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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 29

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand UB Ffm
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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aufwärts pro Tag rechnen, mit Verpflegung einen Betrag von 3,50 Pesos aufwärts. - — Ein möbliertes Zimmer ohne Verpflegung kostet monatlich 80 bis 150 Pesos. Eine leere Zwei-Zimmer-Wohnung leostet monatlich 50 bis 90 Pesos, eine Vier-Zimmer-Wohnung 70 bis 180 Pesos, eine möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung 100 bis 160 Pesos, eine möblierte Vier-Zimmer-Wohnung 250 bis 900 Pesos. Die Wohnungen mit wenig Zimmern sind. verhältnismäßig teurer als große Wohnungen; wie in Deutschland sind große Wohnungen mit großen Zimmern in alteren Häusern ohne Zentralheizung,- die meistens nur über einen \Kamin verfügen, sehr viel billiger als kleine Etagen Wohnungen in neuen Häusern mit Zentralheizung und Warmwasser und mit zum Teil, .nur winzigen Zimmern. — In einer Pension bürgerlichen Charakters-muß eine Person einen Preis1 von 120 bis 150 Pesos monatlich bezahlen, ein Ehepaar 200 bis 250 Pesos. In diesem Preis ist Miete, für ein Zimmer nebst Badbenutzung und volle Verpflegung inbegriffen. Für Verpflegung allein sind monatlich etwa 50 bis 120 Pesos, je nach den Ansprüchen, zu rechnen. Die Kosten verbilligen, sich bei großen Familien entsprechend. Bei einer vierköpfigen Farntlie aojl man bei vernünftiger Wirtschaftsführung 'schon mit 1 Peso pro Tag und Person auskommen können; j Um in der Stadt; insbesondere in Buenos Aires, eine Wohnung zu nehmen, Haushalt zu fahren und Dienstboten zu halten, braucht man erhebliche Mittel. Der Lohn für Dienstboten ist sehr hoch. 60 bis 100 "Pesos bekommt eine Köchin oder ein gutes Hausmädchen, einschließlich freier Station und Unterkunft. Es empfiehlt sich hier, wie bei allen anderen Unternehmungen, [eine. 11ng«f» Wtrteieit In einer Pension, einer möblierten Wohnung oder einem möbliertem Zimmer zu verbrin- Cn, um an Ort und Steile die Verhältnisse genau kennen zu -nen und 'euch die Kenntnisse' der spanischen Sprache zu erweitern. * •Wir nennen noch einige'Preise:* ■ ■ Rindfleisch Peso» 0,50 bis_L.10 pro kg •Kalbfleisch \ „ 1,- bis-1,20 pro kg V , ■ I fammelfleisch ---- „ 0,40 bis 0,60 pro kg Hohner - „ 1,80 bis 2,60 pro Stack KarUBalu ' '■ ■■■■ '■. y 0,15 bis 0,90 pro kg 'r _ ~r. ■. ' a \T Geld vermögen gewogen; aber im beruflichen oder geschäftlichen Umgang zeigt man das nicht. Ein unterwürfiger Untergebenen«** ist dem Argentinier ebenso u n verstand- Obst und GemOse sind «ehr billig. f' In einem guten Restaurant bekommt man ein ausgezeichnetes Essen •für 1 Peso. ' ': ■ Der Einheitstarif für öffentliche Verkehrsmittel beträgt 10 Centavos für jede Entfernung. Preise für Bekleidungsstücke: Ein Herrenanzug (Konfektionsarbeit) kostet etwa 80 bis 140 Pesos, Maßarbeit 120 bis 180 Pesos, aus Waschstoffen je nach Material 50 bis 100 Pesos, ein Herrenhemd kostet 10 bis 20 Pesos, Schuhe für Herren 10 Bis .25 Pesos. Die Preise von Damenkleidern (Konfekt ionsarbeit) bewegen sieh zwischen 15 und '80 Pesos. v ••i h JtÄVi*. •; a jUO ».«WäM V. Gesellschaft und Kultur 1. Soziales Leben eh\*>! v :t»T,;s,V tfwiH/StZ Der Argentinier gih als liebenswürdig, freundlich und hilfsbereit. Gastfreundschaft.und Ritterlichkeit sind seine charakteristischen Wesenszüge. Auf dem Lande findet jeder Ober all Mahlzeit und Unterkunft,'wenn er bedürftig ist. v ■ Hier wirkt die Tradition des Gauchos: ritterlicher Anstand, stolzes, freies Wesen. Der Gauchotyp selbst existiert kaum-nwehj-er ist in die Literatur eingegangen. In* dramatischen Werken, in Poesie und Prosa schildert die argentinische Literatur den Gaucho. Diese Tradition prägt sich vor allem im Verhältnis des Einheimischen zum Einwanderer aus. Solange sich der Einwanderer zurückhaltend in seinem Benehmen, unaufdringlich und leise verhalt, wird er auf traditionelle Höflichkeit und das — freilich unverbindliche Entgegenkommen des Einheimischen stoßen. Dagegen wird lautes Benehmen oder gar ein laut geäußerter kritischer Vergleich mit Einrichtungen und Verhältnissen, die der Einwanderer",,zu Hause" vor sich sah, sofort die Höflichkeit des Eingeberehen in ihr Gegenteil, in unmißverständliche Abneigung und eisige Kälte umschlagen lassen. . ' Der konziliante Ton ist auch bezeichnend für den beruf liehen Verkehr sozial verschiedener Schichten. Sicher, wird jeder Mensch in Argentinien nach seinem lieh wie' etwa'ein „Herrenstandpunkt" des Vorgesetzten Und doch sind die Standesunterschiede des gesellschaftlichen Lebens in kaum einem Lande stärker etont als in Argentinien. Die socialen Schichten beben sich scharf voneinander ab. Die Oberschicht bilden Abkömmlinge der frühen spanischen Einwanderer, die sich als wahre Aristokraten ansehen. Sie fassen jede Heirat mit Angehörigen anderer Schichten als eine Mesalliance .