Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 173)
- Language
- German
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171 jüdisches Seelenleben und Pietätsgefühl sie besonders prädestiniert: im Porträtieren ihrer Eltern. Hier werden Stimmungen und Verbundenheiten, Erkenntnisse und Gefühlstiefen sichtbar und bildhaft verdichtet (am stärksten von den aus dem Osten stammenden), dass man von Jüdisch-Charakteristischem sprechen kann. Wie Künstler jeder Gemeinschaft, wenn sie ihre Quellen, ihren Ursprung ins Bild rufen, fast immer mehr als ein Konterfei schaffen, so bringt der jüdische Künstler im Porträt seiner Eltern meist Bekenntnisse und — gesteigert von jüdischer Kindesliebe und besonderer Sensibilität — Gefühlswelten zum Ausdruck, die in der Tiefe seines Wesens wurzeln. So wird in dem bekannten Bilde Joseph B u d k o s von seinen Eltern eine Welt (eine jetzt vielleicht versinkende Welt) lebendig. Man sieht das „Städtel", die „Schwelle" des Ostens, da ist Erinnerung an Heimat und Kinderzeit hineingemalt, ergreifende Einfachheit und Güte der Eltern, da spricht zugleich die Herbheit und Strenge dieses Daseins und, leicht anklingend in Licht und Farben, der leise Schimmer der Hoffnung über aller Zwangsläufigkeit und Gebundenheit. Dieses Elternhaus erzählt Persönlichstes, doch es wird, zugleich diese Bezirke überschreitend, Sinnbild der Heimat, damaliger ostjüdischer Welt, Bekenntnis Budkoscher Kunst. Ein anderer aas dem Osten, der, auch künstlerisch völlig emanzipiert, ganz aufgegangen ist in westlicher Kultur, der zu der in vorwärtsdrängenden Ideen sich Issai Kulvianski: Bildnis meines Vaters.