Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 10 (15.8.1929)
- Date
- 1929-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DE” ISRAELITISCHEN GEMEINDE BREMEN Verantwortlich für den lokalen Teilt M. Markreich _________\ Nr. 10 Bremen, den 15. August 1929 1. Jahrgang AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Dat Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt Nadidrudc nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfeuert geitaHet Vertageort MbimI Erstes Aufammentreten -er Jewifh /lgencp. Sin« Versammlung großer Juden. Zürich. lJ.T.A.) Am Sonntag, den 11. August, 3 Uhr nachmittags, trat in der Tonhalle zu Zürich der Council der Jewish Aency zu seiner ersten Tagung zusammen. Außer den zionistischen und nichtzionistischen Mitgliedern des Council Agency hatten sich mehr als 200V Gäste aus allen Ländern zu dxr Eröffnungssitzung eingefunden. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Tie Spannung unter den Anwesenden war groß. Bei allen herrschte das Gefühl vor, daß man einem historisch-denkwürdigen Akt beiwohnt, da zum ersten Mal in der neueren jüdischen Geschichte eine so große Zahl bedeutender Juden sich auf einem Platz zusammenfindet, um über die Schicksalsfrage des Judentums zu beraten. Professor Albert E i n st e i n , Lord M e l ch e t t, Tr. W e i z m a n » . Louis M a r s h a l l, Felix M. Marburg, Sir Herbert S a m u e l, Tirektor Oskar Wassermann und Schalom A s ch wurden bei ihrem Erscheinen auf der Estrade mit rauschenden Ovationen begrüßt. Als Tr. Weizmann die drei symbolischen Hammerschläge vollzog, legte sich der Lärm sofort und es trat eine fast atenilose Stille ein. Weizmann begann seine Eröfsnungsansprache hebräisch, setzte sie englisch fort und trug den Haupttril seiner Ausführungen in deutscher Sprache vor. Weizmann führt aus. daß dieser Tag und diese Stunde in den Annalen der jüdischen Geschichte fortleben werden. Sie bezeichnen den Beginn eines neuen Abschnitts im gesamtjüdischen Wirken. Wohl sind noch nicht alle jüdischen Gemeinschaften in dem Council der Jcwish Agency vertreten, aber di« Jewish Agency steht auf festem Boden, bereit, allen Juden die Möglichkeit zu geben, an dem Wiederaufbauwcrk in Palästina teilzunehmen. Diese Aufgabe ist nicht Monopol irgendeines Teiles der Juden, sondern sie ist gemeinsames Borrecht und gemeinsame Verpflichtung des gesamten Judentums. Durch das Palästina- Mandat ist die Sache der jüdischen Heimstätte mit der Gemeinschaft aller Völker verbunden. Tie jüdische Welt hat sich nach dxm Kriege durch den Zusammenbruch des osteuropäischen Judentums und dmich die Einwandcrungsspcrre in den überseeischen. Ländern stark verändert. Tie Not steigt, und die Probleme drän^ gen einer Lösung zu. Hier steht Palästina -nn Mittelpunkte. Tie Zionisten haben niemals Palästina allein für die Zionisten, sie haben es für alle Juden erbauen wollen. Es sei nur folgerichtig, wenn man nunmehr an die jüdische Gemeinschaft der Welt herantritt, um die große Arbeit, die niemals von einem begrenzten Kreis von Juden ganz geleistet werden könne, auf eine breitere Basis zu stellen. Im Namen der eidgenössischen Bundesbchörde begrüßte Mi rtiftcr Tinichert von der Abteilung für Auswärtiges die illnsire Versammlung. Es sprach hieraus ein hoher Beamter der Man datskonimission des Völkerbundes, und schließlich begrüßte den Council im Namen der schweizerischen Zndcnhcit der Vorsitzende des schweizerisch jüdischen Genieindcverbandcs Herr Treysas Brodsky. Ten Charakter religiöser Weihcredc trugen die Ansprachen des Präsidenten des polnischen Rabbincrvcrbandcs Rabbi Zeche skicl Lifszyz l.