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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 112

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 112 (sequence 114)
Language
German
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112 Dr. Hans Lirhtwit} eleganten Autos durchs Land, wohnen in Mukacevo und Uzhorod, meist nicht einmal dort, sondern bei uns im Westen der Republik. Die alten Juden mit Bart und Kaftan, die der naive oder voreingei .menc Besucher durch die Lektüre solcher Karten, z;> <*er »Reiseschilderungen« und durch geflissentlich falsche Informationen für Ausbeuter hält und die große, große Mehrheit der karpathorussisehen Juden überhaupt, sind in der Regel arme Schlucker, die heute nicht wissen, wovon sie morgen leben werden; die mit ihren Familien in Elendsbehausungen ohne Sonne und Freude vegetieren; und die bereit sind, sich für ein paar Kreuzer abzurackern, von frühmorgens bis spät in die Nacht. KARPAT HO RUSS ISCHE RHAPSODIE. Dieses Land ist erfüllt von Klängen und Melodien. Es rauschen schier endlose Wälder, in deren dichtem Gestrüpp sich zuweilen Weg und Pfad verlieren; auf den langgestreckten Almen blüht und duftet und summt es, durch dunkle Gebirgstäler schlängeln sich bis auf den Grund durchsichtige Bäche. Tagelang hörst du nur die Melodie der Landschaft, begegnest keiner menschlichen Seele. Auf den Bergen rings um den Ozero und in den Wäldern der Lopusna besingen die Hirten den Räuber Suhaj, an den Ufern der Theiß und den Hängen der Karpathen hört man weithin Klänge von Schalmeien, mischen sich in das bunte Geklingel der zahllosen Herden orientalisch eintönige Kinderlieder; Senkt sich der Abend über das Land, dann erwacht in den Dörfern das Leben. Herden, Kinder, Bauern, Waldarbeiter ziehen heim; aus den winzigen Häusern, die Wohnung und Stall zugleich sind und keinen Rauchfang kennen, quillt durch zahllose Luken Qualm; vor den Türen sitjen Frauen und Mädchen, die Spindel in der Hand, und singen von Helden der Vorzeit, von Prinzen und Prinzessinnen, von bösen Zauberern und treuen Soldaten im fernen Lande; schwermütige slawische Weisen erfüllen den Frieden der Nacht. Irgendwo, spürst du, wird zu dieser Stunde vielleicht in einer der armseligen Hütten oder oben auf den Bergen am Feuer der Hirten ein Lied geboren. Über den Häusern der Juden, die zu Zehntausenden in diesen Dörfern siedeln, liegt bleiernes Schweigen. Kein Klang, keine Melodie, kein Lied. An irgendeiner Stelle

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