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Jüdisches Gemeindeblatt · 1931-11-01 · 21 (1.11.1931) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1931)
Issue
21 (1.11.1931)
Date
1931-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Die Toten -er Woche. Arthur Schnitzler. Arthur schnitzlcr, der große Tichtcr, Hviuptrepräsenianl der modernen deutschen Literatur in Oesterreich, ist am Mittwoch, de» 21. Cftobcr, abends, an den Folgen eines schlaganfalls gestorben. Arthur Tchnitzler, der im Mai ist!:* in Wen geboren wurde, hätte im Mai n. Fs. seinen 70. Geburtstag feiern können. Tie literarische Welt rüstete sich bereits s» dieser Feier. Tas tragische Schicksal Lcsscr Urhs wiederholte sich bei Arthur Schnitzler: Auch er stirbt vor Vollendung der siebzig, und die vorbereiteten festlichen Ehrungen tverden zu Trancrseicrn. Arthur Schnitzlers Pater war der bekannte Fnlcrnist und Proscssor Fohann säniitzler. Arthur Schnitzler ergriff zuerst de» Berns seines Bakers, den Beruf des Ar;tcs, der auch in mehreren seiner'Werke eine Bolle spielt. seine ersten literarischen Ersolge errang er mit den viclgcspieltcn Tramcn „Anatvl", „Liebelei". „Ter grüne dtakadu", denen;n Beginn des 2t». Fahrhundert» „Ter x einsame Weg", „Zwischenspiel", „Tas weite Land" folgte». F» seinem 1912 hcrausgckommencn großen Trama „Professor Bernhard!" behandelte er das jüdische Problem im alten Oesterreich. Tas Trama stellt ans Eirund eines wahren (Geschehnisses den >tonslikr eines srcidcnkcndc» jüdischen Arztes mit einem katholischen Priester und die anschließende politische Hetze dar. schon früher, HMix, hatte er in seinem großen Bonran, „Ter Weg ins Freie", die Fudensrage breit erörtert und eine Fülle von (Gestalten ans dem Milien des Wiener jüdischen Bürgertums gezeichnet. Aber auch feine anderen erzählenden Werke zeigen, daß schnitzlcrs Eigenart auss engste verknüpft ist mit seinem Fudcntnm und seinem Wicncrrum. Tic österreichische und die dcnische Presse gibt in längeren Würdigungen des Tichtcrs der tiefen Trauer über das Ableben des repräsentativsten Tichtcrs der „Wiener schule" Ansdrnrk. dessen schaffen noch keine Alicrszeichcn anhaftctcn und von dem »och Werke von (»röste zu erwarten waren. Tie Feitnnge» heben hervor, daß Arthur Schnitzler ein Tichtcr auch im Leben und ein edler Mensch auch in seiner Tichlung war. tzrtkur «Anlfcler »corg «ngci Georg Engel. Fn seiner Wohnung in der Bayrenlher Straße zu Berlin ist am Montag, den I!>. Oktober, morgens, der Schriftsteller (»eorg Engel an einer Lnngenlähmnng, lvenigc Tage vor Polleiidnng seines Lebensjahres, verstorben. Erst vor wenigen Tagen er-- schien sein neuer großer Boman „Tas (»erichl", eine Fortsetzung seiner volkstümlichen Bommiiverke „Hann .tilüth" und „Ter Beiter auf-dem Begenbogcn". Werke, die in mehr als .'»>> Auslagen er schiene» sind. Nicht ivenigcr populär wurde sein secroma» „>Uans Störlcbccker", der Boman „Tie verirrte Biagd" und djc Fischer Novelle» „Tie Leute von Mvorlnkc". (»roßen Bühnenerfolg haue sein Trama „lieber den Wassern", in dem Agnes sornra oit gastierte, (»eorg Engel schrieb auch ein jüdisches Trama „Hadassa". (iseorg Engel, der 1SI>(> in (»reisswald geboren wurde und bis zuletzt in Berlin gelebt hat, studierte Philosophie und (»cschichie und war eine Zeitlang .(trilikcr am „Berliner Tageblatt". Er war Borsitzcnder des Bcrlnrndes deutscher Erzähler, (»ründcr uäd Vorsitzender des Verbandes des deutschen Schrifttums und seiner Notgemcinschaft. Er hat sich in den letzten Fahren sehr viel um die Linderung der Not der deutschen Schriftsteller dnrch Veranstaltung von Vorlesungen und durch .Heranziehung von Staat und stadl bemüht. Lesser Urp. Ter Begründer und Meister des Finpreffionismus in Teutschland und größte deutsche Landschafter der Neuzeit. \ Am sonniag, den Id 'Tkiober, iniliags, verstarb pwtzlich in seinem Berliner Atelier der große jüdische Maler tzeijer Urn kurz vor Bollenkung seines 7». Gebens jahres Tie ainninoeli war damit bejchäsligl, seinen ans den 7. November sallenten 7N. Efcbnrlstag wnrdig;n begehe». Tie Nationalgalerie bereitete eine sonderanssiellttng seiner l^niälde vor. die Berliner sezession und andere .