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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-09-17 · 17 (17.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
17 (17.9.1930)
Date
1930-09-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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biit*imid)t ',11 r 'Jivifivmifl Per ftviot->(’iirii*:vIidio11. iHcdnc des nidit jüdischen Bevvlkernngsteilcs erwähnt worden sei. Der jugoflawisdie Telegierie jditos; sid> de» livflavuniicn des persisdien Bei rntcv* »ii, betonte ober, dos; das Ma«idat über Palästina eine historiidie Ausgabe gegenüber dem jüdisdie» Volk;» ersulle» und dobei gleickimaszig beide Bevölkeriingsteile im Interesse der '.'UI gemeinheit;» berttckfidittgett habe. Taunt ivor die Aussprache beendet »nd der Vorsihende konnte die einstimmige Annahme' des Berickites seslslellett Der kleine Husar. Bon A m icus. Lcssing erzählt cinmol in den iiad>gelassc»cu Schriften svlgendc wahre Geschichte, die ihm Voltaire, der literarisdie Freund Friedrichs des Großen, in einer vertranten Stunde mit geteilt hatte: Als der nachmalige berühmte Preußenkönig noch ein Ziind war, hielten ihm seine Eltern einen kleinen Husaren, der alle Vergehungen und Ungezogenheiten d«zs jungen Prinzen ans sich nehmen mußte. Von Zeit zu Zeit bedachten die Eltern den kleinen Husaren in Anwesenheit des Thronfolgers mit einer kräftigen Standpauke und liegen ihn für die Verfchlüiigcn des fiivftltdjcit Mitobcn vor dem ganzen Hofstaat gehörig verprügeln. Heute, so schließt Voltaire seinen Bericht, ist cs nicht viel besser. Fritz macht immer nod) mancherlei Tummheiten und mich macht man dafür verantwortlich. Es scheint, als ob diese allprcnßischc Pädagogik in unseren Tagen wieder nett anslebcn wollte. Gerade die .Streife in unserem Land, die sich mit besonderem Stolz ans den alten Fritz, als den angeblichen Schutzpatron ihrer überspitzt itationalistisd>en Gesin »n»g berufen, würden jids gerne einen solchen kleinen Husaren ans Lebenszeit halten, tun ihm alle Schuld an der heutigen Staatskrije aufzubürden. Der kleine Husar unserer Zeit, das soll der Hude sein. Er ist an allem schuld. Er hat den .strieg angezettelt, weil er »riegsgewiunler werden wollte; er hqt den Frieden gemacht, weil er selbstverständliches Mitglied der internationalen Pazisisleugesellschaft ist. Er ist der Aasgeier unserer Zeit, in dessen kapitalistischen.Strailen das arme Proletariat verblutet. Er hat den Bolschewismus in die Welt bracht, der ja mir ein mißratenes Mittb des jüdischen Marxismus ist. Es gibt keine Krankheit am deutschen Volkskorper, die nicht durch Juden hcrvorgcrnfen sein soll! Selbstverständlich soll der kleine, geduldige Hufur nun auch nod> dem Muster der vorfrederizianischeu Pädagogik bestraft werden. Mau wird in den kommenden Wochen in den vielen Wahlversammlungen, die dem kl. September vorausgchcn werden, den Juden an den Pranger stellen, ihn in einer Weise beschimpfen und verhöhne», wie es in den wildesten Stöcker Zeiten nicht sdilimmcr geschehen sein kann. Mau möd)te den kleinen Husaren aber nicht nur zum Schimpfen haben, man mochte auch sonst noch sein Blütchen an ihm kühlen. Zu was ist schließlich ein saldier Prügelknabe da? Aus Berlin wird berichtet, daß