Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Dr. Ernst Mechner ist das Land nicht ganz von der Malaria befreit und neben dem Kampf mit der Natur haben die Siedler den Kampf mit dem Fieber zu bestehen. Auch Emek Chefer wird Opfer kosten, aber sie werden lohnen. Aus der Hui eh- Ebene gibt es zur Zeit noch keine Bilder, die jüdisches Leben und jüdische Arbeit zeigen, außer von den Vermessungsingenieuren und dem Kamera-Mann des Keren Hajessod, von denen der eine die Gegend für die Arbeit der Zukunft aufnimmt, während der andere sie Photographien, um festzuhalten, was in einigen Monaten beginnen wird, Vergangenheit zu sein. Vorläufig gibt es nur am Rand des versumpften Sees ein paar Lager der Huleh- Beduinen, deren Häuser zumeist aus Schilf geflochten sind. Es gibt eine romantische Wildnis von Sumpf- und Papyrus-Stauden und unwegsames Gebüsch, in dem allerhand Getier lebt. Aber in den jüdischen Kolonien der Umgebung beginnen sich kleine Trupps von Chaluzim zu sammeln. In einigen Wochen wird die erste Abteilung eingesetzt und in einigen Monaten beginnt die Erschließungsarbeit, die sich über zwei oder mehr Jahre hinziehen wird — eine neue große Periode jüdischer Kolonisation. Das Bemühen, an Hand von ein paar Bildern den Eindruck davon zu vermitteln, was in Palästina auf verschiedenen Gebieten sich entwickelt und wie alles wächst, hat seine Grenzen. So klein das Land ist, kann man aus dieser ungeheuren Fülle doch nur einiges hervorheben, und vieles Wesentliche entzieht sich ohnehin dem Abgebildetwerden. Vor allem jene Atmosphäre des Vertrauens dazu, daß das Aufbauwerk gelingen wird, troß aller Probleme, durch die es hindurchgesteuert werden muß. Diese Zuversicht ist nicht nur in der breiten Masse zu merken, die hier wie überall wenig über den kleinen Horizont des Erwerbs und der Familie hinaussieht und sich wohlfühlt, wenn der morgige Tag gesichert ist. Auch die denkenden Menschen sind von einem großen Optimismus erfüllt, trotzdem sie durchaus nicht den ernsten Fragen der nationalen Zukunft blind gegenüberstehen. Gewiß, mit der zunehmenden Alijah wächst vor unseren Augen das Problem der Bodenknappheit. Es wächst die Schwierigkeit, dem idealistisch gerichteten, im engeren Sinne zionistischen Sektor des Aufbaus die Hegemonie zu sichern. Es schwillt eine Masse von Neueingewanderten an, die nicht durch die Schule des Zionismus gegangen ist und einen zerstörerischen Anarcho-lndividualismus entfalten möchte, da sie den Sinn der Unterordnung unter das nationale Ganze nicht ohne weiteres einsieht. Diese Neuen können durch die hebräische Staatssprache ■ nur zum Teil beeinflußt werden, und die Zahl der Menschen des älteren Jischuw, die als Träger und Vorkämpfer der neuen hebräischen Kultur da sind, ist nicht groß. Die Kaders sind etwas schwach im Vergleich zur Massenmobilisierung und das Wort eines Arbeiterführers »Wir Menschen von früher müssen damit rechnen, daß wir eine Zeitlang eine hebräische Minorität im hebräischen Lande sein werden« beleuchtet die Situation auch auf anderen Kullurgebitlen als dem sprachlichen. Deshalb versieht man, daß das Hinscheiden Bialiks im Vorjahr und Schmurjahu Lewins in diesem Jahre wirklich unausfüllbare Lücken gerissen hat. Wir müssen an die ewieen Kräfte des jüdischen Volkes glauben und hoffen, daß in unserer Mitte neue