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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-10-15 · 19 (15.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
19 (15.10.1930)
Date
1930-10-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Iü-isthe Nachrichten. Katholizismus unö Nationalsozialismus unvereinbar. Berlin. (ITA.) Der Bischof von Maiikz, Tr. Hugo, hat an die Geistlichen seiner Diözese folgende Anweisungen erlassen: 1. Jedem Katholiken ist es verboten, eingeschriebenes Mitglied der Hitler-Partei zu sein. 2. Mitgliedern der Hitler-Partei ist es nicht gestattet, korporativ an katholischen Beerdigungen oder son stigen kirchlichen Veranstaltungen tcilzunehinen. 3. Solange ein Katholik eingeschriebenes Mitglied der Hitler-Partei ist, kann er nicht zu den Sakramenten zugelassen werde». Das Gencralvikariat der Mainzer Diözese erklärt, dag ein eingeschriebenes Mitglied einer Partei selbstverständlich alle Pro granlmplliikte dieser Partei sich zu eigen mache. Nun enthalte aber das Prograuiin der Partei Hitlers Leitsätze, die mtt den GtDdsätzcn und den Lehre» der katholischen Kirche unvereinbar seien. Zum Inkrafttreten des Venerischen Schächtoerbots. M ü n ch c u. (FTA.) Ter Verband Bayrischer israelitischer Gemeinden erließ folgende Bekanntmachung über Versorgung mit rituellem Fleisch: „Das bayrische Gesetz über das Schlachten von Tieren vom 17. Mai 1930 tritt am l. Oktober 193» in Kraft. Das Gesetz schreibt die au^nahmsloscXBeläubung aller Schlachtticrc vor. Da keine der bekannten Betäubungsinethode» als rituell zulässig au erkannt ist, kommt die gesetzliche Bestimmung praktisch einem Verbot des SchächtenS gleich. GS muß darum ab 1. Oktober das Schächten von Vichstückcn in Bayern unterbleiben. Ter Bezug von rituellem Fleisch aus den Nachbarländern ist sichcrgestcllt. Wir legen auch jetzt Verwahrung ein gegen die durch das Gesetz bewirkte Beeinträchtigung der Gewissensfreiheit unserer religiösen Gemeinschaft. Wir hoffen, daß cs gelingen wird, die freie Ncligionsübung künstig wieder zur Aiierkcinning zu brin gen, und haben das Vertrauen, daß bis dahin unsere jüdische Bevölkerung einmütig und treu zusanlmensichcn wird. M ii n ch e n, de» 22. September 193». Verband Bayrischer israelitischer Gemeinden: Tr. Neunicyer." Oie polnische Negierung kauft die gesamte «Tabafernte Palästinas. W a rscha u. (ÄTA.) Tie polnische Negierung hat wie im Vorjahre so auch in diesem Jahre die gesamte Tabakernte von Öbergaliläa zur Verwertung durch die amtliche Tabakrcgic er worben. Ter Kaufpreis beträgt 1» Pence pro Kilo, gegen 33.6 im vergangenen Fahre. Der Präsident des Syndikats der jüdi scheu Tabakzüchter Palästinas, Brajilai, sagte den iTA. Vertreter, daß auch der erhöhic Verkaufspreis Himer dem wirklichen Wert des hochqualifizierten Tabaks znrückblcibt, daß er aber hosft, im kommenden Fahre einen höheren Preis;n erzielen. Oie Krise in der jüdischen Gemeinde Oreodcn durch friedliche Llbereinkunft beendigt. Gleiches Wahlrecht für In- und Ausländer. — Gemeinsame Wahlliste der Liberalen und der Volkspartei. Dresden. lITA.? Der Jüdischen Telegraphen Agentur wird milgeieill: Der Jom Kippur bringt der Gemeinde Dresden und allen denen, welche an der Beendigung der Dort seit zwei Mona len herrschenden Krise inlercssicrt sind, die frohe Botschaft, daß die bestehenden Differenzen restlos bcigelegt sind und daß ein wirklicher Versländigiingsfrieden ziislandcgekoiunien isl, bei dem es keinen Sieger und keinen Besiegte» gibt. Die wochcnlangen Ver Handlungen waren > trotz tiefgehender Meinungsverschiedenheiten vom erste» Augenblick an ans beiden Seiten von dem ernsten >»d festen Willen