Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- 15 (17.11.1932)
- Date
- 1932-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdisch* Gamaindablatt wird dan Mifgliadarn dar WM WM WB Israalitisdidn Gamal nda Braman unantaaltlidizuaaifall« |UI% ft.1 ▼ ■ Gamalnda Braman unantgaltlidt zugastallt Nididrvd nur mH Quallanunguba und mH Ganahmlgung du» Vurfaiiara gaitattut Verlaniorl Nassei Verantwortlich für den lokalen Td i M M Nr. 15 Bremen, den 17. November 1932 4. Jahrgang Nun verstärkte Selbsthilfe! .Mampf gegen die Erwerbslosigkeit. Ans EZrund dü» Borschlägen, die im ■iiMiiiitMii* ausschnß. des Preußische» Landesverbandes gegeben worden sind, wurde in dessen „Unterausschuß für Arbeitsnachweise" nach längerer Bcralung einsiii» »>ig beschlossen, den Monat November' d. L. als W e r b e in vnal für die »Idee der jüdischen Arbeils verniiltlnng und Ertverbsbeschafsnng zu proklainierön. während dieses ganzen Moiwls soll unter der 'Je vise „Unser :Kcd)i ans Arbeit" im ganze» Reich sin die jüdische Arbeitsverrriittlung geworben werden. Tie Reichslagswahle» habe» »ich! ein solches Ergebnis ge habt, daß man erwarlcn könnte, von der politijchdn 2eile her würden starke Ompulic zur Belebung der Wirlschasl, zur Be kämpsung der Arbeitslosigkeit und zur Perriugcruug der Rot Polinnen. Ungeachtet der großen Bedeutung aller politischen Pro_ biente sind es aber in erster Linie die Fragen der nackten Existenz, die heute einen erschreckend großen Teil der Bevölkerung anss tiefste bewegen und beunruhigen. Man steht vor einem'Rot Iv i n ler,' der man darf sich keinen »Illusionen hingeben an schwere dtp vorangegangenen wahrscheinlich überlreffen ivird. Tie Fragen des Cbdachs, der Heizung, der Nahrung und Min dnng berühren nninittelbarer als die Befürchtungen hinsichtlich politischer Experimente und der Berschlechlernng der Berfassungs gesehe. x Tnrch die Struktur der jüdischen lüenieinschast einerseits und durch den antisemitischen Boykott, den weite Mreise der Bevölke l»»g stillschweigend betätigen andererseits, ist die Lage der?,» den in Teulschland, dynamisch gesehen, noch schivieriger als die der Umwelt. Neben der 'Arbeitslosigkeit jüdischer A r beit n e h ui e r lastet mit besonderer schwere die E r w e r b s l o s i g k e i t zahlreicher einst selbständiger Existenzen ans den .Luden in Teutschland. Tiefe Erscheinungen legen den Crganen der jüdischen EZeiueinschnst spezielle Berpslichinngen aus. Es ist erfreulich, daß in dieser Hinsicht Einmütigkeit unter allen Rich tnngen des deutschen Lndentnnis bestellt. Es gibt eine w i r t fchaftliche Lu de ns rage in Teulschland, deren Behänd lnng in erster Linie und in dein Hauptuiasze Pflicht der Luden allein ist. Ans dieser Erkenntnis heraus haben die zentralen jüdischen Märperschaften eine Aktion beschlossen, die unter dem Schlagworte: „U n s e r Recht ans Arbeit" im Monat No veinber propagiert werden soll.' Tiese Aktion ist ein /,eichen des erwachten Wille» der deutschen Luden zur Selbsthilfe. Tamil diese aber rationell dnrchgesnhrt werde und den größten Effekt, ergebe, »»iß sic^nach einheitlichen Eiesichtspnukien organisiert sein, »ui erster Linie handelt es sich n>» die Forderung des j ii d i j ct, e » 'A r beit s n a ch.w e i s Bö e j e » s. Tie Lentralwvhl sahrtsstelle der deutschen Luden, die ans den, E»ebieie all dieser Fraisen eine große Sachkenntnis besitzt, hat in den lebten ragen geinoinsani mit anderen »Instanzen das tüesaintprobleui der Böin terhilse, der Aktion gegen Arbeit» und Erwerbslosigkeit durch beraten. Es liegt an der jüdischen Tesfenllichkeis, diese Bestie bungni zu fördern. Boll sind die Borschlägr dieser zentralen Cr ganisatione» zu akzeptiere». Tiefe .Borschläge lauten zusammen gefaßt i .... T t ä r k st c Planmäßigkeit in der A r beit gl die erste Forderung. Wir glauben, daß klar »nd, wenn es »oltnt, rücksichtslos unterschieden werden muß zwischen den gute», voll ausgciiutzten Einrichtungen und Arbeitsformen, die anfrcchtcrhaltcn und gestärkt werden müssen, und solche», die durch unwirtschaftliche Führung und Leerlauf den Bedürfnissen der gegenwärtigen Notzeit nicht mehr entsprechen. Das Zweite ist, alle Kräfte dort cinznsehen, wo die gegen wärtige Notzeit n e u e unumgängliche not w endige A u f g -> b e n sie»!. Hier stellt die s o r g e f » i d i e e r >o e i b s loje Lugend, Lungen und Mädchen, ii» Bordergrunde, und es muß beachtet loeiden, daß das Aibeiisloieupioblei» nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ebenio ein seelisches ist. Noch immer sind alle Einrichtungen s»i diese Lügend bei loeiieinnick» ans reichend. Wir nennen »ui: Lugendheiiue, .Mnrie allei Au und die große», durch den Lieiwilligen Arbeilsdienii gebotenen Mog lichkeiien. 