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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 118

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 118 (sequence 120)
Language
German
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mals trat er über die Steine und wieder vollzog sich das Wunder. Zum drittenmale aber stand vor ihm, die ganzen Räume füllend, das Bild einer leuchtenden Greisengesfalt. und er nahm Worte wahr, ohne daß er sie sah oder hörte, Worte von Urgewalt, die sich nur allmählich senkten und die Prägung von solchen annahmen, die ei kannte: Worte der Schrift, gedeutet in den Worten des Soharbuches. Und augenblicks erkannte er die leuchtende Gestalt; sie sprach kein Wort zu ihm, aber er verstand, daß dies das Grab des Meisters gewesen, Simons ben Jochai, der auf verhüllte Weise in den Jahren seiner Einsamkeit ihm Weisheit gegeben hatte. So war in einem einzigen Augenblicke himmlisch Licht und Wort zu ihm gekommen. Und in einem Augenblicke wieder war alles enttaucht und entschwunden. Reines Licht war es und reines Wort gewesen; keine Antwort der kümmerlichen Frage, der Menschen drückend-niedrigen Notin schwerem Sinnen ging Luria heimwärts. Ef wußte nicht, warum ihm die Erscheinung geworden war- Aber die Sehnsucht wuchs in ihm und sie weckte in der Ruhe seines Innern Seherkraft. Er sah in der fernen Stadl das Leben eines Jünglings, gestürzt aus engelhaften Rein' heitshöhen in Verzweiflungsnacht, in der noch keinß Hoffnung erglimmen konnte. Und er erkannte seherisch als die Ursache ein grausiges Dämonenwerk, welche8 weithin seine Netze warf und die „andere Seite" zur Herr' schaff zu führen bestimmt war. Schneidender Sturm ging über die nächtlich sich schwärzenden Höhen, und mit zagenden Schritten ging def Meister, dessen Mantel auf- und niederflog. Stärker a's nur je die Sehnsucht des Mannes nach der geliebte" Braut, war sein Wunsch, dem fernen Geführten zu be gegnen, aber sein innerster Wiile zwang alle Kräfte z1"11 entscheidenden Kampfe. 108

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