Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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> rt und Stahlwaren, Haushaltsartikel,'Papier und Papierwaren) Glas und Glaswaren, Elektro-Artikel, Leder und Kunstleder, verschiedene hochwertige Textilerzeugnisse und Spielwaren^ " 5. Verkehr Argentiniens Verkehrsverhältnisse liegen trotz der geringen Aufgeschlossenheit seiner Meeresküste, die nur wenige brauchbare Häfen aufweist, nicht ungünstig. Ein verhältnismäßig dichtes Eisenbahnnetz überzieht die Pampa, und die großen Strome des Landes — La Plata, Uru- £uay, Paraguay und Parana — sind bis weit in das andesinnere hinein schiffbar. Auf diesen Strömen gelan- Sen selbst Seeschiffe zu den wichtigsten Städten des tinnenlandes. * Der Land verkehr ig Argentinien weist ein außerordentlich buntes Nebeneinander auf. Im Gebirge herrschen noch Lamatransporte und Reiter vor, Reiter sieht man auch überall im Innern des Landes, in Gegenden, die abseits von Bahnen und fahrbaren Wegen liegen. Dort überwiegt auch der Karrenverkehr mit Ochsen, Maultieren und Pferden. Das riesige Gebiet der Pampa ist dagegen durchaus von Eisenbahnen erschlossen. Von Buenos Aires,- Rosario und Bahia Bianca strahlen Bahnlinien' aus, ■ die die wichtigstem Ort* Zentral-Argentiniens verbinden, sich überkreuzen und ein dichtmaschiges Netz bilden. Die Schienendichte ist dabei an den*Ausgangspunkten, den drei genannten Städten, am stärksten, so daß also die Verkehrszentren an der Peripherie dieses erschlossenen Gebietes liegen. Ueber dieses Netz hinaus "erstrecken sieb Verbindungslinien zu den wichtigsten Punkten im Landesinnern und in den Nachbarländern. Die bedeutendsten dieser Bahnen gehen nach Norden (nach Santa Fe und Ober Tu cum an und Sal ta nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens), nach ■Nordosten (längs ■ der Uruguay anischen Grenze nach Asunciön, der Hauptstadt Paraguays) And . . nach Westen (Ober Mendoza und die Anden nach Valparaiso in Chile). Die letztgenannte Linie, die transandinisehe Eisenbahn, ist bisher die einzige Bahnlinie, die den sudamerikanischen Kontinent in-Ost-Westrichtung durchschneidet. Südlich Von ihr laufen noch einige Linien (ausgehend vom Atlantischen »Ozean) in gleicher Richtung, diese enden jedoch im Landesinnern. — Das Bahnnetz umfaßte Ende 1935 41 400 km Schienen- .l äng «. Davon waren 31300 in Privat- und nur 10 WO in argentinischem Staatsbesitz. Die P r i \ a t h a h nen, darunter nahezu die gesamten Pampa- Bahnen, die am rentabelsten arbeiten, sind im Besitze aus- . lfindischer, vor allem englischer Konsortien. Ihre Raatabilität gründet sich im wesentlichen auf die Krntetransporte. Die argentinischen Waggons sind sehr komfortabel eingerichtet und führen schöne geräumige Schlaf- und Speisewagen. Das argentinische Straßennetz tritt gegenüber den Eisenbahnen in den Hintergrund. Die Gesamtlänge des Straßennetzes wird mit 215900 .km angegeben, davon sind aber nur 4 400 km ständig benutzbare Beton- oder Makadamstraßen und 71400 mit einem anderen Belag versehene Straßen, der Rest aber unüberzogene Erdwege. Vor allem in. der Nähe der großen Städte gibt es gute Autostraßen mit Pflaster- und Betondecke. Von längeren Strecken richtiger Landstraßen, sind die Verbindungen Buenos Aires—La Plata und Buenos Aires— Rosario zu nennen. Durch einen 15-Jahre-Pian gedenkt man das Straßennetz ganz bedeutend zu erweitern. Man plant bis 1947 die Anlegung von 29 000 km neuer Erdwege, 18 000 km gepflasterter und Mskadamstraßen und 23 km" Brückenbau. Die Kosten dieser Anlagen sollen insgesamt 541,5 Mill. Pesos betragen. Trotz des Mangels an guten Autostraßen stand Argen- ' tinien 1934 mit" seinen 267 000 Kraftwagen an achter Stelle; in der Welt, was zum Teil aui die ungeheuren Entfernungen des Landes zurückzuführen ist. Auf 44 Einwohner kam ein Auto (in Deutschland damals erst auf 75). Ende 1935 gab es 318000 Kraftwagen, ein Zeichen der Krisenerholung. Deutschland, Frankreich und die Vereinigten Staaten haben den Flugverkehr in Argentinien eingerichtet, der heule auch/von argentinischen Linien durchgeführt'nW. Den Anstoß zur Einrichtung 'des Flugverkehrs gab die bedeutende Verkürzung de«'- Postbeförderung durch Flugzeuge. Dar Personen-Flugverkehr steht in Argentinien noch in den Anfängen. Insgesamt wurden I fr ±-£> 1936 844 000 km geflogen und M00 Passagiere, 38800 kg Brief post und 16000 kg räketpost befördert. (pe Gol | 6. Währung /*, Die offizielle Währungseinheit ist der G o 1 d p e s o so oro; abgekürzt o/s $; o's oro sellado: gemünztes old). Seit vielen Jahren jedoch ist die wirkliche Geldeinheit Argentiniens der Papierpeso (abgekürzt m/o $; m n moneda nacional), der in einem festen Verhältnis zum Goldpeso steht. Man rechnet allgemein 100 Papierpesos auf 44 Goldpesos. (Will man Goldpesos in Papierpesos umrechnen, so muß man also die Zahl der Goldpesos mit 2,27 multiplizieren). Wie viele andere Länder, mußte Argentinien den Goldstandard verlassen.