getragen, durch gegenseitiges Entgegenkommen eine friedliche Verständigung herbeiziisührcn. Man einigte sich dahin, daß allen Mitgliedern der «gsstncinde inländischen wie anslän dischcn das gleiche Wahlrecht znerkannt und gleichzeitig den von den Liberalen vertretenen Interessen in vollem Umsang .Rechnung getragen wird. Die Einigung und das gegenseitige Verstehen sind io vollständig, daß fiiv die Neuwahlen eine gemeinsame Liste ausgestellt und zwischen Liberalen und Jüdischer Voltspartei also keinesfalls ein Wahlkamps geführt wird. Die Delegierten beider Parteien haben im Verlause der — zeitweise recht schwierigen — Verhandlungen mehr und mehr die Ncberzeugung gewonnen, daß ein friedliches und erspricßljchcs Iusammenarbeitcn im Dienste der Gemeinde nicht unr erwünscht, sondern durch ins möglich sei, und es ist daher nicht bloß ei» frommer Wunsch, sondern die feste Ucberzcngung aller Beteiligten, daß diese Verständigung den Anfang einer neuen friedlichen und erfolgreichen Aera der Dresdner — und wie wir zuversichtlich hoffen und wünschen — auch der anderen sächsischen Gemeinden einlcitct. Philipp halomann begnadigt. Wien. Bei den alljährlichen Begnadigungen Unterzeichnete der Bundespräsident u. a. die Begnadigung des Studenten Phil. Halsmann, der auf Grund eines Indizienbeweises wegen Tot- AlagS an seinem Vater vom Innsbrucker Schwurgericht zu vier Ähren schweren Kerkers verurteilt worden war. Vücherschau. Religion unl^Weltfrirde. — Ueberwindung der Kriege. ,)„! Gustav Engel Verlag, Berlin, hat die „Arbeilsgem-inschaft der Konfessionen für den Frieden" eine Lammelschrist (»>n Beiträgen prominenter Persönlichkeiten der beiden christlichen und der jüdischen Ncligion, wie Pfarrer D. Günther Dehn. P Franciscus Siraimann O. P., Rabbiner Dr. Leo Bacck ii. a.l lurans gegeben. Diese Broschüre zeigt, wie sehr die Bekenntnisse sich ihrer sittlichen Aufgabe bewußt geworden sind, geineinjam für din Weltfrieden cinzulreie». Das Judentum verwirft den Krieg als Weg zu einem Iiclc, lveil der Krieg kein Wem sondern eine sti ch Hing der EK'lvalt i|t. Alles Gewaltsame aver ist iveglos, iveil es nie über sich hinaus zu einem H,iele. sondern immer nur zu sich selber zurück, zur. Gegengewalt fuhrt. Die protestantische Kirche verabscheut den Krieg als ein Weliunrecht. Ein Handeln in lebendiger Verantivorinilg gebietet ihr. den Krieg zu ächte». Das schliefzt natürlich auch die leiseste Spur von Verherrlichung. Heroisierung und religiöser Nechiserligung des Krieges ans. Keine der von der katholischen Siitenlehre anfgestelltkn Bedingungen für die Erlaubtheil einer kriecNKisckien Ailseiiia»der'etz»»g triff: für den nivderneii Krieg mit seiner alles Maß ilberileigendni;>a stvrnngstechnik zu. Deshalb achtel auch der Katholizismus de» Krieg als ein internationale» Verbrechen. -für Frage der Uebcrwindnng der Kriege äußern sich im zweiten Teil der Schriit Pfarrer Lic. theol. Niidols Wielandt, Nechtsanwail Tr Alfred Klee und Dr. Heinrich Krone M. d. N. Pfarrer Wielandt gcb: zuerst auf die Ursachen der .Kriege ein. Eine pwcholoais.be lh lache sieht er in der geheimen 'Anziehungskraft, die der Krieg und das Militärische auf jeden Mann, den gereislen wie den juaend lichen, ansübt. «ganze Völker stehen im Banne des Welte obe riingsgedankens und lassen sich fortreißen, ihre Ausbreitung».,e lüste mit «Gewalt durchznsetzen. Tie snrchibaren Wirkunaen des Krieges für den einzeluen wie für die Menschheit, fuhrt Tr. Klee aus, haben im Volke einen leidenichafilichen Willen gegen den Krieg und den Nus nach einem sriedicriiqen zfnsanrmenleb rr der Völker erhoben. Ta Krieg oder Frieden von den Völkern selbst abhängt und nicht vom Schicksal über sie verhäng: ivird, bat jeder denkende Mensch die heilige Verpslichtung, »ch :r jedem 'lugen blicke siir den Friede» einzuietze». Tie :>iä»»ie Europas sind sur einen inodcrne» .Krieg so ,'»g geworden, daß bei dein lie:i::gen Stand der Waffentechnik nur noch die,'BTahI bleibt: Frieden oder SeIbnner»ichtn »g. Sind j»r. Ernii Sch> ogenbein>. Dr. pbil. Nndols Hallo: Geschichte der Fainilic Hallo. 