Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand UB Ffm
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Iber hinaus aber ist in' vielen Fallen seine Zugehörigkeit zur jüdischen zur Auswanderung, erst befähigt; denn ohne die weitgehende Hilfe jüdischer Institutionen des In- und Auslandes würde ein großer Teil der Juden aus Deutschland ihr Auswanderungsvorhaben nicht durchführen können. Innerhalb des Reiches steht unter den jüdischen Organisationen, denen die Betreuung der jüdischen Auswanderung obliegt, der Hilfsverein neben dem Palastina-Amt in erster Reihe. Beide arbeiten im engsten Einvernehmen mit der zentralen jüdischen Instanz, der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland. Viele Zehntausende — seit 1933 vielleicht 150000 Juden! — sind in den letzten Jahren vom Hilfsverein beraten, Tausende, von ihm auch materiell unterstützt worden. •" Diese Sachlage gibt dem Hilfeverein heute das Recht, an jeden auswandernden Juden, der sieh «einer Verantwortung bewußt ist, drei Forderungen zu stellen, bei denen er sich mit alten maßgebenden übrigen jüdischen Instanzen durchaus im Einklang weiß. ' -* 1 x.'. - . L - . "f . '" .'JT - - * _ ' *. ..■ T|j «■'.'' \". " , . r ,/J—/. , i't ■'«/..-" J. ." - .-:** - -. * , 1- * " ■; 1. Jeder jüdische Auswanderer, hat die. Pflicht, «ich im Ausland so zu verhalten, daß er die Gesamtster essen der jadischen Auswanderung nicht schädigt, sondern fordert. Die denkbar schwerste Schädigung all der Zehntausende von Juden, die in Deutsch-' 1 and oder anderen Ländern Mittel- und Osteuropas auf Auswanderungsntoglichkeiten harren, würde aber eine unangebrachte politische Betätigung der neu Eingewanderten in den überseeischen Ländern darstellen. Ist doch gerade in jenen Gebieten, in denen teilweise, wie etwa in Südafrika, schon durch das Vorhandensein von Millionen Farbigen, gewisse soziale Spannungsmomente gegeben sind, die Furcht vor der Einschleppung radikaler . politischer Ideen verständlicherweise sehr . stark,, und es muß seitens der' jüdischen Einwanderer alles vermieden werden, was auch nur den leisesten Argwohn in dieser Hinsicht erregen' konnte. Wenn auch die Juden aus Deutschland, schon -ihrer ganzen soziologischen Schichtung, ihrer Art und ihrer Lage'nach sicherlich dem politischen Radikalismus fernstehen, so muß doch mit allem Nachdruck'betont j ^-r j:; y jPT ■ . ' ■ ■ ' ' 1 ' * . werden, daß auch die elementarste,'Rücksicht auf die Tausende von künftigen Auswanderern jede Einmischung in die politischen Verhaltnisse d|* Einwanderungslandes auf das strengste verbietet. Heute -muß-jeder Jude, der aus Deutschland auswandert, sich für das Schicksal der jüdischen Gesamtheit verantwortlich fühlen, und schon deshalb muß er sich in dem Lande, das' ihm zur neuen Heimat werden soll, so bewähren, daß die Regierung der Staates ihn und seinesgleichen als erwünschte staatserhaltende Bürger betrachtet. Ehe er nicht in jahrelanger Ansässigkeit eine intime Kenntnis des Landes und seiner Bewohner erworben hat, ehe er nicht tiefinnerlich in der neuen Heimat verwurzelt ist, besitzt der' Einwanderer auch nicht die Grundlage für eine politische Urteilsbildung, und sollte sich darauf konzentrieren, durch seine wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen und seine untadelige Lebensführung erst einmal die sittlichen Voraussetzungen für eine Betätigung im Offentuchen Leben zu schaffen. Neben dieser Äußersten Zurückhaltung in der politischen Betätigung und der gewissenhaften Erfüllung aller staatsbürgerlichen Pflichten ist ständiger Takt, ständige Rücksicht und Hochachtung auch gegenüber den Sitten und Gebräuchen im Einwanderungsland . dringend zu empfehlen. Auf drese Art wird der Einwanderer nicht nur sich selbst" nützen, sondern vor allem auch den Namen der jüdischen Gesamtheit zu Ehren bringen. - * •* - 2. Nicht minder wichtig für die jüdische Gemeinschaft ist eine zweite Forderung. Die jüdische Auswanderung aus Deutschland hat sich bisher auf etwa 40 überseeische Länder verteilt, und es besteht die große Gefahr, daß unsere Menschen bei dieser Zerstreuung in höchster Potenz der jüdischen Gemeinschaft vielfach verUren^ehen. In den mailsam Ländern, in die Jadan ans Deutschland heute einwandern, bestehen aber-schon jüdische Gemeinschaften, und es ist Sache des Einwanderers, sich diesen Ge- V f ■ s TS