Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 86)
- Language
- German
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Natürlich war und ist die Eröffnung einer Universität eine sehr harmlose, sehr kulturelle Angelegenheit, gegen die niemand etwas einwenden dürfte. Und die Zionisten wurden auch nicht müde, das in Wort und Schritt überall zu versichern. Aber tatsächlich gab es keinen Menschen im ganzen Orient, der nicht die Geste Weizmanns als das verstand, als was sie gemeint war: als die erste große Demonstration des im Aufbau befindlichen jüdischen Palästinas vor der europäischen Welt. Als die erste Siegesfanfare, die der Zionismus nach fünf harten Kampfjahren blies. Und der Kampf zwischen Arabern und Juden flackerte wieder auf. # Die Araber erklärten den Besuch Lord Balfours als Provokation der Palästinenser. Drohtelegramme flogen nach London, Telegramme nach Stambul, Kairo, Mekka, Rom. Die ganze mohammedanische Presse geriet in Bewegung. Drei jähre lang hatte man über den Zusammenbruch des zionistischen Experimentes geschrieben und jetzt kommt der Urheber dieses Experimentes nach Palästina zu einer Siegesfeier! Proteste wurden abgeschickt, die Araber Palästinas drohten mit Streik, verkündeten, der Tag der Landung Balfours werde als Trauerlag betrachtet werden, die Zeitungen würden mit schwarzen Rändern erscheinen und die Häuser würden schwarz beflaggt werden. ... Zu spät. Auch wenn Welzmann und Balfour, die wohl nicht mit so starker Feindseligkeit gerechnet halten, gewollt hätten: es gab kein Zurück mehr. Die ganze jüdische Welt, ja beinahe auch die ganze christliche Welt war durch die angekündigte Einweihung der Hebräischen Universität intrigiert worden, man hatte eine Siegesfeier versprochen, man mußte einen Sieg erringen. 78