Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 179)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Witj 177 Warum lacht man? Wie können wir es verstehen, daß solche Situationen jenes seltsame Verhalten, das wir Lachen nennen, hervorrufen? * Es soll hier versucht werden, diese Fragen an der Hand von praktischen Beispielen zu beantworten. Ith wähle hiezu verschiedene Witje als Beispiele (überflüssig zu bemerken, daß sie hier nicht nach dem Vorzug der Neuheit und Originalität, sondern nach dem Vorzug ihrer Eignung zur Erklärung gewählt worden sind). Zwei Freunde begegnen einander. Es entspinnt sich folgender Dialog: »Woher kommst Du?« »Ich komme von der Versicherung!« »Du hast Dich versichert? Wogegen?« — »Gegen Feuer und gegen Hagel!« — »Feuer — das versieh ich; aber Hagel...? Wie machst Du Hagel?« — Was geht in uns vor, wenn man diesen Wift erzählt? Wir hören gespannt zu; plößlich kommt ein Satj, der uns stutzig macht; es ist etwas Uberraschendes, Verblüffendes, das wir im ersten Moment nicht verstehen; ein Widerspruch; ein Ghok des Denkens entsteht, eine Hemmung im Ablauf unserer Vorstellung; eine Anstrengung, mit diesem Widerspruch fertig zu werden; plötzlich werden wir befreit; aha! jetjt verstehen wir; jetjt entdecken wir, daß es ernstlich gar kein Widerspruch war, daß diese ganze Denkanstrengung im Grunde überflüssig war; wir haben ein Gefühl, daß sich etwa in den Interjektionen Ach so! (ganz naiv), oder Au! (mit einem gewissen Ärger), ausdrücken ließe; wir fühlten uns vorübergehend düpiert; aber jetjt sind wir drüber, sind befreit; wir fühlen uns überlegen; wir verstehen, wir durchblicken das Ganze; und wir lachen darüber; auf das Aha folgt das Haha! Die wichtigsten Etappen also sind: Spannung,Verblüffnng und Verwirrung über einen Widerspruch; plötjliche Erleuchtung, Durchschauen der Schwierigkeit, Erkenntnis, daß die ganze Anstrengung unnötig war; Lachen. Mit dieser Beschreibung können wir uns noch nicht begnügen. Wir fragen weiter: auf welche Art wird beim Witj der Widerspruch erzeugt und auf welche Art wird er gelöst? Das ist ja zweifellos die entscheidende Frage, die den l:!