- Es besteht ein System der WährungskontroJle, das durch eine offizielle Währungskommission der Zentralbank ausgeübt wird. Entsprechend den engen Handels- und Finanzbeziehungen zu England ist jetzt, das englische Pfund'die wahre Basis des Papierpesos. Die Zentralbank setzt täglich den offiziellen Kurs für den Ankauf wie für die Abgabe von Devisen fest. Seit Anfang 1934 beträgt der offizielle Kurs, zu dem die autorisierten Stellen Devisen ankaufen, 15 P a - ierpeso& für 1 Pfd Sterling, aber der Abgabenra ist, ebenso wie der Kurs ajuf dem freien Markte, Schwankungen unterworfen. So beträgt der offizielle Abgabekurs jetzt 17 Papierpesos für 1 £ und der Kurs des freien Marktes etwa 18V* Papierpesos (diesen Kurs des freien Marktes geben wir auch in unserer Währungstabelle an; er beträgt auf Mark umgerechnet etwa 1 Pa- - pierpeso 0,68 RM.). . ' Die Differenz zwischen den beiden offizielles Kursen, nämlich dem Ankaufs- und dem Abgabekurs, stellt einen' Buchgewinn der Zentralbank dar, der zum großen Teil zur direkten und indirekten Unterstützung der landwirtschaftlichen Unternehmen benutzt wird. - —. Den Wirkung nach ist der Goldpeso'-also abgeschafft und der Papierpeso ist die Währungseinheit, obgleich keine neue gesetzliche Goldparität bis jetzt festgesetzt ist. I lu.s einem Monatsbericht der Midland Bank, London, . -. vom Autust 1936) t -v. •.-'.*.*<■.Vjt«*» ("WsVjV^^iS^".:*«» *fw 7^^'.^^i^;-t' [. ''-;-3»*vH:( .? 7. Konjunktur und! Staatafinanzen Die Wirkungen der Weltagrarkrise, die allenthalben Preiszusammenbrüche auf den nohstoffrnärkten zur Folge hatte, hat' Argentinien -verhältnismäßig schnell überwunden. |m Verein mit der. allgemeinen Besserung der Weltlage leitete die Abwertung des Peso einen Konjunkturanstieg ein, der während des Jahres 1935 anhielt . und sich auc h im. 1. Halbjahr 1936 fortsetzte. Die Lage der Viehwirtschaft hat sich im letzten Jahre gebessert, was vor allem auf die Steigerung der Fleisch-, Häute- und \Yollpreise auf den Weltmärkten zurückzuführen, ist. — Die Weizen- und Leinsaaternte war unter dem Durchschnitt der letzten Jahre, da anhaltende Dürre ja den Hauptanbauprovinzen Mißernten hervorrief, denen aber eine Preissteigerung (Erhöhung der staatlichen Ankaufspreise) für diese Produkte und gute Maisernten gegenüberstanden. Die Ausfuhrmengen zeis i gen zeigten in den-' letzten Monaten eine erheblich sinkende Tendenz; durch die Preiserhöhungen lag aber der 'Ausfuhrwert nur wenig unter /dem des Vorjahres. Die Einfuhr hielt sich auf Vorjahrshöhe; es macht sich aber immer, stärker eine Umschichtung der Einfuhr bemerkbar, indem, an Stelle von Verbrauchswaren, Produktionsmittel. - vor allem Maschinen und industrielle Rohstoffe, importier! werden; dies hängt mit der wachsenden Industrialisierung des Landes zusammen. > / 1 —' ' Die argentinischen I n d u a t r i e unternehmen haben sich im letzten Jahre gut entwickelt, unter" ihnen besonders die Verbrauchsgütef-Industrlen. Die Kpnkurse sind gegenüber dem Vorjahre sehr stark zurückgegangen. Die Handel spoliti k.fder Regierung drängt vor allem auf Erhaltung der Beziehuagejjcu England, in 'jüngster Zeit besonders auf die Erneuerung des von England gekündigten argentinisch-englischen Handelsvertrag«» — des Roca-Runciman- Abkommens — hin. Die Währung Argentiniens ist gegenwärtig stabil. Die Staatsf in ansen sind gefestigt Die Staatseinnahmen des Jahres 1935 betrugen 1025 Millionen Papierpesos, die Ausgaben 998 Millionen, so'" daß, sich ein xJeberschuß von 27 Millionen ergab, obwohl bei der Aufstellung des. Etats ein Fehlbetrag von 71 Millionen vorgesehen wurde. In den ersten Monaten 1936 sind die Einnahmen gegenüber dem Vorjahre weiter gestiegen und die Ausgaben gesunken. Die günstige Finanzlage Argen-__ ■ '•;. .> . *• v .