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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 37

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 37 (sequence 39)
Language
German
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rWe' stecke* zu bleiben, die hier ebenso subaltern i»t wie drüben Es iat nicht allzu schwer, sich tu ernähren, aber es ist sehr schwierig, »ich gut zu ernähren, und ' verdammt schwer, wirklich ,zu etwas zu kommen'. Und doch habe Ich in keinem Augenblick bisher bereut, vo» Berlin weg zu sein. Höchstens, daß ich nicht schon früher meinen Kofier gepackt habe. Eine wichtige Frage ist auch das Frauenproblem. Ich meine* weniger die sexuelle Frage, die im Winter an Bedeutung verliert, als die Frage: Wen werden die jungen Leute heiraten, wenn nicht auch jüdische Madchen einwandern? In den ICA-Siedlungen haben sich die Leute im allgemeinen nicht vermischt und sind bis heute ziemlich rein geblieben. Hier' werden Mischehen unvermeidlich bleiben. Das ist ein Problem, das man im Hilfsverein auch aberlagen sollte: Wie kana man die weibliche Einwanderung fSrdern?" I -—^ •t^>.*ü^ Daß eine Auawanderang alleinstehender Frauen und Madehen nach Argentinien möglich und wünschenswert ist, bestätigt folgender Brief des Hilfavereins deutscfisprechender Juden aus Buenos Aires vom 3. Juni 1936: „Die Klagen ober Mangel an jüdischen jungen Madchenbekanntschaften sind durchaus begründet, jedoch dürften in 9em von Ihnen speziell "behandelten Fall des Fräulein G. keinerlei Einwanderungsschwierigkeiten bestehen. Die Altersgrenze, bis zu der besondere Schwierigkeiten gemacht werden, ist 23 Jahre und entspricht dem internationalen Abkommen zur Bekämpfung des Mädchenhandels. .Bei Damen über 23 Jahre ist die Handhabung genau die gleiche wie bei Männern. Wenn also Frl. G. das argentinische Visum bekommt, womit dieselben aber keine anderen Schwierigkeiten verbunden sind, wie in jedem beliebigen anderen Falle, kommt sie auch ohne weiteres ins Laad." Endlich-echildert folgende Stelle aus einem Brief ans . Buenos Aires vom 7. Mai 1936 die oft tragikomische Situation des. „Gringo", des Neueinge wanderten, der .die. Landessitten-nicht kennt: „Ich kam hier mitten im Hochsommer an, als die unerträgliche Hitze die Menschen faul und lässig machte, und jeder halbwegs wichtige Geschäftsmann außerhalb -der Stadt'seihe Ferien zu genießen schien. Trotz der Hitze darf man nicht ohne Jacke herumlaufen, wohl aber kann man Minner in Pyjamas sehen, was offiziell erlaubt ist. Männer dürfen nicht baden außer in einem Damenbadeanzug' mit einem kleinen Röckchen. Männer dürfen nicht Cafes betreten, die für Damen reserviert sind, Damen nichtsolche, di? für Männer reserviert sind und alleinstehende' Männer wieder nicht Familien-Cafes, sondern nur in Begleitung einer Dame usw., bis man in eine* solche Verwirr un« kommt, daß1 man überhaupt nicht mehr ein noch aus weiß. Aber man darf arbeiten und das -ist die Hauptsache für - uns alle. Eelst ein höchst befriedigendes Gefühl, daß man arbeilen darf und in dieser Hinsicht. gleichberechtigt. ist mit allen anderen." ... '■ 9\^r-'■ ia^^Si - -vX m * - '•* - :. '■*< ij Nachdem die vorstehenden Briefe sich durchweg mit dem Leben der Einwanderer mi% städtischen Berufen befaßt haben, bringen wir im folgenden noch eine'Reihe von Briefen, die das Leben des jüdischen Landwirts in Argentinien schildern. Ein * junger Mann, der auf dem landwirtschaftlichen Lehr gut von Choele Choel (Prpvinz Rio Negro) arbeitet, berichtet Ende 1935 folgendes: „Wie Sie vielleicht durch Herrn K. hörten, bin ich auf einem Lehrgut dea Hilfsvereins Buenos Aires und erlerne die Landwirtschaft, die in einem Agrarstaat wie Argentinien das Beste ist Man muß" zwar schwer arbeiten, aber man hat eine gesicherte Zukunft. Ich bin hier der Aelteste und werde in ungefähr zwei Jahren ein Stück Land von sieben Hektar als mein Eigentum bezeichnen können. Unser Lehrgut" ist 40 Hektar groß und wird für Siedler aufgeteilt, wovon ich der erste bin. Die Arbeit ist schwer, doch geht alles, wertn man den Willen hat. 4 ' ' ••' . ' X ' ■ - " S Bei uns beginnt jetzt der' Sommer, und stehe ich um 4 Uhr morgens