'Auf den iveiieie» (Gebieten prod » k > i v e i A i b e i > weise» um liier lediglich aus die »beich! ausgeuoininenen 'Be iniiluingen nin die schassnng von B e z i i k s d a i I e l> n s k a I i e u bin. denen eine außerordentliche Bedeutung zukoinint. Jer von uns -fiele« benreiene te,rundjab. daß es bei dei Turchfulirnng der jüdischen Böohljahrispjlege leinen Unterschied gibt zwischen in Ji>nischl>i»d lebenden jüdischen Anlandern und Ausländern, bat, wie mit jesiiiellen louueu, »beiall 'Aneikennung gesunden. sodann iruuie» wieder: L u j a ni in e n w i > I e » von r>> e in e i n d e u » >> d B e r e i n e n . von e l> > e n a in i l i cki e » u » d b e r » f l i ch e n >» e a j t e n '. "Run, da die 'Rot io groß »i, >>> jede Nebeneinanderarbei'l, >edes llnierlaisen srnhzeitiger Berilan dignng und dauernder zZniainineiiarbeii nirtn mein nur Ln in»-, de» mit uns nicht gesiallen löiinen, sondern handeln gegen den besie» tüeiii hi nietet Arbeit. ■ Böii leben danlbar. daß die Lgi sa»inie»arbeii auch don, ivo sie nick» schon immer gut »>.>>, i» den lebten Lahren enge» und iiarlei geivorde» ist. Aber jeder, der in der Arbeit-sieht, weiß, wieviel I>ie> noch zu in» in und ivieviel mit dem Einiab beite» Willens nock> eiieick» weiden kan». Eine große sorge ist uns die Stärkung aller Arbeite» nn lerer Landes und P > o v i n z» a l v e > b ä n d e sur die io schwer bedrängte» »> i t l l e > e n. u » d k k e i n e n >ü ö in e i n d e n solcher E,eisi der Hgisanimenarbeil veriuag sirli nicht lim innerhalb der jndiickien Aibeil, sondern auch dainber hinan»- ans znivirten >!an»i brauchen wir ans die gesteigerte Bedeulnng des n i a in»i e n u> i > l e ü s >u i i de» off e n > l i ch e » W o l> I f a l> r l s p f l e g e liinzatoeise», die überall zu iolckiei lüemein jchasisarbeil zum L,inerte beiierei Hilfe bereit ist. An gleirli liohem Maße gilt dies von der Arbeit in iNemeinscki.il': in i t d e n a n d e > e n C > g a n i i a I i o n e n der i i e i e n 'Bö o l> I t a!> r t s p.f I e >te. Hierzu gibt die a I l g e in e»i n e Bö inte i >> i l f e, in der schon in, vorige» Lahr alle unsere s ieUen mit große» Hingabe tätig ivaien, besonderen Anlaß. Wir ernenern unsere Anssorderung zu solcher Mirarbeil in der Bö.inrerlrilie, iiidem mit auf die soeben eiiolgte Beisendnng de» ersten ölacki rickileii der Jeulschen Liga fut ireie Wohlsahrlsoslege >als R.icbs zenlrale der Winieihilsei nud ans die bevorstehende Berölsen: Iichnng,der Ausruie zur Winierhilse besonders lriinoeiien. die Mitarbeit in de» allgemeinen Böinieiliilie entbindet ab'er nirgends von der e i g e » e u j u d i j ch e n Bö i » l e r h i,l f »- a r b eg I. sickierlick» ii'l heute-alle Milielbejchassnng dnrrli da»- Andatiein der 'Böi>ischaslskrise erirlnoeri: vielleicht tonnen iancki Sachspenden nicht melir im gleichen Maße ivie ■ nt ooligen h.iln gegeben' iverden. Aber Anblick und Eindruck io nnendlicki glfiei gerter Not haben neue starke Willenstraste zu opsetbeietier >'ilse geweckt »nd die Uebeizeugnng gefestigt, daß neue, m 11 fj .11» e Wege de» M i 1 l e l b e s ch a f s 11 » g gesucht »nd besckliiuen tv.er den »lusjen. Wohl werdeii, ivie bisher, überall die <'l e 111 e i 11 ö e it die st a r k e n sl»ben aller Wohlfahrtsarbeit, aller piodntiiven sozial politischen Maßnahmen sein innssen, die der Erhaltung der in ihrem Lebenstern bedrohten jüdischen iüenieinschast in Tentschland gelten. Es bedarf aber daneben eines starken Ze.ignisses Ser tätigen Solidarität aller d an fähigen M i I g l i c der dieser W c in e i n s ch a f t, damit de» so große Not Leidenden Wille, .Bcrlrane» und Mrasl zuin Leben erhalten bleiben.