Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
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145 Romantiker, die als leidenschaftliche Atheisten und Revolutionäre begonnen haben, enden als Schergen der Metternichschen Generalreaktion, als fromme, demutsvoll den eignen Intellekt hinopfernde Diener der alleinseligmachenden Kirche; einstige Propheten schrankenloser Liebesfreiheit verfechten nachmals mit gleicher Inbrunst das Sakrament der unauflös^ liehen Ehe; kosmopolitisch allem was Menschenantlitz trägt aufgeschlossene Herzen verengen sich zu sprödem Nationalismus oder gar wildem Chauvinismus. Gleicher Widerstreit kennzeichnet die romantische Epoche auch hinsichtlich der Judenfrage. Um die Mitte des 18. Jhdts erst hatte Moses Mendelssohn den Eintritt der Juden ins deutsche Geistesleben bewirkt; die nächste Generation schon, und seine eigenen Töchter nahmen dabei eine Führerstellung ein, vollzog den Anschluss der geistig und wirtschaftlich gehobenen deutschen Juden an das höhere Gesellschaftsleben des Wirtsvolks. Man kennt die Bedeutung, die zur Jahrhundertwende den Salons einiger Berliner Jüdinnen zukam; was Geist und Rang hatte — königliche Prinzen, ausländische Diplomaten, Dichter und Künstler — war dort zuhause. Allein die Anerkennung und Gleichheit, die man gut und gern dem einzelnen Juden (lieber freilich der Jüdin) zubilligte, ward der jüdischen Masse verweigert; und vor den Gesetzen blieb der Jude überhaupt noch lange der Paria. Wie aber die Judenschaft energischer nach bürgerlicher Gleichberechtigung drängte, mehrte sich Widerspruch und Widerstand der vermeintlichen Freunde. Erst recht, seit der religiöse und nationale Indifferentismus des rationalistischen Aufklärungsjahrhunderts in ein katholisierendes, teutomanisches Widerspiel umschlug und mit diesem neue Ideale entstanden, an denen der Jude keinen Anteil hatte, noch haben sollte. Dies neue Paradies historisch begründeter deutsch-christlicher Gesinnung blieb auch dem getauften Juden verschlossen; der allmählich versterbende Glaubens hass mittelalterlicher Tradition wich funkelnagelneuem Rassen hass romantischer Faktur. 10 i