jüdische Passanten in den letzten Wochen bei hellem Tage in den belebtesten Straßen der Stadt tätlich belästigt und angegriffen wurden. Es ist uns be kaunt, das; mehrere jüdisdie Mitbürger, die int Sauerland Erholung suchten, in der nuflätigsten Art und Weise von antise »litisdieu Rowdys angepobelt wurden. Und was das Ungeheuer lichsle ist: ein jüdisdier Jugendbund ans Essen, der aus seiner Wanderung sein Lager in der Nähe von Pyrmont aufgcsdilage» hatte, mußte pvli;eilid>en Sd»ttz anfordern, um die Gefahr ab zuweudeu, daß seine zwölf bis zwanzigjährigen Mitglieder von hinein antisemitisd)en Stoßtrupp überraunt und verhauen wurde». Sv sieht cs im heutigen Tcntsd)land aus. Muß der Heilte Husar, nein, darf der kleine Husar sid) eine svldte, allen mvralisd)c» tt»d staatsbürgerlidien Rediten hohnsprechende Behandlung gefallen lassen? Es gibt eiste Einstellung, die da sagt: gegen solche Verhetzung anzukämpfe», steht unter unserer Wurde. Tie so denke», sind nicht immer »nr die Indifferenten. Es gibt eine solche Haltung and) ans Stärke. In einem unserer Gebete heißt es: „Tcnen, die mir slnd>en, sdyveige meine Seele"., Es ist dies eine Zurückhaltung, die aus dem Glauben stammt, die der Ueberzengnng lebt, daß alles Unrecht ans Erden sid> von selbst rächt. „Tie sich demütigen lassen, und nicht wieder demütige», ihre Sdmtühnng mitanhörc» und uid>ts erwidern, die die Leiden lieben und alles ans Liebe tun" , von deizen gilt das Sd>ristwort: „Tie thnAieben, sind wie die Sonne, wenn sie hcrvvrtritt in ihrer .Straft"'-- sagt der vielgclästerte Talmud. Es gibt aber and, Zeiten, da man ans seiner selbst glau benserfüllten Reserve herausgehen muß. „Zeit ist'», zu Handel» für den Herr»," ruft der Sänger des l >!>. Psalms, „denn sie zer nichlcn deine Lehre." Tic Zeit zum Wirken für die Sache der Wahrheit und des Rechts, sie ist jetzt da. I» diesem .Stampf darf sid> keiner selbst ausschalten. Ten» es geht bei der bcvorftehcn > den Entscheidung nicht nur um jüdische Belange: es geht letztem Endes dabei um die Sicherung des .stultnrfortjchritts und der sreihcitlid)en Errungenschaften unserer Zeit. Nachrichten. 23runo Uleil von Nationalsozialisten schwer bedroht. Berlin. i,\. J.ii Tie Tenisdie Slaalspnrlei hielt am Freitag, den .">. September, abends,' in den Berolina Festsale» in der Schönhauser Allee eine Walilbersammlung ab. die außer ordeutlid) stark besud» war. Sroh der Anwesenheit zahlreidier Nationalsozialisten im Saale, die larinende Zwisdienruse, lujo» ders wahrend der :>iede des .Kandidaten der Staatspartei, Tr. Bruno Weil, maditen, konnte die.Verjamiulnng gut zu Ende ge krihrt werden. Tie Polizei mußte aber mehrere Natioualjozia liste» ans deiit Saale eutsernen, darunter einige, die mit dem Messer in der Hand Trohungen ausstießen. Als dann Tr. Bruno Weil nad> Sdilnß'der Versammlung den Saal verließ, wurde er von Nationalsozialisten umringt, die antisemitisdie :>inse aus stießen. Tr. Weil wollte die Ruse» jeststellen. aber da wurde er and) jdio» personlid) attadieri. Er wars einen der Angreiser an die Wand, aber da wurde' die Situation sur ihn bedrohlich, in dem nun die ganze Srnppe aus ihn eindtaug und ihn direkt am Leben bedrohte. Fm lebten Augeublick eilte Sdmbpolizei herbei und