auf, melke die Kühe, nachher pflüge oder säe ich mit drei Pferden, und so erstreckt sich die Arbeit bis abends, 8 Uhr, dann hat man starken Hunger, und an Müdigkeit fehlt es auch nicht. / Für hier kommen nur Leute im Alter von 18—22 Jahren in Frage, und bilde ich eine Ausnahme. Wie bereits schon erwähnt, iat Landwirtschaft das Beste, und kann man auf einem Stück Land von sieben Hektar glänzend mit Familie leben, wenn der Siedler zu arbeiten versteht." Das Lehrgut Choele Choel, auf dem der Verfasser des obigen Briefes arbeitet, wird vom Hilfsverein deutschsprechender Juden in Buenos Aires unterhalten. Dagrgen stammen alle folgenden Briefe von Juden aus Deutschland, die von der ICA in ihren landwirtschaftlichen Kolonien angesiedelt wurden. Aus der Kolonie A v i g d o r berichtet eine glückliche Familie am 13. Mai. 1936: „Wir haben uns nun Cott sei Dank gut eingelebt Haben sin Haus mit 3 Zimmern, .Küche und Veranda, aber alles primitiv eingerichtet. Aber das tut alles nichts zur Sache, die Haupt- - sache ist: Scholem Ferner haben wir 300 Morgen.Land, zehn Pferde, zehn Kühe und hundert Hühner, alles um das Haus herum, und haben uns schon einen großen Garten angelegt. Demnächst werden 'allerlei Obstbäume gepflanzt und Scnattenbäume um das Haus herum. Wir bekommen auch Feigenbäume, Apfelsinen, Zitronen, die schönsten Früchte. Wir buttern und machen die schgnsten Käse, zu hungern brauchen wh* nicht; wer arbeitet, der kommt schon durch, das ist ja eben unser Los. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen. Die ICA hat - für alle .gesorgt.^und brauchen wir es nicht zu bereuen." ^Ä'.*-j**K /t&iüffVfo- ,'- - Eine andere aus Deutschland stammende Kolonistenfamilie sendeteine sehr ausführliche Schilderung ihres Lebens in der ICA-Koronie A v i g d o r, ,der wir folgendes entnehmen: .' ' - Avigdor, den 8. Marz 1936. „Nachdem wir nun 8 Wochen auf unserer Kolonie Avigdor sind, sind wir in der Lage,'eine einigermaßen genaue Schilderung über das zu geben, was-*, hier die Lebensverhältnisse usw. anbetrifft. ' v ■ *■ . - , - .w . Wir müssen offen gestehen, wir waren von unserem Hause' angenehm überrascht. Waa wir vorfanden, war . kein Lehmhaus, keine Bretterbude, sondern ein richtiges, von außen beworfenee Backsteinhaus mit einem überdachten Vorbau. Das Haus besteht aus zwei schönen geräumigen Zimmern und einer 'schönen Küche. Letztere "haben wir ' als Schlafzimmer eingerichtet, und so haben wir genügend Platz. Allerdings gibt es noch größere .Familienhäuser mit drei Zimmern und'Küche. Hinter dem Haus ist ein Backofen,. und gekocht wird im Freien. Die offenen Scheunen, wie Oberhaupt vieles, sind noch im Bau begriffen. Die Pumpe ist in der Mitte von ie zwei Hausern, und zwar 30 m von indem Hause entfernt. Wir haben" einen Wasserbehälter mit Hahn, einen ehemaligen Eisbehälter, derselbe wird jeden Morgen mit zehn Eimern Wasser gefüllt, und so vermissen wir hier nicht im geringsten die' Wasserleitung. Auch vermissen wir kein elektrisches Licht. Wir haben zwei Lampen, wie in den Städten die Gaslaronen mit Glühstrümpfen, nur, daß wir hier statt Gaa Spiritus brennen. Wir müssen offen gestehen, daß wir uns Primitiveres vorgestellt haben, und möchten behauDten, daß wir an häuslichen Bequemlichkeiten, wie wir sie in Deutschland hatten, kaum etwas vermissen. Unsere Wohnung ist schon so nett eingerichtet, und wir haben es sehr gemütlich. 60—70 m seitlich vom Hause liegt das nächste Siedlerhaus und 150 m vor uns liegen noch zwei Häuser, so daß wir bestimmt nicht einsam wohnen. Bei einem Weg von 20 Minuten erreicht man die nächsten vier Siedlerhäuser. Unser Land liegt alles direkt hinter dem Haus. Es besteht aus 140 Morgen geackertem Boden, 100 Morgen Weideland und 100 Morgen Busch, was man «och gut als Weideland benutzen kann. Des Land iat für jede Familie schon soweit in Ordnung gewacht, daß man nach einem Jahr schon einigermaßen sein AusÜlsnmen hat. Das .'• _- - _j| ' Herbert IJebonthal -.Nped Ii ion Berlin W 8 Kronenstr. 33 Auslands-ITmsfige und Übersee Palästina -1 ■eaagsbrmUung aas eigener ljtndenke»taU TeL: A»»y4» \,', : 't . . it -''* V ' " 1

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