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Jüdisches Gemeindeblatt · 1931-06-01 · 11 (1.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1931)
Issue
11 (1.6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich xugestellt Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Otnihmlgung das Varfassars gastattat Vcrlagtort Kaatcl BREMEN Verantwortlich (Qr den lokalen lallt M. Markreich Nr. 11 Bremen, den l.iuni 1931 3. Jahrgang In der Würdelosigkeit liegt kein Heil. Von Fernand Coreot. Wie die Lituation der deutschen Oiibcii jut ~ Zeit im Ausland beurteilt wird, lehrt der nachslehende Artikel eines führenden französischen bilden Ferdinand Eoreots. Tie Red. „Tentschland erwache! Inda verrecke!" rufen dieselben Leute mit dem österreichischen Nationalisten Hitler an der Tpitze, die Äurt Eisner, Haase, Rathenau und hundert andere Republikaner und Inden gemordet habe». Und sein Programm? „Nur der ist Bürger, der deutschen Blutes ist. Also haben. die Juden keine Bürgerrechte." „Einem Juden kann kein öffentliches , Amt anvertrant werden." „Wenn der Ttaat Schwierigkeiten hat, seiner Pevölkerung Brot zu beschaffen, müsse» die> Ausländer ausgewiesen werden. Tie Juden müssen ausgewiesen werden." £ großer Patriot, so also willst du den Teutschen ihre» alten Ruhm wiedergeben. Ihr werft de» Inden vor, daß sie Wucher treiben, unlauter erworbenes Eeld besitzen? Aber Ihr wißt ja selbst, tvie sehr Ihr es Euch und den anderen vorlügt. Rufen wir uns zwei Tentfche der Nachkriegszeit ins Wc dächtnis: der eine war der Jude Rathenau, der es verstanden hatte durch seine Redlichkeit, durch seine» universelle» Blick, den Respekt der Welt nicht nur sich, sonder» auch Teuischland zu erwerben. — Ter andcre war der Nichtjude Hugo Ttinnes, dessen 1500 Unternehmungen ihm ein immenses Vermögen cinbrachten, das ihn dann ins Verderben stürzte. Welcher von beide», der Jude oder der Richtjudc, war der bessere Teutsche? I» Tcsterrcich, dem Lande des Nationalisten Hitler, besteht ein Trittel der jüdischen Bevölkerung ans „Lnftmenschen". Tut nichts, der Jude ist schuld! Welches Verbrechen haben aber die jüdische» .Oausleute, Handwerker, Angestellte», Lehrer, Landwirte begangen? Tie vergeßlichen Teutschen sollten wieder einmal in ihrem (seschichtsbnch blättern. J»i 15. Jahrhundert hat der Anti semitisnins infolge der Vertreibung der jüdische» Arbeiter und EZclvcrbctrcibcnden Augsburg, Nürnberg, Ulm und Regensbnrg wirtschaftlich zerstört. Frankfurt a. M. und Hamburg dagegen wurden blühende Ttädte, tvcil sic die Inden anfgenvminen haben. Wer behauptet das? Nun, kein anderer als Tombarl, der kein Jude ist. Tie deutschen Nalwnalökononien weise» immer wieder darauf hin, daß die Leipziger Messe seit dem 17. Jahr'r hundert der Teilnahme der Jude» ihr (Gedeihen verdankt. „Tut nichts! Tas alte Lied bleibt bestehen: Tie Juden sind an allem schuld! Vertreibt sic! Tie deutschen. Antisemiten scheinen cs daraus abgesehen zu haben, Tentschland zum „würdigen" Nachfolger des zaristischen Rußland zu machen, dem der Ruhm gebührt, früher führend in der antisemitischen Front gewesen zu sein. Tie neidet Rumänien und Polen ihren numerus clausus, neidet ihnen die Ttndentennmtriebe; das große Tentschland, das einmal einen Ewethe hervorgebracht hals soll der Tchrccken des freiheitlichen Geistes sein? England zählt seit Tisracli unter seinen Ttaatsmänneru hochstehende Juhc», die Mitbegründer seiner Mlröße waren. Vor einigen Tagen schrieb eine seiner großen Zeitungen stolz, daß der Antisemitismus ans englischem Boden keinen Platz habe, daß „das Auktauchen des Antisemitismus.innerhalb einer Ngtion ein Zeichen für ihre Tckadenz ist". Frankreich hat, als cs in der Drchfns Affäre seinen übel» Beratern nicht gefolgt ist, die Bewunderung der ganze» Welt geerntet. Italien kennt, seit Rom im Jahre 1005 einen