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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1934-08-01 · August 1934 · p. Seite 60

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1934. Bestand UB Ffm
Issue
August 1934
Date
1934-08-01
Page
Seite 60 (sequence 62)
Language
German
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" » '/•-*', '' I 'gibt es eine Zanntecliniker-lJnioii, die, »ich dem widersetat, einem Fremden su erlauben, eine Stellung anzunehmen. Dies bezieht sich nicht allein auf Deutsche, sondern auch auf Englinder. "; . Briefe ,von. Auswand er ern Wir bringen Ansauge aus einer Anaahl y on Briefen aus Südafrika, au* 'Kapstadt, Johannesburg. Durban und Bethel.- , Kapstadt, im Januar 1934. Die Aussichten» hier eine Stellung. zu bekommen, sind fur einen. Menschen Ober 90 Jahre gleich Null. Mit vieler; vieler Muhe des Ko- , mitées gelingt es manchmal hier und da und dann mit (ehr groben Schwierigkeiten verschiedenen Stellung iu~besorgen. Zum Beispiel: Auf dem Lande als Verkäufer!, Furchtbare Hitze, sehr, sehr schwere Arbeit" und schlechter Lohn. In der Stadt sind wir froh, eine Stellung ab Xittenöffner und sonst was so* bekommen. - Schicken Sie keine Leute her, die Frau und Kinder zu Hause habest. Sagen Sie bitte allen, sie sollen sich keine Illusionen machen. Verhungern tut keiner. Arbeit finden sie nach vielleicht S—6 Monaten, ntaisse kaufmännischer Art haben nicht einen Penny Werl. Schicken Sie Leute, (he irgendein Handwerk können. Für sie sind die Chancen etwas großer. ' \ " :'<>~ \ Johannesburg, .Anfang Januar 1934. (vfelfeie Die einzigen Berufe, die gesucht worden .ich! shsstr, I* '»1 Üi'i Brief in Berlin eintrifft, auch schon wieder überlullt sind) sind Speiialmechaniker fur Fabrik-Nähmaschinen und evtl. noch Elektroreap. Kühlanlagen-Fachleute. Sonst 1st es mit allen Berufen mehr ab trostlos, und ich persönlich kann nur jeden warnen,- mit irgendwelchen Hoffnungen hier herauszukommen. Wenn man genügend Geld hat, um unter Umstanden ein halbes Jahr oder länger abzuwarten, dann" kann mah das Wagnis unternehmen, denn, mit der Zeit kommt.man unter, aber auf eine, derartige Wartezeit muß man unbedingt vorbereitet* sein. Es gibt natürlich auch Ausnahmefalle, in denen Leute' in der ersten Zeit etwas gefunden haben, aber, wie gesagt, im allgemeinen heißt hier die Parole: Handwerk und Abwarten, oder Geld und selbst etwas anfangen I Kaplan-Anfang Frhriiir 1«U -- Ich versuchte bisher eine Stellung ab Autoschlosser oder ähnliches zu bekommen, da. es for einen zunächst fast unmöglich ist, eine Stellung als Ingenieur zu-erlangen. ,. . Es war mir jedoch bisher noch nicht möglich, trotz "-aller Anstrengungen "des bissigen Komitees, eine Stelle tu bekornmen. Genau^so-geht es dem größten Teil Her Ksnfbiut«; \ ., Ah- /uraten ist vor allen Dingen Leuten über 25 Jahre. 18—19jährige Menschen haben noch-die meisten Aussichten, darüber hinaus wird schon sehr großen Schwierigkeiten begegnet, jemanden unterzubringen, wenn ich sehe, .welche Schwierigkeiten es bei mir bereitet, trotzdem ich erst 23 Jahre bin.* - ' ' ' " Kapstadt, Ende Februar, ' Inzwischen haben sich -hier leider die Möglichkeiten für die Unterbringung von Einwanderern sehr wesentlich verschlechtert. Das liegt einmal daran, daßdie Zahl der bisher Zugewanderten sich mittlerweile bereits auf etwa 800 belaufen dürfte. Nach wie vor besteht eine gewisse Möglichkeit, qualifizierte" Handwerker unterzubringen. Eine besondere Chance aber scheint für Frauen und Mietchen vorzuliegen, die — entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt — ab Putzmacherinnen, Schneiderinnen, Kinderpflegeriiuien oder ab Hausgehilfinnen gens angenommen werden. Kaufleute und Stenotypistinnen oder Buchhalter können kaum mehr , damit rechnen, eine Anstellung zu finden- Es gibt hier leider bereits etwa 80 "Einwanderei, denen, allen Bemühungen zum Trotz, keine Stellungen nachgewiesen worden können, und die nun teib, das mitgebrachte kleine Kapital aufzehren, teib sjjer bereits /auf Kosten des Komitees, leben. " c : *5 ' Kapstadt, Ende Februar. ... Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit, und das ist noch die einsige .Chance, die bleibt, und zwar auf« Land zu gehen. Diese Landstellungen sind -eigentlich ànv aussichtsreichsten, demi man kommt dort noch am weitesten, d. h.'unter einer Bedingung, und die ist, gant vrai" vom anfangen. Man muß als" einen Strien unter sein bisheriges Leben machen und albs hinter sich lassen, was man vorher ab selbstverständlich angesehen hat. Denn auf diesen Landstellungen ist man gänzlich auf sieh angowitsm. Meistens sind die Farmen mit einem Landstore, d. lt. mit einem Verkaufslager oder es gibt mittlere Farmen, wo .r> -(>. Weiße wirtschaften und man im Xlmkreis von 4—5 Stunden außer Farbigen keine Menschenseele sieht.' Ich kann Ihnen nur sagen, daß man sich nicht so leicht dort wohl fühlt. Man erlernt selbst» erstand SssM Landessprache Africaans und gibt kein Geld SUS, weil man upt krioc «Gelegenheit hat. Meistens werden, diese Stellungen sogar sehr gM betah|r.. d. h. £ 4—6 bei freier Station und Verpflegung. Dagegen verdient uîâii bei Stadtstellengen im Durchschnitt £ 5—7 und man braucht' in Kapstadt etwa 8>/t—9',^, um ganz einfach, sehr, sehr bescheiderj, ohne irgendwelche Extravaganzen, leben tu könnenSllnd nun .noch einet: .Wenn man in diese« 4,.m<f kommt, dart man Oberhaupt absolut keine Ansprüche stellen, Man muß jitles so nehmen wie es bt, man muß vor allem-immer daran denken, daß SS eine andere Welt, also eine entière Kultur ist. Es bt selbstredend, daß tuertt,.alles "sehr' kiSlnbcli . JT v» . * TT**' ~ *• und ungewohnt ist, aber mit gutem Wilfea, Bescheidenheit und Ausdauer geht ailes. Es war for uns ein grobes Glück, daß wir, als wir herüber fuhren, uns gar keine' Illusionen gemacht haben und mit allem zufrieden waren. Kapstadt bt nach deutschen Verhältnissen eine kleine Provinzsladt, ein PUtz, an dem sich reiche Leute tur HuW«otzvMv und ein Platz, wo viel'Geld sitst. Johannesburg dagegen' bt viel mehr europäische Großstadt mit ganz anderem Lebenszuschnitt. Trotzdom möchte ich nicht nach dort, 'denn K. bt allein so wunderbar schön landschaftlich gelegen, dsß .dies schon unbezahlbar ist, außerdem bt der Lebensstandard m Johannesburg ein erheblich höherer. '■ f. ■• JobTRnesburg, Ende März 1934. Bis Ende Januar war -die Einwanderung von deutschen Juden seit dem Franjaiir--nacb den gemachten Angaben etwa 600, von denen *£iugslens-35D einen Beruf ausüben. Ober die Zeit nach dem 31. Januar liegen noch keine Berichte vor, doch hat die Zahl für Februar die vom Januar, die um 200 (Deutsche jeder Konfession) herum bg, vielleicht überschritten. . - . v . Die meisten Einwanderer bleiben, für kürzere oder längere Zoll in Cape town, dem Landungshsfen, hangen. Die Folge davon bt, dab diese Stadt, die von Anfang an die moisten "Einwanderer absorbiert-hat, da die ersten es janicht nötig hatten, weiter ins Innem^.fahren, samt ihrer näheren und weiteren Umgebung schon ziemlich ■flbersïttigl bt und daß auch die Beziehungen der dortigen Leute, die, bis tief ins I*ndesinnere reichen-, schon voll ausgenutzt sind und keinen 'Erfolg mehr billigen. DieTweitere Folge bl, daß mir aus der Zeit vft 'stwa drei Wochen bekannt — etwa SO Leute unbeschäftigt Im Kocnitee^herumsitzen. Schlimmer bt es dagegen für diejenigen, die von ihren eigenen größeren oder'.geringeren Mitteln leben, da sie sie allmählich schwinden sehen. Aber auch die haben es sich selbst zuzuschreiben, weil\üe> ohne sich tu rühren, da bleiben, wo sie "an' Land gesetzt worden sind. Anders liegen die