Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 15 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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\ das Zürforgewerk ües ßilfsvereins -er deutschen Zuüen. Ter Hilfsvcrciii der deutschen Juden, der seit 1901 die sittliche, iicifliflc und wirtschaftliche Hebung besonders der Inden im östliche». Europa und in Asien erstrebt und im vergangenen Jahre eine reiche Werbearbeit im ganzcn Reiche entfaltete, veröffentlicht jetzt seinen Jahresbericht für das Jahr In dicsci». durch rnc Reihe von Bildern illustrierten Jahresbericht wird die jüdische Emigration geschildert, fotöie das Hilfswerk für Rmänicn, Bcssarabirn, Litauen, Polen. Türkei, Palästina und der Ukraine erörtert. Tas Hest enthält weiter Schilderungen über das Hilfswerk für die jüdischen Studenten und UkrainewaUcn-Hilfswerk. Uebcr die Aufwendungen des Hilfsvereins für das Jahr 1929 erfahren wir aus dem Rechnungsabschluß sür das Jahr 1929, daß im Jahre 1929 rund 300 000 Mark für die verschiedenen Hilfswerkr, studcntrnnnlrrstützttngcn, Sluswandercrsürsorge usw., verausgabt wurde», wovon allein rund 108 000 Mark auf die Auswandererfürsorgc entfallen. In dem Heft wird auch die Ansprache wiedergcgcbcn, die Herr Tr. Ernst Jeder auf der Jahresversammlung des Hilfsvercins am 30. Mär; 1930 über „Politik und Humanität" gehalten hat und die mit folgenden, den Hilfsvcrcin charakterisieren, de» Worten schließt: „Tiefer große Verein, der in einem Umfange wie keine andcrc deutsche humanitäre Organisation Menschenhilfe geleistet, der in den Jahren vor dem Kriege Hpnderttauscnde von Auswanderern durch Teutschland geführt, der in Palästina den riesengroßen Organismus geschasfen hat, er hat damit nicht nur ein großes humanitäres Werk geleistet, sondern zugleich ein großes politische» Werk. Gerade vor einem Jahre hat Max Marburg auf die besondere Bedeutung hingewiesen, die die Wcltverbundenhcit unserer Zeit, die unsere Zeit von allen anderen Epochen der Menschheitsgeschichte unterscheidet, wir ans alle politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, so auch ans alle charitativen Leistungen ausübt. so ist auch die Hilfsarbeit, die der Berein leistet, in den Länder» des Ostens, wein; sie auch nicht politischen Motiven entspringt, sondern den Motiven der Menschcnhilse und der Men- * schcnliebe, ci» politisch eminent wichtiges, eminent bedeutungsvolles und darum ci» ebenso deutsches wie jüdisches Werk. Es ist ein dauernder Ruhmestitel des Hilfsvereins, daß er. geleitet von klugen, voransschenden, gütigen Männern, der zweckmäßig organisierten Humaiiität geschaffen »nd zu einem großen Teil verwirklicht hat. das Zrauenbaü sMikwa). Von Rabbiner M. I i n d l i n g Elbrrjrld. Es gibt wohl kaum eine Instilntio» im Judentum, die eine derartige Bedeutung sür das Ehelebrn und darüber hinaus jüi das lüdijchc Gcsamtlcbe» besitzt, wie die Mikwa. Tie Thora zahlt eine ganze Reihe von Est'boien ans, i» denen der Mensch nach gewissen Handlungen als „unrein" bezeichnet wird. Erst nach der Benntznng der Mikwa wurde er dann wieder „tohaur^rein" und durfte in die Menschengemeinschaft eintrctc». t!M» auf zwei Gesetze habe» diese Reinheiisgcsetze nach der ,r siörnng des Tempels ihre Gültigkeit verloren. Tas eine heute noch bestehende Gebot ist das „Riddagesetz" tReinheiisgesrtzl, das das Ehelebcn zwischen Mann und Iran re ,gell. Zu