Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 175)
- Language
- German
- Belongs to
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173 zeugenden Versuch, sein eigenes künstlerisches Erlebnis mit der Erinnerung an die Tradition und das Bodenständige zu verbinden. Und selbst hinter dieser etwas starren „Neuen Sachlichkeit" wird der Blick des Juden, der Wechselstrom zwischen Vater und Sohn lebendig. Ein dritter aus der östlichen Kultur, eine unserer jüngsten Begabungen, Abraham Hübscher, ergänze diese Eindrücke: er hat in dem Bildnis seiner Mutter das Leid, die Erfahrung der Ahnen und seine eigenen Kämpfe und Enttäuschungen gemalt. Er hat Prof. Max Liebermann: Bildnis der Eltern des Künstlers. in diese Mutteraugen, diesen Mund alle Herbheit und Skepsis aus Jahrhunderten getan und doch alles Erdhaft-Starke und Trostvoll-Gütige des Mütterlichen in dieses Antlitz gemalt. In solchem Kopf ist jüdisches. Erlebnis, ist jüdisches Menschentum. In einem anderen Land, dem unbeschwerteren des Westens, erwuchs das Bild Max Liebermanns von seinen Eltern: Atmosphäre des gepflegten Bürgerhauses, friedevolle geistig-gesellige Welt, gesichertes, würdevolles Pratriziertum. Und doch neben diesem gemütvollen, klugen Kopf des Vaters, diese Mutter mit dem schmale 1 grüblerischen Kopf, mit dem skeptischen Mund, mit den in die Ferne blickenden Augen, mit den ganz durchgeistigten Händen, die Mutter, mit der der Künstler so viel Ähnlichkeit hat, und in deren Gesicht nicht weniger Selbstbildnis, nicht weniger seelische Verbundenheit des Kindes,