Verhältnisse hier in » Johannesburg. Wenn, auch das hiesige Komitee nicht jedem mit einer Riesenstclhing aufwarten kann, so sind doch die Möglichkeilen hier im Vergleich zu Cape Town avic 80:1. Gewiß sind such hier schon eine Anzahl von Leuten untergekommen, und das Komitee kann auch nur ab und tu einmal eine Stellung auf "dem Land vermitteln. Aber Johannesburg ist eine Stadt "von fast 400 000 Einwohnern, ständig wachsend, zur Zeit in einem Bsmfieber liegend, außerordentlich stark industrialisiert, mit einer,großen Zahl große/, und ausgezeichneter Geschäfte, Sitz aller Minen Verwaltungen, a Iiauptsitz des gesamten Engroshandehj, daß-es immer Möglichkeiten gibt, hier unterzukommen. Daher sind auch hier bei weitem nicht so viel unbeschäftigte Einwanderer ab jjf '"Cape Town,' vielleicht'' 20*, und von diesen ist auch nur ein sehr kleiner Teil länger als zwei Monate ohne Arbeit. Es sind alle Anzeichen . vorhanden,, daß die .Dinge ' aufwärts gehen, und man erwartet für Juni-Jiili amen allgemeinen „Boom' , einen echten, keinen künstlichen. Besonder* Werden, wie*. Obérait, ' handwerkliche Kräfte wie Friseure," Bäcker üsw, gesiMÜt. Aus eigener J(aschammg .kann/ich Ihnen "dazu ,sagen, daß' Leute mit Berufen, die irgend etwas mit der Hand zu tun laben, «sie ' Dekorateure, Ingenieur» mit praktischen Kenntnissen, Handwerkoi jeder Vrt. Zuschneider fur Wäsche öder Kleidung, Schneiderinnen (Dressmaker), Hutmacherinnen usw. leicht Stellung finden, Bei Dekorateuren kann man sagen, daß sie sofort .Unterkommen finden, da der^Von immigrierten Dekorateuren (windowdresaer) eingeführte bb je\tt "hier unbekannte moderne Stil Schule gemacht hat. Ein Freund von mir, Badioingenieur, hat ih einem Kinoeiinr sehr gute Stellung ab Vorführer bekommen (es gibt hier mehrere Kinos mit einem. Fassungsvermögen von 2000 Personen), ein anderer Ingenieur, als Installateur. Von Direktricen oder- Zeichnerinnen wird allgemein verlangt, daß sie auch zuschneiden, sie können aber dann auch mit einem Aaranngehalt von JE, 20—25 rechnen. Eine einigermaßen gute Milliner (Hutmacherin), die hier 'außerordentlich gesucht sind, keine Zeitung ohne mehrere Angebole', kann zu Anfang mit £ 11V-12 rechnen. «Selbstverständlich bt: je . jünger einer bt, desto leichter hat er es, besonders für Stellungen auf dem Land. ... Sie können Leute, die einen der von mir genannten oder einen damit verwandten Beruf ausüben, bedenkenlos herausschicken, deich ob auf Kosten des Komitees: oder auf eigene. Sie können Kapitalisten bedenkenlos zuraten, herauszukommen; ich" kenne keine* Brauche, in der nicht etwas tu machen wärp. die meisten sind, konkurrenzlos, wenigstens jetzt noch. Zurückhaltung' bt nur notwendig bei LeUten, die keinen autgesprochenen Beruf ausüben können," wie Art Un.- -Rrehlsauwällen. Verkäufern, überhaupt allen Leuten, die sfnt' „Kaufmann"<nennen. und nicht soviel besitsen, daß aiewenigstens eiif bshSw Jahr sutehsnkönnen, um ,,local experience" tu sammeln'und sieh iischhM» sMM)tffl)'g zu machen. In jedem Fall "aber mußte dafür gesorgt weiden, daß tucht soviele auf einmal, wie bisher, ankommen. . BeAel, Eudc^lara 1984. " . — » , -4 . .. Nun will ich Ihnen die F'snn schildern, auf. der ich midi befinde. Die Farm isi ca. 2500 engl. Morgen groß, unterm Pflug sind. ca.jL$5ß Morgen. Die übrigen 1290 sind Weideplätze für die Ochsen. Wir. haben hier ca. 600 Ochsen und 8 Milchkühe, die gerade soviel Milch sehen, wie die Farm bedarf.. Ilnisar Wm wir in der Stadt. Wir haVft auf dep^260 Morgen nur Ma? gcpflantt. Im Mai ist Ernte. Hier auf dieser Karin ist tvin Garten, kein nichts. .JfOhftér und Enten haben wir viele. E* wird kein Huhn uad*kein Ki'.verka\ift. »lies tum eigenen Bedarf. ... Das erste, was ich habe lernen inuswsn, war reiten.' ■f.

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