gewissen Zeilen ist der Ehevcrlehr verboten und erst wieder gestaltet, nachdem die Iran die Mikwa besucht Hai. In früheren Zeiten wurde dieses Gesetz tiberall sehr streng eingehallc», das beweise» die vielen alterlii nlichen Iranenbader in süd und Westdeutschland. Tas berühmteste ist ivohl das alte Bad in Worms. Es ist im ll. Iahihundrrt erbaut und besitzt einen srühromanijchen slil. Ungeie.hr 10 Meter tier „nie, der Oberfläche befindet sich hente noch die Quelle, dessen Wasser einen Wärmegrad von s Grad besitzt. Ein Gcwölbegang fuhrt uns ans 11 -stufe» hinab zur Quelle. Als Mikwawasjer verwendet man nur Quell oder Regenwasser. Auch in anderen Stadien befinden sich Tauchbäder, die Tenk aialcr frühromanischer Kunst sind, wie in Iriedberg tHeskenv und in Andernach (siehe Bädccker). Ter sinn dieses Reinheilsgesetzes liegt vor allem im Erziehe rischen. Heiligt Euch! siel» zur Einleitung dieses tstesetzes. sogar das Tierische in uns sollen wir heiligen. Indem der Eheverkehr an bestimmte religiöse Handlnngen gebunden ist, tvitd er ans dem tierisch Triebhaften heiausgenmnmen »nd zu einer religiös sittliche n. zu einer g o I I a e >v o l 1 t e n ''' tnd''k"a gestempelt. Heiligt Euch! Nur dadurch konnte das Idealbild der jüdischen Iran, der „Ischo Znio" entstehen. Tarüber hinaus können wir einen inneren Znsammenliang zvischen den göttlichen Geboten und der menschlichen Rann 'eit stellen: ' tstreiien wir wiederum zum Einleiiungswori „Heil'gt Eng," zürnst. Heilig z» sein, ist aber im Indenium kein tmtstiicher Be griff, keine sture, die der einzelne Menist, nicht erreichen lau». Bor der Erfnllniig der göttlichen Gebote ipresticm ivii ans „Gelobt seist Tn Ewiger. der uns geheiligt Hai, durch seine Gebote". 'Rach der Ansicht unterer Blttioiovben bedeniei diese- ..Heiligtein" die Anerkennng. daß „olotl. der unieren Körper und aitiere seele erichaffe» Hai, uns dnrstt teilte tRboie auch den rtch ligen 'Weg gezeigt Hai. den Ion wandeln tollen, den. BR'g, der ui, 'i'U’tn ganzen 'Wesen, »nietet geistige» und leiblichen R a t n r angemettett ist und der »ns ansti zu »iiierein bostmen Ziel inbri. zu irr Seelenheil, zur sittlichen Bollkoinmenlteil" -Aldo in Ikaritn.t csterade beim Riddagesetz zeig! itstt der innere Z.ntamtnetibang zivisstten den göttliche» Gesetzen uitd der menschlichrn Ratnr T is judtiche Boll zeichnet iistt durch die Restibeit de.- Iamt. lienlebetis aus. Tiefe ist-in ilirem toetetnl:st'eti «strunde ans Sa. Reitilteiisresetz.znriistztistil'ten. .Turstt die schranken, die zeitweilig .rntgertsttiei werden, wird die innere Anb.-ngltstste:: ztviistteu Sen Eberatlen dauernd erhalten. Taraus eniipring: die eltelistie Irene und d.rtui! die Reinheit des Iamilteitlebens Ter Talmud 'Ridda ">Iat bringt hiernber iolgendes ..Elehrte Rabbi Meir: 'Wirnm bat die Tbora befohlen daß die Ridda 7 Tage unrein sein soll, nwil eine ^asttr. deren sich der Rlensch d.rnernd bedient, ihm schließlich nberdrusttg tvtrd: darnm >arte die Tltora, daß die Elteiran dem <9>riien 7 Tage »nreiti teilt soll, damit er iie innigst liebt, wie am Tage.