Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 20 (15.10.1931)
- Date
- 1931-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4916913-5966051-5966120--504-4917364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
überflüssige Übertreibungen. Wciüiilttatcn gegen Juden gehören fast schon zu den alltäglichen Erscheinungen. Nur selten vergeht eine Woche, ohne.dag aus rrgendrincm Teil der Well Exzesse irgendivclcher Ari gemeldet »»erden. Uebcrsälle, Plünderungen, Tcmoliernngen, Pcnvüstung von jüdische», Eigentum. Entweihung jüdischer Araber und Heiliglüiner. Brntalitäie» gegen jüdische Ltndcntcn. all dies sind wohl bekannte Ucberschristcn, an denen der Zcilungsleser irreqen ihrer Häufigkeit bereits fast achtlos vorübergehl, jüdische Meiningen veriüögen nicht einmal mehr alle Ereignisse dieser Art zu registrieren. Nichts ist charakteristischer für das jüdische Schicksal in dieser Zeit als die Tätjachc, daß das lebendige tzöcfühl für die schrecklich, feit jedes einzelnen solchen Falles verloren gegangen ist. Man nimmt die Meldungen mitGIcichgnlxigkcii ans. Tiefe Alltäglich leit hat eines der grausamsten Paradoxe der.jüdischen Situation geheiligt. Um doch die Aufmerksamkeit zn erregen, um das rtt» wissen der Menschheit »vachznrüttcln und Anteilnahme zu »necken, wird in den Berichten über Angriffe auf Hilden häufig übertrieben. Wohlmeinende Berichterstatter oder die Perängsligtcn selbst zeigt» di« Geschehnisse in einem .Bergrößcrnngsglas, die Zahlen der Heimgcsnchlcn wird aüsgebauscht, und diese Berichte werden dann von einer Reihe von Agenturen und Zeitungen gutgläubig übernommen. Tic Folge davon ist, dag die schuldigen sofort eine energische „Abwehr" organisieren und die Nachrichten als „Berlcumdungcn" bezeichnen. Es entsteht eine völlige Umkehrung der Situation. Plötzlich sind cs die Pögromheldc», denen Unrecht geschehen ist und die sich vor der ganzen Welr bitter darüber beklagen. Und das seltsamste ist, daß die Wclt^ hierauf »vohltvollend reagiert. Sobald sich heransstellt, dag die Berichte »virklich übertrieben waren, bleibt als Resultat ein Gefühl des Un»villcns gegen die Juden zurück, die in so taktloser Weise die Scffcntlichkeit falsch informiert haben. Man hatte in den Zeitungen gelesen, 2000 Juden seien irgendtvo umgcbracht worden: plötzlich stellt sich heraus, cs seien nur 200 »virklich tot. Tie Sache ist also „gar nicht so schlimm". Man sollte verstehen, dag man dutch Ucbertrcibungcn der jüdischen Sache keinen Ticnst erweist. Tas Mitleid, das im ersten Moment vielleicht dnrch die großen Ziffern verstärkt »vird, »vandelt sich später in das Ressentincent des Getäuschten «in. Man sollte sich ganz streng an die Wahrheit halte»,, die »vahrlich schlimm genug ist, und sollte nicht dnrch Abwcichen von der Wahrheit Gelegenheit zu Tiskussioneu geben, die den Sachverhalt, nämlich das den Inden angetane Unrecht, in den Hintergrund drängen. Einen Fall dieser Art haben »vir soeben »vjeder bei den Ausschreitungen in Saloniki erlebt. Aus einer Plotestversammliing in Paris wurde behauptet, in Saloniki seien „20 Inden getötet und hunderte vcr lvundel" ivordcn. Es ist schiver fcsiznstcllen, »ver für diese Jnformationcir verantwortlich ist. Jedenfalls »vird hier von Freunden in leichtsinniger Weise mit dem jüdischen Schicksal gespielt. Diese Behauptungen erregten die Entrüstung der griechischen Oesscntlichkeit und es »vird sofort ein Apparat in Bewegung gesetzt, um zu dementiere». In diese», Falle ist die Ucbcrtreibnng besoeiders bedauerlich, da die griechische Regierung anscheinend wirklich bemüht »var, die Pogrome cinzudämvien bziv. sic zu verhindern, und diese Art der mit unkorrekten Zahlen operierenden Propaganda leicht zum Anlaß »verdcn kan», jede judenfeindlichc Stimmung in Griechenland zn verstärken. Eine »veitere Folge ist ein »vachscndcs Mißtrauen gegenüber allen jüdischen Berichten. Tic jüdische» Berichterstatter sollten ans diesen Erfahrungen endlich die Lehre ziehen. Tas. »vas de» Inden »virklich angetan »vird, ist schlimm - 'genug, und »venu es ein Gefühl für Gerechtigkeit und Menschlichkeit gibt, so müßte sich die Kultnrwelt dagegen empören, auch ohne daß man das Geschehene vergrößert. Daß Berichte über Judenverfolgungen, die tatsächlich — »venu auch vielleicht in etnro§ kleinerem Umfang — stattgxfnndcn haben, zu einer Baffe gegen die Juden gemacht »vcrden, ist eine der grausamsten Ironien der jüdischen Zitnation nnd^cnthüNt blitzartig die tragische Bcrworrenheit der modexncn Judensrage. Mm ANTEL (mi Sit-oitofaton Stoffen e&gvdweiSdM- - Ui Summa