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Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-04-12 · 2 (12.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
2 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBIATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblaii wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugestellt Nadidrod nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Verlaotorl Massel BREMEN Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich Nr. 2 Bremen, den 12. April 1929 1. Jahrgang Mussolini über üie Iuüen. Ein Interview. Mussolini» ist die »im »leiste» interviewte und häufigsl be fchricbcnc politische Persönlichkeit in unserer heutigen Well. Ter Haschistenführer ist sich dessen tvohl beivustt »nd ebenso die jonr nalistcn, die sich an ihn wende», (fwar unlerwirfl sich der italie nische Ltaatsinann ganz willig den 'Anforderungen, die an ihn gestellt werden, wie einem Elotkesurteil, aber für' de» jonrnalistrn ist es viel schwerer, besonders bis zu dem Augenblick, i» dem der (feitungsreporter tatsächlich dem italienischen Führer von Ange sicht zu Angesicht gegenüberstcht. Tann verschwindet alle jurchl samkeit, da Mustolinis gewinnende Persönlichkeit einen sofort;»[ Ruhe bringt. Tic offizielle Haltung von Interviewtem »nd j» terviewcr ist sofort wie weggesegt. Italiens Tiklator spricht ebenso gern, wie er znhört. 'ul) werde versuchen, die Unterhal tung, die kürzlich zwischen dem Mann, der von vielen der „mo dernc Napoleon" genannt wird, und dem Tchreiber dieser feilen slattsand, zu rekonstruieren. Mussolini: ,,'srt) habe Tic dahin verstanden, das; Tie mich für amerikanisch jüdische Leitungen interviewen ivvllen. sollen Tie mir fragen stelle» oder wolle» wir die Tinge nur so oberflächlich berühren?" ' 0 ch : „‘iiHMiit man mit einem Tiltator jpricf>t, kan» man gar nicht so oberflächlich bleiben. jch weist, dast Tie vom fragen müde sein müssen. Aber wen» Tie gestalte», so will ich jhnen diese eine prin zipielle jrage stellen7 Pcrlangt der Faschismus die absolute Assi milativn der italienischen jnden?" M u sso l i ii i : „Tas kommt darauf an, was man unter dem Begriff Assimilation versieht. Wenn Tie ein Beranlasjen zum Preisgeben der jüdischen Traditio» meinen, eine Unterdrückung der religiösen oder rassenmästigen Lebensphilviophie, so must iä> ^hnen ganz entschieden sagen: Nein! Ter sraschismus fordert diese Art von Ajsiniilativn nicht und wird sie nie verlange», Böen» Tie aber unter Assimilation eine vollständige Einführung in das bürgerliche Leben von Italien verstehen, eine absolute Hingebung an da§ nationale jdeal unseres Landes, dann »inst ich jlinen ebenso beslinimt sagen: ja! jedenfalls ist jhre,Trage, während sie aus andere Länder zu treffen mag, für jtalien nicht anwendbar, jn diesem Lande gibt cs praktisch keinen beachtensiverten Unterschied zwischen juden und Christen. Teil langen, langen jahren nehmen die jnden vollkommen und unterschiedslos aus politischem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet am nationalen 7'eben teil. Trvh der Möglichkeit, jhr jiitervletv gleich zu Beginn zu .zerstören, »inst ich jhnen aufrichtig sagen: in jtalien gibt es kein jüdisches Problem, jch kenne keins." j ch : „Wollen Tie damit sagen, dast jtalien ein Lgnd ohne Antiiemilisnins ist? Tast has t^Sift des Judenhasses nicht iiber seine tärenzen gekommen ist?" tBeim Tprechen dachte icb im kreiste an die bekannten Persuche der deutschen und österreichischen > Hakenkrenzler, die zu verschiedenen (feiten versucht Hanen, den iia lienischen Eleisi gegen die jüdische Bevölkerung zu erregen.». , . Ni n s s o l i ii i : „Wenn Bcrsuche gemacht worden sind, um die jtaliener mit einem gefährlichen täeist gegen nnsere Nasse» Minderheiten zu dnrchtränkc», so sind sie sehigeschlage». Ter ja