ßalysz) und des Rabbiners von Tel Aviv ll z i e l. Mil ungeheurem Beifall wurde Professor Albtert E i n s' - » begrüßt. Er bczcichncte cs als die Größe .des Tages, daß d'»r eine Nation begründet werde. Er zollte Tr. Weizmann hohe Aaerkcnnung und rühmte die tapfere und begeisterte Minorität der Zionisten, die sich durch ihr opservolles Pioniertum moralisch das Recht erworben haben, auch in Zukunft eine» bedeutenden Einfluß innerhalb der Agency anszuüben. Tic Versammlung brachte Einstein eine mehrere Minuten dauernde Huldigung dar. Tirektor Oskar W a s s c r m a »n sprach ebenfalls seine Be wunderung für Tr. Weizmann und sein Werk ans. Roch stünden nicht alle deutschen Zudcn hinter der Agency: das Werk der Agency wird es bewirken, daß auch die heule Abseilsslehenden herankommen werden. Es könne nicht gleichgültig sein, ob in Zukunft politische Forderungen nur von der ziönistischen Trgaur sativn oder von der Zudcnheil der Welt erhoben wurden. Zudem das Zudcntnm sich einigt, beginne es, nachdem cs solange Cbjcft der Geschichte war. nun selber Subjekt der Geschichte zu iverden. Tic Agency werde nichts tun und nichts zulajje». was ihr die Zugciid abspenstig machen könnte.' Sir Herbert Samuel, der erste Tberkommissar Großbri lanniens 'in Palästina, versicherte, daß die jüdische Sache in Pa lästina der Unterstützung jeder britischen Negierung gewiß sein dürfe. Tie Zionistische Organisation müsse auch in der Zewish Agency die Führung behalten. Louis M a r i h a l l. der Führer der amerikanischen Nichtzionisten und Verhandlungspartner Weizinanns, erklärte -scier lich, er ivolle mit ganzer Hingabe für den Ausbau Palästinas wirken, denn „Zernsalrm muß wieder errichtet werden". Tas Gelöbnis Marshalls wurde ivicderholt von Felix M. Marburg. Präsidenten des American Zoint Tistribulio» Com mitce und Vorsitzenden der amerikanijchei' Agency.»ommijjion. Seine Ansprache klang in de» Nus nach Einigkeit in Israel aus. Leon Blum erklärte vom Standpunkt eines internationalen Sozialisten, daß der Palästina-Ausbau die Bewunderung der ge samten Menschheit errege. Ter Zionismus sei eine nationale Freiheitsbewegung aus sozialer Grundlage und Palästina iniijje das Versuchsfeld eines modernen Staates iverden. Ter Tichter Schalom Asch führte ans: Zn einer Stunde der Not rief uns unser Präsident zu einer zerstreuten Masse: jü dischrs Volk. Tic heutige Versanimlung ist die ans allen vier Enden der Welt gekommene Antwort. Glicht nur wir, das jüdische Volk ist in diesem Saal versammelt, das jüdische Volk aller Zeit alter. Ter Aufbau Ere; Zsraels durch das jüdische Volk wird wie ein Licht unsere ganze traurige und heroische Gejchechle be leuchten. Ten Beschluß der Redner machte Rahum S o k o l o w. der erklärte, die Znden sind jetzt im Begriffe, eine Legende zur Wirklichkcit zu.machen, und jetzt nürd es sich erweisen, daß sie, denen immer Materialismus vorgcworscu werde, die größten Zdealisle» der Welt sind. Mit dem stehend gesungenen Lied „Hatikwah" ging die erste Versanimlnng des Council der Zewish Agency zu Ende. Schluß ües 16. Zioniftenkongresses. Ter Verlauf der letzten .»ongrcß-Sitznng. Am Soniiabend versammelte sich der »ongreß, der am Freitag in der Tonhalle tagte, wiederum im Stadtlheater zu seiner letzten Sitzung. Saal und Galerien waren von «Ugsien überfüllt, die einen baldigen >e erliclre» Abschluß der schonzwei ' mal verlängerten »ongreß Session erhoüten, Aber schon ans dem Be>zinn der Verhandlungen war zu erielien, daß der »ongreß noch ein großes Arbeitsvensnm zu absolvieren hat * Aach einer Sitzung, die die ganze Nacht-von Sonnabend zu Sonntag andauerte, iß der XVI Zionißenkongreß ani Sonntag, den II. August, » lltzr morgens, -zu Ende gegangen. Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation wurde Pros. Tr. Ebaim Weizmann, zum Präsidenten der Zionißisclie» Well erelutive wurde Nahum Svkolow wiederaewählt Ter »ongreß brachte beide» Fülirern stürmisciie Tvationen dar.