- da er sie iinier die Eltnpo führte". Tiefe Tatsache ist eine Eristteiniiitg, die in der nieniili listteti Rantr begründet ist Renere Ioricher haben die Bedeutung der 'Ridda und Btitn-u Vorschriften vom sozial hngienischen Standpunkt ans beleuchte' s e erkennen in ihnen eine der tvetentlistn'ten Ursachen in, die Er li.ilturnt und die Bor tilge der jndischen Rasse Ganz abaeiebei: von ihrer religiös eiltischeti seile habe» diet'e o-'-eietze dazu beige tragen, daß das jüdische Volk trotz der llngnnsi der äußeren 'Bei h. Intim' in seinem innersten Kern geinnd, lebenstianig nnd sinstii brr geblieben ist. Anstr die ganz nngetoohnlistien ..Alkliinationsdhigkeilen der Juden", die oit beobachtete Innnnnitat gegen ge wisse .Krankheiten, snltren sie zu in Teil ans das Reinlreitsaeten ztirück. iRossig: Tie soziallntgiene der Inden > ^lim Siegfric- Magners. Berlin. (ITA.l Ter Indischen Telearaphen Ageulnr wird geschrieben: „Siegfried Wagner, der sonn seines großen Vaters Richard, ist mitten in den Bavrenther Icstspielen, die in diesem Jahr zum ersten Mal nach dem Kriege besonders glanzvoll verliefen, gestorben. Tie in Baurentb iin Irbre 1921 veranstal teten Iestspiele halten ganz unter nalioiialisiischeni Einslnß ge. standen und dadurch de» Protest insbesondere jüdischer Kreise Tentschlands hervorgernfen. Tiegsried BtRrgner hat dann nach langen Verhandlungen im Iebrnar 192.1 in einem an Tr. Bruno Weil gerichteten Briese seine völlige Vorurteilslosigkeit-unter strichelt und erklärt, daß jeder, welchen Glaubens und welcher Abstammung er auch sei, in Baureuth willkvinmen sein wcrkze Er versprach damals, dafür zu sorgen, das; die Iestspiele von jedem parteipolitischen Einfluß gelöst würden. Tiefes Berspre streit Hai er auch gehalten und sich persönlich durch die ganzen Jahre hindurch bemüht, in versöhnlichem und vorurteilslosem sinne zu wirken. Tie in der amerikani'chcn Presse gegen Bart renilt periodisch ansianchenden 'Angriffe haben sttn immer erneu: zu lebhaften 'Protesten, insbesondere gegenüber seinem Irennde Tr. Weil) veranlaßt. Tie Tarstellungen der amerikaniistten Presse waren berechtigt, soweit es sich mn die s lad: Baut einI> selbst handelt, in der die Rationaliozialisten unter Hitler einen große» Einfluß getvonüctr haben Aus dem Iestspielltatis selbst hat man in diesem Jahre, nm dem 'Widerstreit der Meinungen zivisstten der alten und der repnblikanischen deutschen Jahne zu entgehen, eine eigene für das Hans Wagner geschaffene Hausslagge ant'gezogen Einer seiner letzten Briete an Tr. Weil ist eine betveglistte Klage darüber gewesen, daß in der Londoner „Iewistt Eltroniclr" er al» Hitleriancr dargesiellt wurde. Hoffentlich werden sich seine Erben nach dem so frühen Heimgang Siegfried Wrgners bemühen, die Iestspiele im sinne der 'konfessionellen Voriirteilslosigkei: 'weiter;>t führen und Ba»re»:lt damit seine alte 'Anzirltnngskrafi ans die zablrcistten Zuhörer ans allen Länder», die gewohnt und, zu den Iest'pielen zu pilgern, erhallen." Ein wichtiger Schritt üer 6erlinerjü-ischenSemein-e . Angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden hat der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, den Versuch zu unternehmen, eine einheitliche Ironi der A b w e h r b e w c g u n g des deutschen Judentums zu schassen. Zu diesem Zweck hat der Gemeindevorstand eine Konsercnz einbernsrn, zu welcher di« Zrntralvorständr des Ecntralvercins deutscher Ltaatobiirger jüdischen Glaubens und der Zionistischen Vereinigung für Teutschland gebeten wurden, Vrrtrrter zu ent senden. Ans der Konferenz soll der Versuch gemacht werden, alle Kräfte des deutschen Judentums für den Kamps gegen die antisrmitischr Hochflut zusammen,»sassc».