Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 156)
- Language
- German
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154 sem Gebiete. Zum ersten Male ward mir von der Gemeinde zu Plauen i. V. die Aufgabe zuteil — wiederum für eine liberale Gemeinde — ein Gemeindehaus mit Synagoge im neuzeitlichen Sinne durchzuführen. Ich fand dort grösstes Verstehen und Eingehen auf meine Gedanken und mein Wollen sowie tätige Mitarbeit. Man war damit einverstanden, dass eine neuzeitliche Synagoge und Kirchenbaukunst nur aus einer Durchdringung der kirchlichen und kultischen Tradition mit der Kunstsprache der Zeit erstehen kann. Diese Zeitsprache ist nicht Selbstzweck, sie hat vielmehr die Aufgabe, Gehalt zu formen — wie jede Sprache! In unserem Falle: es muss in einer edlen, gediegenen, d. i. ehrlichen Bauweise ein folgerichtig entwickelter Organismus geschaffen werden mit starkem und echtem Ausdruckswert, so zwar, dass insbesondere der Kultraum die Seele des Besuchers zum Mitklingen bringt und zur Andacht führt. Der Raum selbst muss zum weihevollen Symbol werden. Er erhielt — im Plauener Bau — eine feierliche Geschlossenheit; die Raumform ist einfachst und klar überschaubar, jedoch neuartig sowohl im Querschnitt wie in der Ausgestaltung; er erzielt, wie ich glaube, einen typischen Ausdruck des jüdischen Kultraumes, obwohl von der oft angewendeten Zentralform abgegangen wurde. Rein sachliche Erwägung veranlasste mich, den Tageslichteinfall in den untern Raumteil zu verlegen, das Licht f liesst in zerstreuter Weise ein, reichlich hell, ohne zu stören, durch die beiden gelagerten, 16 m langen vergitterten Hauptfenster. Der obere Raumkubus ist in Dämmer gehüllt, durch eine dunkle Holzstegdecke abgeschlossen. Die Ausstattung ist schlicht und doch feierlich; es herrscht betonte Konzentrierung auf die Ostseite, auf die Estrade mit Almemor, Lade und Kanzel. Der rauhe Verputz hat grüngraue Färbung, die Galeriebrüstungen und die hohe Westwand tragen schmückende hebräische Inschriften, die 10 Meter hohen Wände des Estradenraumes an der Ostseite sind — gleich feierlichen Teppichen — mit Symbolen in zurückhaltender Sgrafitotechnik farbig geschmückt. Der Schrein selbst, von schlanker, 3 Meter hoher Form, ist von dem blau