ernst es dar Regierung um die Hebung des Bildungsniveaus ist, geht mit besonderer Deutlichkeit aus einem im Dezember 1934 unterzeichneten Gesetz hervor, wonach mindestens 10 <>b de« Staatshaushalts (der Zentralregierung) fflr Bildungszwecke verwendet werden müssen. Die älteste Universität des Landes ist die vor ober 400 Jahren begründete Universität von Bogota, dieebenso wie die Bergakademie von Medellrn dem Staat gehört; dagegen werden die drei Universitäten in Cartagena, Popayan und Pasto von den Departements unterhalten. Im ganzen zahlten die Universitäten fast 3000 Studenten. Die Literatur und das Pressewesen stehen in Columbien verhältnismäßig sehr hoch. Es hängt' wohl mit dem gebirgigen Charakter des Landes zusammen, daß die einzelnen, voneinander durch die Natur getrennten1 Landesteile ein starkes kulturelles Eigenleben entwickelt haben. Auch scheint die Weltabgeschiedenheit vieler Orte und die damit verbundene SpBrlichkeit der Nachrichten die Fähigkeit zur kritischen Verarbeitung gestärkt ZU haben. — Die Hauptstadt Bogota wird manchmal das „Athen Südamerikas" genannt; an dieser euphemistischen Bezeichnung ist jedenfalls soviel richtig, daß eine zahlenmäßig kleine Oberschicht schon seit Generationen bestimmte Literaturzweige, wie die Kunst des leichtes Essays, besonders kultiviert bat. In Bogota selbst erscheinen neun Tageszeitungen. Im übrigen Lande sollen nicht weniger als 800 verschiedene Zeitschriften, Magazine und dergleichen erscheinen. Ein spanisch-jüdische» Blatt „Nuestra Tribuna" erscheint in der Hauptstadt. - V. Jüdisches Leben - In Columbien leben zur Zeit mir etwa 2050 Juden, d. Ii etwa 500 Familien. Hiervon sind etwa ,1700 Aschkenasim, die aus den verschiedensten Ländern Europas stammen, zum größten Teil aber aus Bessarabien. Der Rest, also etwa 350' Personen, sind. Sefardim. Am . meisten Juden zählt die Landeshauptstadt Bogota: 1100 Seelen oder etwa 300 Familien. Dann kommt die Stadt Cali mit' etwa 400 Juden, Barranquilla und M edel Ii n mit'je ungefähr 150 -Seelen; der Rest der jüdischen Bevölkerung verteilt sich auf die wichtigsten Provinzstädte. (v Trotz ihrer geringen Zahl sind leider die Juden Columbiens unter sich nicht einig; es gibt mannigfache Gegensätze, sowohl zwischen den Aschkenasim und den Sefardim, wie innerhalb der erstgenannten Gruppe zwischen den verschiedenen Parteirichtungen. Eine Reihe judischer Organisationen, die bis vor kurzem völlig unabhängig voneinander arbeiteten, sind jetzt in einer „Jüdischen Föderation von Co lumbic n" als . umfassender Dachorganisation vereinigt. Diese Föderation bemüht sich, die jüdische Gesamtheit in der Republik zu vertreten, was um so notwendiger ist, als sich in letzter Zeit erhebliche a u t i s e m i 11 .vc h e Strömungen im Lande bemerkbar gemacht haben. . «Die Föderation wird von allen jadischen Gemeinden unterstützt und verfugt über Vertrauensleute und Korrespondenten auch an den Orten, wo es keine Gemeinden gibt. Im übrigen sind aber die Gemeinden und sonstigen Organisationen selbständig. Von der Föderation direkt wird eine Anzahl Einrichtungen unterhalten, so «in sozialer Verein in Bogota, eine Synagoge, eis« Wohltätigkeitsanstalt, ein Friedhof usw. Die Föderation beschäftigt sich auch mit zionistischen und sonstigen Dingen von allgemein-jüdischem Interesse; in der letzten Zeit hat sich die Föderation auch der Unterbringung neu Eingewanderter gewidmet, und zwar mit gutem. Erfolg. Die jadische Bevölkerung in Bogota ist mit.wenigen Ausnahmen erst im Laufe der letzten zehn Jahre ein-' gewandert. Beruflich setzt sie sich aus ungefähr \5Ö °/o [auftauten und Kleinindustriellen (die Schuh- und Kleiderfabriken, Webereien, Lederwarenfabriken usw. besitzen) und zu 50 o/o aus Hausierern zusammen. Ueber die wirtschaftliche Lage der Juden von Bogota heißt es in einem ungemein wertvollen Bericht der „11 i c em" vom April 1936, dem wir auch ein« Reihe anderer Angaben Ober Columbien mit gütiger Erlaubnis entnehmen, folgendermaßen : „Niemand, beklagt «ich Ober Min« materielle Lage; alle verdienen genug, um ihr« Ausüben'zu decken; ■vielen ist es sogar gelungen, mäßige Ersparnisse zu machen." Unter den jüdischen Einwohnern von Bogota sind ungefähr 15 °o Sefardim. , In Cali leben etwa 400 Juden, wovon 260 Aschkenasim, der Rest Sefardim sind. Hier herrscht unter allen Eintracht. Jede Gruppe hat ihr' wohlorganisiertes Zentrum, besitzt einen, Friedhof und befaßt sich mit Wohltätigkeit, Unterricht usw. Ia wirtschaftlicher Hinsicht besteht die Judenheit von Cali zu etwa 76 •> aus Kaulleuten und kleinen Gewerbetreibenden und zu etwa 25 °o aus Hausierern. Die Aschkenasim von Cali befassen, sich augenblicklich damit, ihren Religionsunterricht zu organisieren; zu diesem'Zweck hat man einen guten Lehrer verpflichtet (Ia Bogota existiert ein solcher Lehrer nicht, obwohl es dort viel mehr Juden gibt.) *',., In Barranquilla, mit seinen 150 Juden, gibt es ein jüdisch«» Zentrum, welches sogar juristische Person ist, ferner eine jüdische Schule und einen Friedhof. Die. Lage all dieser Juden ist recht gut, sie befassen sich auch hier mit Handel und Kleinindustrie, und wie überall gibt e» auch hier Hausierer. Die Sefardim besitzen die wichtigsten Handels- und Industriefirmen; einer von ihnen hat eine Seiden- und Wollstoff-Fabrik gegründet, die ein erhebliches Kapital .aufweist. Barranquilla ist eine Hafenstadt in sturkem Aufschwung, und die jüdische Bevölkerung wird sicherlich. zunehmen, wie sie denn auch jn den letzten Jahren schnell gewachsen ist. — Ein anderes wichtiges Zentrum ist M e d e 11 i n. Auch hier gibt es ungefähr 160 Juden, deren Lage in aKen Punkten der der .luden von Barranquilla stark ähnelt. \ Die Juden, die über die übrigen kleinen Städte des Landes verstreut leben, sind in der Mehrzahl Hausierer; nur eine kleine Zahl von ihnen ist fest niedergelassen. Im' allgemeinen kann man aber damit rechnen, daß aus daih Hausierern bald Kaufleute werden, die sich in den wichtigsten Zentren niederlassen, sobald sie durch den 'Hausierhandel das nötige Anfangskapital zusammengebracht haben. Man gibt nach Möglichkeit den Hausierhandel auf, weM ihm dje - Behörden, ebenso wie die -Bevölkerung, höchst unfreundlich gegenüberstehen. Hierdurch,, ebenso n- Sfy v . 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