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Jüdisches Gemeindeblatt · 1930-02-15 · 3 (15.2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1930)
Issue
3 (15.2.1930)
Date
1930-02-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG DDCI^ICI^ Verantwortlich für den lokalen Teilt M. Markreich Das Jtidische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt Nadtdrudi nur mll Quellenangabe und mit Genehmigung de» Verfallen geitatfet Verlaaasord Haaesel Nr. 3 Bremen, den 15. Februar 1930 2. Jahrgang Die Sreslauer Tagung der Vereinigung für das liberale Judentum. Tic diesjährige Hauptversammlung der Bereinigung für das liberale Judentum wurde am Sonnabend, den 1. Februar 10Ä>, nachmittags um 5 ,Uhr von ihrem Vorsitzenden Rechtsanwalt Heinrich slern-Berltn im Zaal der Spinozaloge in Breslau eröffnet. Unter den etwa 130 Tclcgierten bemerkte man u. a. Rabbi Mattuck und The Houorouble Lady Montayue aus London. aus Teutschland die Rabbiner Bogelftein, scligmann, Norden, Lazarus, Lehmann und Galliner, Rechtsanwalt (beiger Frankfurt a. M., Direktor Ostberg, Vertreter des Breslauer Gemeindevorstandes, Vertreter der Flis, Frau Paula Ollendors, Frau Bianca Hamburger u. a. Ter Vorsitzende erltattetc in einer geschäftlichen Sitzung einen ausführlichen Bericht über die politische Tätigkeit der Vereinigung, daran schlaf; sich ein Referat des Generalsekretärs Goctz ' über die organisatorischen' insbesondere die finanzielle» Fragen. Rach Erledigung der zur Entlastung des Vorstandes erforderlichen Formalitäten wurde in lebhafter Aussprache über Richtung und Viele der Bereinigung diskutiert. Ter Vorstand ist einstimmig wicdcrgcwählt worden. Eine Reihe von Persönlichkeiten, u. a. Bergholl-Tanzig, Tr. Walter Blanck-Röln, Tr. Vcrlak-Berlin wurden in den Vorstand neu gewählt. Am sonntag vormittag fand eine öfscntliche Versammlung statt. Rach Begrüßungen durch den Vorsitzenden der Vereinigung, des liberalen Rabbincrvcrbandes, der Arbeitsgemeinschaft der Flis, verschiedener Organisationen Breslaus, voran der Gemeinde Breslau, hielt Rabbiner Tr. scligmann (Frankfurt a. M.) ein Referat über „Tas Judentum als Wcltreligion". F» säst eincinhalbstündiger Rede führte er aus, daß das Fudentum schon von de» ersten Anfängen au neben den auf seine stammesgemeinschaft beschränkten Satzungen Tendenzen universalistischer Art gekannt hat. Bei de» Propheten, dann besonders in der sogenannten Wcisheitslitcratur sei dieser universalistische Zug besonders ansgebildet worden, so war es möglich, daß das Judentum i» de» letzten vorchristlichen Fahrhunderten eine ausgedehnte Bckchrungstätigkeit entfaltete, die von dem Prosclytcu nur die Uebernahme der sittlichen Verpflichtungen des Fudeutn.ns, nicht seiner rituellen Vorschriften verlangte. Aus den Bckeh rungsbüchern des Judentums hat wenige Jahrhunderte später das allmählich erstarkende Ehristcntum seine Missivnstätigkcit auf gebaut. Tic Fortentwicklung der universalistischen Tendenzen, wie sic sich in den im talmudischen Schrifttum entwickelten Begriffen des Roachiden, der „Firc Haschem" findet, hat in der realen Welt keine Verwirklichung finden können. Tas paulinischc Ehrislentnm hat die Bekehrnngstätigkeit des Fudentums unmöglich gemacht, indem cs mit den Mitteln der staatlichen Macht des römischen Kaisertums das Fudentum so weit wie nur möglich z» unterdrücken suchte. Trotz dieser bald 2000 Fahre währenden Verfolgungen hat