iüum. aopjuUimJ! Damenmantel aus Diagonal, fesch# sportliche Form ganz gefüttert Damenmantel aus Vetour-Diagolaine, hotte Form mit aparter Armelgarnitur. grofj.Pelzkragen Damenmantel aus Velour-Diagolaine, elegant verarbeitet, mit großem Pelz-Schalkragen, ganz gefüttert \ Damenmantel aus Boucle-Fresko, fesche elegante Form, mit großem Fohlenkopf-Pelzkragen, ganz auf Marocaine Iß75 33 48 78 00 00 00 «r KARSTADT i|, der Jude keineswegs verznwiseli. Alles über ihn hereingebrochene Unheil hat seine ciierne Enlschlossenheil. ansziiharre», »ich, zn erjchntier» vermochi. Ei» »euer jüdischer anpns ist im Entliehen. In Palästina hat der Jude seine Wiedergeburt ge jiinden. Er ist dort wieder mit jüdischer «-»eichichle, mi, jüdischer Tradition, .mit jüdischer Sprache verknnpsi. Er Hai iicli vom Ghei.ogeisi befreit und trägt sein Hanp: hoch als stolze,, anire,liier Mensch. Jeden, der »ach Palästina kommt, wi,d von diesen, - ckianspiel der Erneuernng in der Tiefe seines Herzens ergrisse». Um die Frage der .üivnzoih hat sich eine lebhaiie .»oniioverse entivickelt. 'Was ich in Palästina gesehen habe. Hai mich, davon überzeugt, das; nur derartige »Gruppen von Pionieren imiiande sind, die Schivierigkeilen öcV Eroberung des Bodens Palästinas fiir das jüdische Bolk iiberivinde». dnrck, den Geis, der t^enieinsciiasl kan» die Iwroilckie Anstrengung, deie» Palästina bedarf, zun, Erfolge geführt werde». Bielleicht in diese Meihode kosnpielig. Bielleicht ivird sie ans die Tauer nick» befolgt werde» köiineiit aber für de» Anfang bilden sie de» einzige» möglichen Weg Tie Jndenheit Palästinas kennt nur e i n e Majestät, vor der sie »ich in Ehrsnrchl neigt - die Majestät des .»indes. J>, seinem Lande ivird dem .»inde eine so erstaunliche Sorgfalt zug.iv.itidi, wie in Palästina. Tie i» Palästina heranivachidride neue Gene raiion wird untere jüdische Welt zweifellos »m »enes Fnlner elemeiit bereichern und »ns jene Inspiration nbenken,deren nniere Geineittschafi Heine so dringend bedarf. ' Erlebnis Palästina. \ Bo» Lola H ahn- Warbnrg. Frau Lola Hah» Warburg, die Tochter, Max '.st, Warbnrgs, schildert im folgenden die Eindrücke, die sie ans einer vor kurzem in Gesellschaft Tr.! Weiz »lanns und seiner Gattin nnternvmmenen Palästina reise vom jüdischen Ansbanwerk enchsaugen hat. Jeder, der Heine nach Palästina kommt, muß erkennen! Tas jüdische Siedlnngswcrk ist gesichert, .»ein Besucher des Landes kann sich der ergreifenden Wirkung entziehen, die von diese»! Werke ansgcht. 'Ungeachtet aller wirtschaftliche» »nd politischen Schwierigkeiten, die sich rings um den Palästina Ausbau erhebe», nimmt jedermann den Eindruck mit sich, das; keine Mack» der Welt imstande sein Ivird zerstören, was jüdischer Enthusiasmus >i»d jüdischer Tpfcrürnt hier anfgcrichtc» haben. Tas Palaitinawerk ist wie auf Fels gegründet! .Bon der Jndenheit der ganzen Welt, von ihrer Bereitschaft, Tpfcr zn bringen »nd einträchtig zn sammenzuivirken, »vird die Eriveiternng seiner Grundlage ab hänge». So manchen Rückschlag hatte die Jndenheit in letzter.Zen in bezug ans Palästina binziinehmev/ Aber in Palästina selbst Zivische» dem orthodaaen Inden in Palästina »nd den, moderne», Nicht religiösen jndischen Arbeiter kl.iisi scheinbar ein Abgrund. Und doch hat es das jüdische Bolk gerade dem orthodoxen Inden zn verdanken, das; seine Berbnndenheit mit Palästina nie »,als eine Nnterbreckinng erfahre,, Hai. Andererseits entbehren auch nufere „nicht religiösen" jüdischen Arbeiter nicht völlig des religiösen «Geistes. Sie feiern die-religiösen Festtage aus.ihre Art, »nd so ivird auch der religiöse Genius" der iür nnier 'Bolk i„ charakteristisch iil, pveisellos in Palästina seine 'Wiedergeburt linden und die^'Well einmal nm eine neue An seiner iR-sialinng bereichern. Niemals werde ick, die ivenigen Woche», die ich in Palästina verbracht hat»-, vergessen. Sie haben mich in einer Weiie innerlich bereichert und mir neue, Wege und Horizonte in einer Falle erössnel, wie iäi iie mir vorher nie träumen lies;. 'Allerdings ivar ich ii, der glücklichen Lage, die idealsten Führer z» haben. d,e u,an stich denken kan»! Tr. Weizmann und seine Gemahlin.^ Unvergeßslich ivird mir das Pesjachseit bleiben, ivie ick, es in' Palästina e>- lebte Rock, sehe ick, vor meinen Augen die Hunderte jugendlicher Arbeiter nnd Arbeiterinne", ivie sie vor dem Haine .Tr. Weiz manns in Haifa vorln-izoge», in herrlicher Begeisiernng hebräische Lieder sangen »Nd ihrem Führer, in, den die jüdische Bevölkerung Palästinas eine rührende Zuneigung und Liebe ait den Tag.legi. Hnldignnge» darbrachte».