Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 197)
- Language
- German
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195 Wie wir sehen, nennt sich die Erscheinung, von der wir oben gesprochen haben und die unsere Zukunftsperspektive in die Diasporaländer in Frage stellt, Verdrängung der Juden aus ihren vorherigen Beschäftigungen bei fortdauernder Absperrung der übrigen Berufsmöglichkeiten. Wir können enorme Verluste fast in allen uns üblichen Berufen feststellen; für Galizien auch in der Landwirtschaft und sogar in den luftigen „Sonstigen", was eine absolute Verdrängung aus dem Lande, also eine Emigration der Juden, bedeuten muss. In Polen verzeichnen wir einen kleinen Gewinn in der Industrie (1,6 v. H.), dafür aber erhebliche Verluste in allen übrigen Berufsgruppen (8,6 im Handel, 7,4 im Verkehr, 5,0 in den „Freien Berufen"); freilich, können die 4,4 v. H. Gewinn in den Luftberufen diese Verluste nicht ausgleichen. In Galizien weisen wir grosse Verluste in allen Berufsgruppen aus. Nur in Deutschland ist die Lage stabil, bei einem kleinem Gewinn in den Freien Berufen nach einem erheblichen Verluste bei der Gruppe „Sonstige". Die Frage der Verdrängung der Juden aus ihren bisherigen wirtschaftlichen Positionen wurde von J. Leschtschinsky in einer lehrreichen Tabelle beleuchtet. Er hat die Zahlen für 1897, bezw. 1900 und 1921 der tatsächlichen und der Soll-Zunahme in Beziehung der spez. Gewichte am Anfang der Periode bei den Juden und Nichtjuden von Kongress-Polen und Galizien im Handel, Industrie und in den Freien Berufen ausgerechet und gegenübergestellt und somit die Differenz zwischen den beiden „Zunahmen" bei den beiden nationalen Gruppen gefunden. Wir bringen hier diese Tabelle teilweise zur Schau: *) Die drei Reihenzahlen für jede Berufsgruppe bedeuten: 1. Stand am Anfang der Zeitspanne; 2. Stand am Ende der Zeitspanne; 3. die Differenz zwischen den ersten zwei Zahlen, d. h. den Verlust, bezw. Gewinn der Juden in der gegebenen Berufsgruppe.