besreite Tr. W^eil ans seiner gesahrlidten Lage. Professor Simon Dubnow 70 Satire. Berlin. «I. S.A.s Am -1 September vollendet P roses) or Simon Tnbnow, der repräsentative jitdilMd Historiker dm «gegen wart, sein 7». Lebensjahr. Tubuows Hauptwerk ist die zehn bändige „Weltgesdtidite des jiidijdien Volkes" «Jndiidie» Verlag Berlin), die ein Standardwerk moderner judiidier Gesdiiditss»» sdiring und sdireibiing ist und ans dem rnjjischen Original ins Teut>d>e, -Hebraisdie', Jiddische, Englijdie »»d in mehrere andere Spradic» itberseht worden, ist. Er hat aber and> veridiiedene «ge biete der jiidijdien Gesdiiditstvisjensdiast in Sonder Mouogra phie» behandelt. Simon Tnbnow der eine bedeutende Lehr tatigkeit an den von Baron «gimzbnrg in Petersburg einge richteten -Sturseu für jüdisdie Wissensd,ast entfaltete. Mitbcgrüu der der „Jndijdi Historijdi Ethnograplnidien igejellsdrast" und :>ie dakteur der Vierteljahressdirist „Jewreijkaja Starina" gewesen war, lebt seit einer Reihe von Jahren in Berlin, wo er »d> in lenjiv seiner Lebeusarluit widmet. Nadi Vollendung seines gro ße» igeichidnswerkes „Weltgejdiidite des jüdisdie» Volkes" ging er an die Absassuug einer zweibändigen Geschichte des Eliasjidis mns Hera». Audi harren des Gelehrten weitere Ausgabe» uno man hat den Eindruck, das; er »ocki lange nick» daran denkt, jicki zur Ruhe zu setze». Tie jüdisdie wissenjchastliche Welt »nd weite jüdische »reise in Berlin, in Tst und Westeuropa und in Ame rila rüstet zur Feier des 7». Geburtstages des still »nd znrnck gezogen arbeitende» igelehrte». Die Wahl Zürst Starhembergs zum tzeimwehrbundesführer und die österreichische ^uöenschaft. W i e». «J.S.A) In jndisckien »reise» sieht »>a» mit w.rckisender Sorge den Folgen der Eanennnng Fnrsl Starhembergs zni» einzige» Buudessuhrer de» osterreidiijdieri Heimwelire» egt gegen. Insbesondere sind jene jndisdien igrnppe» bennrnh'igt, weldie bisher der Heimwehrbewegnng nahestanden. Tcks „Nene Wiener Journal", ei» 'Blatt, weldtes,. obwolil es in fndijdie» »reisen stark gelesen wird, eine ausgejproilien heimwehrsrennd liche Haltung eingenoinmen hat. .wart» die Heimwelire» vor dem Einschläge» eines' sdiarse» antisemitisdien »nises, da ein solckier »urs den Z.ersall der.Heimwehren und damit der anii»>a»risl«jd>en Einheitstront zur Folge habe» mnszie Tie Verwirklichnng der .Heimwehrziele sei unuioglicki ohne Miiwirkuug der staatstrenen Jcnde». Ter Herausgeber des „Wiener Jonrnal". Lippowitz, ein gelauster Jude, forderte Fiirit Starhemberg telegraphjjck, ans, den 'Antiiemiiisiuns oüentlicli abzusduvöien und die Bersidiernng abzugebeu, das; er die igleidibereckitigung staatsirener Inden überall, amt> in der Heimwehr, anerkennen wurde. Fürst Starhemberg hat dieses Selegr.rmm nick» beantwortet. flllweltlichcr Kongreß für das arbeitende Palästina. Ter Allwelilidie »oiigrej; sur das arbeitende Palästina sin det nunmehr vom L7. September bis :!n September >'.):!)) in Berlin stau. Fm» «gaste wird eine beick»a»k:e Anzahl Perniaueuz karte» zum Preise vo,i. '< Blark heransgegeben werden. Tiefe 5is m«ln« Schaufensier«Angebote Qualitätsmöbel zu auffallend niedrigen Preisen Möbelhaus Franz Jürgens An den Häfen 72-74

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