üiinsilcrvereinignngen, sowie der preußische Staat und die stadl Berlin rüsteten sich zu Huldigungen iiir den siebzigjährigen. die geplanten. Feste werden nun zu vranerseiern werden. Lesscr llr» ivnrde ani 7. November l'MI in Birnbaum, i» der srühcre» preußische» Provinz Posen, geboren, seit 1-^7 lebte. er in Berlin. Fn Paris malte er seine ersten'straßenbilder. Fn.ericurs und Nachlslimmungen. Fn dem flämische» Trte Bollonvct schuf er (Issi? s|) seine ersten nalnralislisch impreisiontsiischen Bit der, die niit zu den frühesten Werken des modernen Fmpressionismns in Teutschland zähle». Als er nach Berlin nberiiedelte. malte er. in den durstigsten Verhälinisse» lebend, das moderne Berlin. Ter Michael Beer Preis der Preußischen Akademie ermöglichte ihm eine Bcisc nach Flalien. Hier ivnrde der «»roßsiadtmaler zum säiilderer d^'r Landichasl, er erreichte darin eine «große und Tiefe, wie kein deutscher Laiidschgfier bisher. Bis in die letzten Tage, ja stunden seines Lclviis stand er vor der Veinivand. Al» am gestrigen sonniag der atniisihändler Arthur Talillieiin ihn im Atelier anssnchte, »in mit ihm die »nifasjende Ansnellnng seiner Werke, die die Nationalgalerie vorbereitet, zu lviprechen, fand er deii Stünstler in sehr gebrechlichem 'snsiand^' vor Man ries einen Arzt herbei, der aber leine Hilfe mehr leisten konnte, tzeijer U>» erlag bald einem Herzschlag. Tie .Eriiiker der Berliner Feitringen neiinen tzener Urn den wahren Begründer und ersten Meiner des Fmp.e-iionismns i» Tenischland. neben Mar. Liebermann den bedeutendsten Borkämpier des Naturalismus i» der deutschen Malerei und den größten deutschen riandschasier der Neuzeit: ein Farbeng.uie, einen der bedeutendsten Pasiellmaler des 2>> Fahrlinnderts, der auch als Blnuien- »raler und als (»raphiker von wenigen erreich: ivnrde. Tie Kritiker nenneti sein (.'eben ein tragisches. Tnr>h manche Enttaunlinu gen scheu geworden, Hanne der alte, Herzkranke Mann in einem ttngesnnden Biescnaielier am Nollendoisplav. das er mi: eigenen Händen heizen mußte, ivochenlang ohne richtig-zn eisen, ohne Pflege, seinen Freunden war es »nmöglich, gegen ''e:>nn stopf »nd Willen etwas an dic'em Fntttinde zu andern Tie Bei'etzung Leiser Ur»s fand auf -dem Fr:edboi der Fndi scheu «gemeinde in Weißeniee fn einem von der «».meinde dem Slnnstler gewidmeten EhrBigrabe im;:. Bor der Ueberinlrinng ivnrde der sarg in den Bäumen der 'Berliner seze'iioi: noch ein mal ansgebahrt. Aum Toüe Thomas Eüifons. Einer der größten Erfinde» Miller -',e::en :>i a-iiorben, der auch^ein vorzüglicher Mensch geweiV-n in. Fn iei:>n men'chlirben und ge'chästlnben Beziehungen reaitli.b und 'ach.ieb. :ii er mit zahlreichen Faden in Berührung gekommen. Eine seiner eril.n deutschen Bekanntichaslen war Emil Batlir'nau, der Baier Walther Bathenaus, der ihm l-^I a»> der Prri'er Weitan-.-n.llnng das europäische Patent der elektrischen '»Inhbirne abkanite. darankln» die AE>». gründete und Sam:: eine de, bedeutendsten Fndniirie Unternehmungen Teutschlands rind-^de-.- stontinents Edt'gn seinerseits hat den W^itblirk und die Pioilierilellnng der >nd:ichen ''öirlschaftssnhrer im' denisrhen Wirtsäiaitsleben klar erkannt find das amerikanische ivie das deutsche Voll immer nneder anerkennend daraus hrngeivieie». 'Noch im Weltkrieg 'ag:e er et.nmal: „Ter große Fortschritt des deutsche» Volkes in Hände, und Fndusirie beruh: daraus, daß die herrschende» Militärs vernni'ittg genug lind, iich der Erfahrung der große» jüdischen Bankiers und »s"«c schäftslente zu bedienen." Er nannte ant-dr»>kii>lr Bleichroder, Ballin, Balhenan nird Vouk* nnd fugte hinzu: „'geh: man dem Ursprünge der großen nnd eriolgreichfien ident'chen! Fndnslrien nach, dann spur: man tatsächlich «inen Fuden aus, dessen Fähigkeiten sie zu dem Erfolge cmporsnhrien." Wir Fuden verlieren in Thomas Ednon eine» Freund, denen r- »ns mehr bedeutet.'als der Haß derer, die »ich: alle werden % i

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