Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 200)
- Language
- German
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198 SPORT Als sich die Juden gegen Anfang dieses Jahrhunderts allen Phasen des geistigen und wirtschaftlichen Weltgetriebes angegliedert hatten, als es kein Gewerbe, keine Industrie und kein Wissensgebiet mehr gab, in dem nicht auch Juden tätig schaffend und fördernd gewirkt hätten, in dem nicht jüdische Namen in Ruhm und Ehre erklungen wären, da öffneten sich ihnen allmählich auch die Tore zur körperlichen Betätigung, zum Sport. Viele Jahrhunderte hatte dieses Volk in dumpfen Ghettomauern eingeschlossen, der Verfolgung, der Knechtschaft, dem Hohne getrotzt. Viele Jahrhunderte wusste dieses Volk nichts von Sonnenlicht, nichts von grünen Wiesen, nichts von Bergen und Flüssen und all dem Schönen und Wunderbaren, das die Natur für alle Menschen geschaffen hat. — Erst vor wenigen Jahrzehnten haben die Juden, die der Welt an geistigen und ethischen Werten schon soviel gegeben hatten, von dieser ein Gegengut angenommen, den Sport. Nicht ein einzelner Mensch, wie etwa bei den Deutschen der Turnvater Jahn oder bei den Slaven der Sokolgründer T y r § war es, der im jüdischen Volke die Bewegung zum Sporte ins Rollen brachte, sondern die Assimilation, die ihm in seiner Nationalentwicklung immer Schaden zufügte, führte hier zur Erstarkung. Die Juden hatten sich nichts vergeben, als sie von ihrer Umwelt den ihnen fremden Sport annahmen. Will man nun ihre Leistungen auf sportlichem Gebiete einer Kritik unterziehen, so darf man nie vergessen, daß der Weg des jüdischen Volkes zum Sport unvergleichlich schwerer Die Juden im Von WALTER FRANKL.