sich das Fudeiitum erhalte» und den Anspruch ans Weltgeltung nicht aiifgegcben. Tie revolutionären Bcivrgnngen innerhalb des Ehristentums stellen im tiefsten Grunde eine Rückkehr znm Fuddntum dar. Wenn mancher der heutigen Jude» sagt, daß die gebildete Welt die sittliche» Forderungen des Fndentums min destcns theoretisch angenommen habe und deshalb das sonderdasein des Fuden in Frage gestellt sei, so sei diese Frage nach dem Warum des Fudeseins aü»e verfehlte, so wie man den Baum nicht danach fragen könne, „warum bist d» Baum?", so könne man nicht fragen „warum bi» ich Fudc?", da es sich hier um eine einfache durch die Geschichte erhärtete Tatsache handelet Djc Tagung -es L'vrllan-es -cs U)eltvcrblin-s -er T)ercininung für liberales Tu-cntum. Berlin. (FTAF lieber die Tagung des Vorstandes des liberalen Weltverbandes wird der FTA.das folgende Roin.n» niquv übergeben: Ter Geschästsführende Vorstand des Wellverbandes für libe rales Fudentum hielt am W. und 20. Fanuar in Berlin und am 31. Fanuar in Breslau seine diesjährige Tagung ab. An wesend waren Rabbiner Mättuck und die ehrenamtliche l^e schäflsführerin Lil» H. Moniague, Rabbiner Perl zweig London, Rechtsanwalt Heinrich stern, Professor Eldogen, Direktor Tr. sllcemänn, Rabbiner Tr. Lehmann «Berlins Rabbiner Tr. selig mann «Frankfnrl a. M.i, Frau Paula Ollendorj und Rabbiner Vogelstein «Breslaus. , Tas Protokoll der Berliner Tagung des Wellverbandes liegt gedruckt vor und ist durch die liberale» O rganisalioueu der ein zelneu Länder erhältlich. Für die bevorstehende Tagung in London vom I!> bis 21. Fuli d. F. wird als Thema gestellt: „Liberales Fudentum und'das Tenken der Gegenwart." Tie Erörterung des Themas, das nach drei Gesichtspunkten, I. der «^oltesgedankes 2. das ttzebet, I (jfn ÜfiUfrfr Swu* | MoLtkissy fontnttut, wv ««nt I firnn 401HtfinH' N» {wenn, I a f* 5 I I ■ vtfbueMßM | ä/Hif», | persönliche Fröinmigkeit, behandelt werde«« soll, Ivird die Be ziehung zu den Ergebnissen der Rainr und Geisieswissenschafteu berücksichtigen. Tie Vorträge sind von Vertretern der verschiedenen Länder «Amerika, Teutschland, Englands j,ber«io»ime». Tie praktische Vcrwirklichnng der leitenden Gedanke» soll in eingehender Tis kussion «round table discnssioni erörtert iverden. Fn Verbindung mit der Tagung finden össenilichr Versa«»»« luiigen statt, i» denen «belehrte und Tebristsieller von Welirus über die Stellung des liberale» Fndentums und die geistige Lage der Fuden in der heutige» Well spreche» iverden. An die Tagung des Wellverbandes in London' wird si«tz eine besondere Tagung der Fugend und eine Tagung der Frauen an schließe». 1 1 Fnsvlge des Berichtes der Geschästssuhrerin Miß Lily Mo» tague wird beschlossen, dem von Südafrika und 'Australien aus geiprochcnen^ Verlangen nach Organisiernng von liberalen <>se »ikinde». und Vereinigungen zu entsprechen. Ter gleiche Beschluß wird bezüglich Polens gefaßt. Tie Beziehung;n liberalen Per sönlichkeiten und Vercinigungen in anderen Ländern «Holland, Tschechoslowakei, Oesterreich nsw.» iverden an der Hand der Be richte erörtert. Osteuropa beiressend iverden die besonderen Schwierigkeiten erörtert, die durch die Richtübereinsiinnnnng der staatlichen mit der jüdischen «Gesetzgebung auf dem «Gebiete des Eliereckns eutstehen. Tie 'Angelegenheit soll an« die Tagesord' nung der Londoner Ronserenz gesetzt iverden.

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