Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 14 (15.10.1929)
- Date
- 1929-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBIATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES OROAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt Nadidrudt nur mit OuBlltningab« und mit Genehmigung des Verfeuert geitettet Verlagsort Kassel BREMEN Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich Nr. 14 Bremen, den 15. Oktober 1919 1. Jahrgang Eine Betrachtung zum Sukkoth-Zeft. Nur dir Unlciuitiii* dcr jüdische» Ecschichtc und der jüdische» Psychologie verinvchlc zu behaupten, die Zudcn könnte» nur weinen und nicht lache». Die können, wie jedes Pulk mit gesun dem Eefühlslcbe», nicht nur Dchmcr;, sondern auch Zrcndc einp sindc» und änfzern. Die können lache» n»d weinen, »der — wir sic lachen und weinen, darin zeigt sich ihr spezifischer Polks charakicr. Za, jüdische Freuden sind anders, weil die jüdische Dcclc. das jüdiichc Ecmüt anders ist. Denn wahre jüdische irrende ist Dcelc » frc » dc und sie hängt irgendwie mit dcr Religion zusammen, sic ist, bcwnszt oder »»bewnfzl, Z r c » d e iii^Wott. ° Cs ist ((in Zufall, dag dcr stanze Reichtum des jüdischen (Gemüts sich an den ireirrtagcn cntsaltete. -ln diesen Tagen laste sich die Deele van allem schweren, das sie abwärts zag. sie wurde freier, erhielt mehr Dchwnng, kehrte zu ihrem Urquell znrülk. Wir wissen, dag der Dimchas Thora, der srendigsle Tag des Wahres, eine relativ »cnc Dchöpsnng ist und wähl mit dem nicht sehr alten jährlichen -Zyklus dcr Tharavarlcsung zusammcnhängt, ihm wähl auch den Namen entlehnt, »'un biblischen -Zeitalter war dcr Ehag Haassiv, das Erntesest, vcrbnndc» mit der geschichtlichen Erinnerung des Durchzuges durch die Wüste, Ehag Hassnkkot, die Duelle aller natürlichen und ramantische» irrenden. Wie fast an jedem ircstc vereinigte sich die irrende a» dcr Natur, am Legen Evttcs, mit geschichtliche» Erinnerungen -zn einem wahre» Polks fest, z» einem jubeln und jauchzen des Herzens. Dazu kam die herzliche ^Zcrmvnic im Nalianalheiliglnm, die Bereinigung des ganzen Bolkcs ans dem Berg -Zion, die dem ireste eine besondere Prägung gaben. Pan Thvrafrcudcn aber war da ivcnig;n merke». Das kam erst sp. rer, als die Thora das Land, de» Dtaat, die .Unltur, ja das ganze Innenleben ersehen mnfzie. Da erst stattete man den hinzngekommenen nennten Tag. den irestesschlng, mit religiösen Werten aus und der Tag wurde zu einer Perherr lichnng dcr Thora, des höchste» Besihes, zu einer gewaltigen Apo thcojc dcr Eottcslchrc. z Das war ungrmci» charakteristisch für den Weg der Perinner lichnng und der ethischen Pertiesnng, den das Zudentnm im t^aluth cinschlng. Die jüdische Deele wurde mit der Religion verschmolzen, das ganze jüdische Lebe» bekam eine religiöse En stall. Man konnte sich in dieser langen Epoche des Leidens eine irrende nur in religiöser Zorni denken, denn das ganze ('h-iiiiii war religiös nationale DehnsnctU. Und das hat sich i» de» langen Jahrhunderten nicht viel geändert: der Zude suchte und sand sein höchstes Elück in seiiter ewigen, göttliche» Multiir. Damit hängt auch ein zweiter charakteristischer -Zug der jn dischen Deele zusammen: die irrende in der Er me in s ch a f I. Es gibt keine wahre irrende siir de» Znden, an der nicht die Ecmeinschast in irgend einer irorm leilnimmt. D-r Zndc lebt das Leben seiner Ecmeinjchasl in sich und alles Pin chischc trägt eine» gcmrittschaftlichen Eharakier. Der Znde in individuell, aber dieses Individuelle ist nnr eine andere Em>- »alion des Polksempsindens. Der Mittelpunkt seines Znne,- lebens ist die «Gemeinde, die Ersab für Polk zn sein bernsen ist Leine irrende ist irrende der EeMeinschait, sein Leid ist Leid der (Gesamtheit. Die irädrn sind manchmal un-^-tbarl aber sie sind vorhanden. Die jüdische (Gemeinde ist keine »irchengemeinschan. Die vcrblaszt und verliert jede Eigenart, wenn man sie gemalt sam dazu macht. Die ist ihrer inneren Bestimmung nach M i i lelpu »kt alle s D c r l r n l c b c n s. Die Dynagoge isl kein bloszcs Pethaus, sie ist, wie ihr hebräischer Name 'Bei Haknessei und die griechische Ueberjehnng Dynagoge klar ansdrücki, ein Dammclhans, ein ,-keniralpnnki der Neligion und des in ihr wurzelnden Polksgemüts. Zn der Dynagoge ist die jüdiäle Dcelc nicht z» Besuch, sondern hier ist ihre wahre Hrimsti r:e. die lehtc Zuflucht des inneren Eemeinschaftscinpsinden». Daher die merkwürdige Erscheinung, das; die höchste irrende des irrea dcnfestc's sich in der Dynagoge abspielt. Hier jubelt die j»dii ';t Declc in der Eemcinschasl mit dem Bolle, in der Eemcinschait mit Eott. Ein anderer, nicht minder bezeichnender -Zug der indischen irrendcsänszcrung ist die Z r e n d c, nicht a l S ('( e s ch e » k. sondern als etwas E r k a »i p s l e s , als harmonischer, versöhnender -lbschlnfz des vvrangcgangenen Leides. . Der Zude »ins! sich älles erkämpfen, und auch seine irrende ist das Ende eines Drclcnprozcsscs. Die irrende ist hier die Ueberwindnng etwas Dchwercs, das Dichdurchringen zur Lebensbcjahnng. Das Dnkkothscst, die .„-Zeit unserer irrenden" folgt ans die „gewaltigen Tage", ans die Bnszctagc mit ihrem schweren Ningen nach Deelen reinigung, nach Läntcrung und Einkehr. . Erst wenn man den schweren Weg der Bnsze gegangen in. gelangt man znm Eennsz. darf, man sich mit ganzem Herze» freuen und die ganze Poesie des Dnkkoth in sich anfnchmcn. Und vor den srendige» Lchlns; tagen des irrstes wird noch einmal ei» Bnsziag. der Hosianna Nabba, eingeschaltet, an dem noch die legien Töne des Peiioli aiungstages ausklingen. Dan» erst darf die jüdische Deele slei jubeln und sich zur höchsten irrende erheben. Wie dcr Zndc stets in der Pergangenheit und in der ,'Zn knnft lebt, alles Pergangcnr in (Gegenwärtiges durch Erinnerung, alles (Gegenwärtige in Znknnft durch Hossnnng wandelt, so ist auch seine irrende e i n r M i s ch n n g v o n Be r g a n g e n heit und -Zukunft, an der die Eegenwarl nnr die Mittlerin in Erinnerung und Hossnnng, Eeschichte und Natur, Pergangenheit und Zuknnstsschnsncht, Persönliches und (^emeinschastliches sind hier zu einer seltenen Harmonie verschmolzen. Diese starke Le bcnsbcjahnng, dieses Leben und Leiden mn dem Betvnsztjein. Träger einer grofze» Zdce zn sein, >var die -Duelle unserer »rast und sic soll »ns erhalten bleiben. Wir wollen uns mit »»seren Pater» und unseren .(iindenn freuen ^nnd nie den Elanben an uns, an unser Lebensziel anjgebe». Das i ii der D i n n j ii d i s ch e r ir r c u d e n. irabins D A) a cli Berlin die Zeiertage bei üen ^uüen Neuporks. Bon Regina Sl » r r b a ch. Die lebten statistischen Ermittlungen ergaben die stattliche Ziffer von;>vei Millionen Znden in Nenyork. Durch tyc grofze eZahl der Znden in Nenyork becinslnszl das Nenjahrssrst stark das geschäftliche Leben dieser Metropole, -lnch änszerlich niacht sich eine feiertägliche Dlillc bemerkbar. Zahlreiche (Geschäfte habe» ihre Pforten geschlossen. Biele Fabriken und Betriebe, deren -lngcstclltc und 'Arbeiter znm gröfzten Teil Znden sind, haben ihre Unternehmen für die jüdischen Zeiertagc stillgelcgl. Manche Dtadtviertcl, in denen hauptsächlich Znden wohnen, machen den Eindruck vollkomnicner Rnhc, wie bei uns an DtaatSfeiertagen Dieses Bild ändert sich, wen» man zn de» Dtälten gelangt, i» denen die Znden ihze Andacht Hallen. Die Zahl der Aisdächtigrn könne» auch die zweihundert Dy»a gogcn von Nenyork nicht fassen. Um dem dringenden Bedürfnis nach AndachtSstätten enlgegenznkommen, mieten die Porst-Her der Hanptgeinrinde Hallen, Däle, Theater, ja sogar Lädeii. in denen AndachtciLabgchallen werden. Die Ednational Alliance hat sieben Aushilsssynagogcn im Dstcn der Dtadt eingerichtet. - Zn dein riesigen Zacob Dchiff Ernter in Bror können viertausend Personen beten. (Die iramilie Zacvb Dänss stammt ans Dc»lf>W land, lebt aber schon viele Dezennien in -lmerika.) Der Direktor eines neue» Theaters stellte dasselbe vor der Erössnung der >üdi scheu Eemeindc für die iecicrtage gratis zur Bersügung. Dtnden len dcr Columbia n»d -Nenyork Universität wurden von dcr Znstitnlional Dynagoge z»»> Eoltesdienst eingcladcn. Wie bei uns, fleht die Predigt im Mittelpnnkt des Eottrs dicnsteS. Zn den liberalen Dynagoge» werden die Hanvlg-Hetc erst hebräisch vorgetragcn, später in englischer Dprachc wiederholt. Der stellvertretende Bürgermeister Kcc richtete anläszlich des jüdi