üuf und wahren im Verkehr mit anderen Bevölkerungskreisen, ganz besonders aber gegenüber dem Verachteten „Gringo"^ dem neuen Einwanderer, äußerste Exklusivität. Diese Familien, die kulturell und häufig auch politisch, den Ton angeben, bilden eine Welt für sich. Diese Welt von äußerster Eleganz, die ihre Wirkung auf den Nachahmungstrieb andere«" Bevölkerungsschichten nicht verfehlt, tritt nur in den vornehmen Klubs, auf den Rennbahntribünen und bei den Festvorstellungen des Teatro Colon in Buenos Aires in die Öffentlichkeit, sonst beschränkt sie sich auf ein Leben in der Familie, im städtischen "Hause oder auf der „Estancia" (dem Großgut). Die wohlhabende mittlere Schicht — im Sinne unseres Mittelstandes — die etwa Kaufleute, Intellektuelle und besser situierte Handwerker-umfaßt, ist in "Argentinien verhältnismäßig' dünn. Sie rekrutiert sich hauptsächlich «eis—emporgekommenen Neueinwanderern und deren Nachkommen, die die wichtigsten Positionen, des städtischen Handels-besetzt halten. - Die große Masse der Bevölkerung bildet eine sehr " arme proletarische Unterschicht, die, wenigstens in ..Buenos Aires und den großen Proviaestädten, zum großen Teil aus noch nicht assimilierten Einwanderern besteht. Da die. Einwanderung im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung zahlenmäßig recht bedeit- , - rend ist, oder jedenfalls lange Zeit hindurch war, und sich an einigen großen Orten stark zusammenballt, ergeben sich naturgemäß Schwierigkeiten bei der Assimilation. Jede Nation bildet besonders in Buenos Arreseine;' Stadt für sich mit eigenen Zeitungen und eigenen Kulturzentren " (über jüdische Einwanderung: siehe Abschnitt VI). Die N euein wunderer - sind, in Argentinien vielleicht noch starker, als 'in den meisten, Einwanderungsländern, . oft die Objekte schamloser Ausbeutung; und doch sind es gerade Einwanderer der ersten und zweiten Generation - gewesen, die, im Verein mit ausländischem Kapital, Argen- . tinien nur Wirtschaftsblüte verholten haben -und auch' beute noch Handel, Industrialisierung . und Kolonisation vorantreiben. Neben dieser größtenteils vor noch nicht langer Zeit eingewanderten städtischen Schicht zählt zur großen Mass« der Bevölkerung auch der Peon, der Viehtreiber und Landarbeiter, der unbeschreiblich bedürfnislos auf den großen Gütern der Latifundienbesitzer ein schweres Leben führt. > f~ Wie "jedes Einwanderungsland hat Argentinien -f" speziell unter den Neueinwanderern — einen großen M ä n n e r ü b e r s c h u ß. Aus dieser Tatsache, wie aus der eigentümlichen Haltung gegenüber der Frau, die aus altspanisch-katholischer Tradition herrührt, ergibt sich die eigentümliche Stellung der Krau in Argentinien. Man begegnet ihr mit der größten Hochachtung und der ritterlichsten Kavaliersgeste, ohne ihr Jedoch im allgemeinen einen Aber den Haushalt wesentlich hinausgehenden Einfluß zuzubilligen. Eine Frauen-Emanzipation — im europäischen oder nordamerikanischen Sinne - — hat es in Argentinien nicht gegeben, und auch heute nochbat man dafür wenig Verständnis. Die argentinische Frau lebt ganz ihrer Familie, vor allem ihren oft sehr zahlreichen Kindern. Selbst in den Großstädten, vor allem aber "in der Provinz, herrschen sehr strenge Sitten- und Moralbegriffe. Es ist nicht üblich, daß junge Leute verschiedenen Geschlechts allein miteinander spazieren gehen, oder daß ein junger Mann von einer jungen Dame empfangen wird, ohne daß die Mutter, eine ältere Verwandte oder sonst eine Anstandsdame dabei ist. Auch Theater und Kinds besucht ein junger Mann nicht mit einer jungen Dame ohne „Schutzengel",, und selbst ein Zusammensein v «•. , . 1 1 < ......

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