jüdischen Bürgermeister gewählt hat, keinen Antisemitismus und selbst unter dem faschistischen Regime ist er verpönt. * Ter Nationalist Hitler wärmt wieder die dummen pseudowisjenschaftlichen Märchen von den zivei Rassen ans, in die die Menschheit geteilt sein soll: die eine edel und rein, die arische, die andcre dekadent und korrupt, die semitische. Und er schien dert den Ban» über die Tcmiien. Ist diese ttesle nicht komisch, ja sogar schon traurig? Tentsch land protestiert gegen den Versailler Vertrag, es erklärt feierlich, daß ein ganzes Volk allein nicht für schuldig erklärt iverden könne, daß höchstens einzelne Individuen verbrecherisch sind. Merken sie den» nicht, daß sic dasselbe tun, indem sie die .Molleklivvcrdaniuinng des jüdischen Volkes verlangen? * Nun, man braucht diese Tinge nicht jo tragisch zu nehmen, man hüte sich aber, sie zu leicht zu nehmen. Ebensowenig wie die vier Millionen kommnnisiischer Wähler imstgnde sind, i» Tentschland das russische Regime anfznrichten, ebensowenig werden die sechs Millionen Nationaliften, die den falschen Ver sprcchunge» Hitlers gejolgt sind, es fertig bringen, die Inden ans Tentschland zu vertreiben. Aber das Tyiuptonr ist wichtig. . Es bedeutet für die Inden in Frankreich und in der ganzen Welt eine neue Tatsache, die nicht übersehen werden darf. Tie trnben Mächte, die an der antisemitischen Front am Werke sind, haben das legte Wort »och nicht gesprochen. Es glimmt noch unter der Asche, während man geglaubt hat, daß das Feuer bereits erloschen sei. Tie Verso! gnngen der Rasse, die weder Rast noch Ruhe kannte, spuken noch. Wenn Frankreich, auch frei ist von diesen niedrige» Instinkte», ist es nicht das Eebot der primitive» Tolidaritäi, daß ivir den Juden Helsens die »och geschlagen werde»? Vor unseren Toren ist der verabschennngswnrdige Versuch gemacht worden, Franzosen gegeneinander zu hegen, in demselben Algier, welches die Heldentaten eines Mar Regis gesehen hat. Tic Ttadt Tran ist von einer gehässigen Presse zum Vingei krieg ansgcstachell ivorde». In Algier wurde eine „lateinische Union" begründet, um das. sranzöjijche, italienische »nd spanische Lager von den Inden zu trennen. Man weiß nicht recht, woran! diese künstliche Mache abzielt. Jedenfalls nößi sie alle ansian dige» Menschen ohne Unterschied der Herkunft ab. Wir müssen aufmerksam sein. In diesen Tagen der Well Unruhen glauben wir als gute Europäer den Teutschen znrnsen;u sollen, daß ihre Elegenwarl und;>ufuutt Omen mehr wert sein sollten, als die entwürdigende» Perspeliiven des Antisemiiisnin -. „Etzel findergast/ VesproO:en von T r. H » g v >o a Ii n , E s i e tt. . Ter nenesie Roman Wassermann-'- ,vi>>l>er V.e r I a g. Berlin!!>:',> e-eliör: in die Reihe je.ler ditlnerli.lw.i?ell>n betcnniuiise. die zZengnis ablegen wollen von dem Tin» der nn miiielbaren i'egennt.iri Ter Turch Tchnill dnrO: niuer> :Zml all ihrer Mannigsaliigkeii ioird gewonnen dnreb Ttirnellnng der arziliOien Täiigleit eines überragende» Mediziner--- nn-erer Ta>i>:» I o > e p Ii »lertlioven. Tie besondere >?.>nlineilivde dien's faup.erordenilichen Menietbni und ingeniösen Arzte-:- in nubi lei l,i zu beschreiben. Eine Oeillang in man versncknz zu glauben, gebe darum, die bedeutiame Rolle, die der F-rends.l:en Analnie in der heutigen Medizin znlomini. ansznzeigen. Bald aber ineili inan, daß die'!er .'leellioven bereits einen T.lnili iveiier Ol. Tie Erfolge feines Ecilverialirens bestellen offenbar darin, das, er es versieht, den graulen so in sieh auizunelnnen. das: er zwangniänig dessen, lörverlirle:- und ieeliiches Leiden noel, einmal lebt und erleidet. Indem er iiO» so gleichsam - in de» Anderen ver wandelt» vermag er am .beiten ansznsagen, an ivelrhei» Vnnki des .granlhcitsverlauis d>e Regeneration einienen müsz.

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