Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Bekenntnis zum Judenfum. Von LUDWIG MEIDNER. Der folgende Beitrag, ein interessantes Bekenntnis zum orthodoxen Judentum, stammt von einem der originellsten jüdischen Maler und Radierer unserer Zeit, der mit einer grossen Zahl von Werken auch auf der Frühjahrsausstellung der Prager Wizogruppe vertreten war. Meidner ist 1884 in Schlesien geboren, war zuerst Maurerlehrling, zeichnete dann in Paris für Modejournale, bis er sich nach vielen Entbehrungen in der Berliner Ausstellung „Sturm" durchsetzte. Auch Bücher, die ebenso extatisch sind, wie seine Portraits, stammen von ihm; so erschien erst im Vorjahr sein „Gang in die Stille." D. H. Eine Umfrage, die gelegentlich veranstaltet wurde, wie heutige bildende Künstler jüdischer Herkunft zum Judentum ständen, ist keineswegs den langweiligen Presse-Enqueten gleichzusetzen. Ich ging darauf mit Freunde ein, ja, es gibt nichts Fesselnderes für mich, als diese Frage, und indem ich sie beantwortete, ward mir wieder einmal inne und zum hundertsten Mal, eine wie tief lebendige, herzensnahe, schönheitserfüllte, aber auch traurig machende Angelegenheit das Judentum für mich ist. Wenn ich aber Judentum sage, so meine ich nicht jenes verschwommene, halb konfessionelle, halb völkisch gemeinte Etwas, das unsere Entwurzelten der Grosstädte unter Judentum verstehen, sondern das ganz genau bestimmbare, welthistorische Judentum der vergangenen anderthalb Jahrtausende, das von unsern Vätern gelebt, bewiesen und erlitten ward, das sich in Glaube, Gesinnung, Ritual, Brauchtum und täglicher Gewohnheit bewährt hat Und das auch in unseren Tagen noch lebendig ist, hie und da, und in Treuen geübt wird von einem Häuflein starkmütiger und unbeirrbarer Bekenner. Diesem Judentum aber bin ich verfallen mit all meinen Seelenkräften, an diesem Kleinod, das die meisten Heutigen nicht kennen und nicht ehren, hängt mein Innerstes