3.">» Fahre aus dem Leben einer deutschen Hofjnden- und Hand werkcrsamilir. Kassel, 193>i, im Selbsiverlag des Verfassers Preis «>. Mark. Fn der Vorrede zu diesem Vuebe, das größte Aujmerliainleil verdient, spricht der Versasser die Ansicht ans, daß es liier nicht ans Durchschlagskraft, Brillanz, Enideckung und Wahrscheinlich keilen ankoniine, sondern nur auf nackte Nichtigkeit Das >ii ae tviß zutreffend für eine Unlerjnchuiig. die die Geschichte eine: Familie vom Anfang des >7. Falirlninderi» an bis in uniere Tage anfzeichnrt: aber ihr :>ieiz liegt gerade darin, daß sie zu nächst oft Wahrscheinlichleiien ansipurl. scheinbar ineii Ansein anderliegendes vertnübsl und dann »ril Brillanz den Wen de ninhevo» ansgedeckten ^Funde nachtveiil. die Faden bloßlegi.. die von der einen Beknndung zur andere» iuhren. l»s schließlich da- «ganze klar liegt und die ckiichligleit ins Auge Klingt. Und man kann dem Verfasser bezeugen, daß er diese:- Fiel irr anendlich rnnhevoller Arbeit in Bibliotheken und 'Archiven in Snnagogr» und ans Friedhöfen erreicht hat und daß auch dem!>itiidiiini Leier kaum noch leise Ftveisel bleiben, daß die versckilnngenen Fäden, die von Prag aber Glogan, Stendal, 'Verlin und Halle nackt .Kassel silhren, überzeugend enlwiru sind Tie - Bnch-rsi in: nns in mancher Hinsicht größter Veachinng roeri: erir er-r Musterbeispiel, ivie die Geschichte'einer inditckren Familie dnrcki die .Fahrlninderie hindurch anigedecki »>e>den larnr, nn? dem 'Autor hierbei zu folgen, isl ungemein seiielnd. Tann liandeli es sich nüi die «Keschicke einer Familie, die rn nnieier Stadt all gemein bekannt nird geachtet isl rind deren lci-le cg» n> lauonen noch vielen von uns persönlich belannt und besrenndei ivaren und sind Aber auch für die, die den .Kaiieler Verliallniiieii hm,; sieben, bi eiet dies Werk und da» rit e-> tatsächlich weit mehr als episodenhafte ,,'Bilder ans dem inditclien Familienleben" »ir die «gl jeder der Fanrilie ii»d .ihre Freunde eine Fnndgrnbe kuliurkislolischer Taiiache». Tariiellniigen de» j»diicl>en Leben-, (>■.j> .i-'M v >u , n-äuneri! mit Namcn"., i» detaillierler .'Aalerei, ii'c ganzer b piß den j'idjjchei'-e'.hlclrte IN Teiiiscliland »iid Nb», i.irie E'ce'ize,- -11r- -.- e-iap i .. , ie -d - den lurnnlilich brau denbnrgischeii Hvfjude» nsrael Aron l>euesjende, derr „Begrnnder der «gemeinde", da» über seine Nachfolgerin irnd zrveiie F-ran, Esther Schnlhosf, diese glänzend begabte, einslnßreiche Fra», oder jenes, das sich mit Salomo Fsrael in Halle, mit. seinen äußern Lebensiliilsiänden, jcinen Kämpfen »nd Erfolgen besaßt, sind Er gebnissc gewissenhafter Forschung und intuitiven ErsassenS, die> nicht nur die Schicksale dieser eigenartigen Persönlichkeiten ans decken, -sondern das ganze jüdische Leben der Feit, in seiner in nern Struktur und in den Beziehungen des einzelnen zur lim well. Und das gleiche gilt von dem Kassel des K und Anfang des 19. Fahrhnnderts, das natnrgernäß unser besonderes Fnteresie sindet. Diese kurzen Hinivcisc mögen genügen, nni dieses in seinen Beilagen gni dokninenlierte und würdig ansgcstattcte Buch zu einpfehlen, das auch rein menschlich durch seinen warmen Ton -ansprich! H a » » M v S b a ch e r.

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