schismns, unbekümmert niii das, was seine Berleumder sagen, verhält sich gegen jedermann tolerant. Tolerant in jeder Beziehung, auster, wenn das Wohlergehen des Landes-bedroht ist. Meine Ne giernng und ich persönlich haben jedes Tvmptom eines Bor urteils. ffegen Nastenminderheiten im dteime erstickt. Wir passen gut auf.. Tas geben sogar nufere jeinde zu. jch glaube, dast die jnden hier keinen Eirund haben, sich zu beklagen. Bor einiger (feit sprach ich mit dem 'Tberrabbiner von Nom; er erklärte die vollkommene Uebereinjlimmung des jndischetl und italienischen jdealS." » . - j ch : ...trennen Tie die zionistische Bewegung?" Mussolini: „Necht gut. Ter paläiTineniische Heraus geber Ben Abi lebte eine (feiilang bei mir. Ein ivirtlich reizen der und begabter Mensch, jch war ivalirhaiiig über die j-ort schritte, die der jüdische stokonisationsplan macin, erstaunt. jcli nehme an, Tie wissen, dast die italienische Negierung eine der e>ste» war, die ihre Tumpalhie zum Erfolg jlires Palaslinaiverke.- ans druckte. Erst kürzlich wurde mir erzählt, wie der (fionistenstilner Tr. Her zl gerade bei Beginn der zioniiiiichen Beivegiing von »n jerein dtonig, der seiner Atigcllegenben ein grostmnriges CItv lieh, enipsangen lvurde. jch lerntejbreitansgezeiibneie» Präsidenten Tr. LLeizmann, einen jcbr inleresjanicn Manu, leimen, der ein grostes Perlranen bei de, jüdischen Bepolkernna unseres La» des geuiestt. Hier in jialien herrscht e>l,ie Beivundeinng fitv das ^ionieriverk, das in Palaslii a vorivarissivreitei. T ,'I,l> eine Be wegnng, die nicht irgend ein Nahe oder Neligio» in oder auster halb- Palästinas bevorzugt,' an» iebr viel dazu beitragen, einen guten Willen nnter den verfc liedenen Nationen zu schaffen. Tagen Tie mir, haben siäi viele an erikanische jnde» in Palaiiina ange siedelt?' er nicht, weil in Anieiika Mangel an j ch : „Tel>r wenig. Al Mentchenniaterial Tür Palä geni^ärtig "nötiger jinaitzka,'iial als Menfchenkgpilal Taufende von jnden mochten gern in das jüdische Heimatland »'andern. Aber das Land ist noch nicht iö weit, als dast es alle, die Tiedler werden möchte», anineltmenl konnte." Bc n i s o > i n > : „ja. is war eine groste Aufgabe. Anieri kanischer Energie wert, e ie cm»h>ige ac»>eritaniicbe j.ndeiiheii kannvielleicht mehr tun als iedei ^andere. npi dem Palästina Projekt vorivärts zn Helsen, j-inde» Tie zwischen den ainerikani scheu und italienischen jn'en irgendioelche Aelmlichkeii? Aller dings lind die amerikanische» jnden sehr junge Ainerifanei und sehr alle jüden. B'-as icl> aber sagen ivollte, in. iinden Tie, dast die italienischen jnden iicls von de» jnden,in andeien Ländern, unterscheiden? Merken T >var. nämlich selbst' einmal e nicht, wie ich Tie inieirneme^ ein (feiluugsmann " jcli jch: „Wenn icl> näh: tvnstie, d.kst es nur >'>»««» jnden in Nom gibt, so Hane ich fast gesaai. dast es mehreie hnndeiitanfend sind. Ter lateinische T»p in jialie» ist, dem semitische» 'anstei ordentlich ähnlich. AensteAicl» sehen sie einander glestb und »n>li im Tdniperameut ähneln sie einandei. j>h iveist nicln. »!> die jnden sich hier so sehr assimiliert haben, oder ob mit sie ajfimiliett haben." Turcli Mussolinis de itliclie ,j->ende an diesem >'>edan!en er niuiigt, snlir ich son: „E:- gibt eine »NTchichie von anie>ilanis»li jüdische» Eimvanderern > >is :>instland, die iebr lranrig darüber ivaren. dast ihr Toh». olnvohl er in Anieiika gelnnen u>ar, »icl» niätt von einer aussallende» jndii>l>en Äusspracbe beiieien konnte Bia» besclilosz, ihn in den fernen Weite» zn icliiclen. irgendtvo ans das Land, damit er,sich von seinem.jüdischen M:l:eu befreie. N'acli einem jalir wagte inan naclizufoischen Tn Bater stattete seinem Toh» einen Besuch ab. Bei seiner Nmlkeln berichtete er den Ei folg der erwartungsvollen Mittler folaenderinasten. bei jiaac ist alles in Trdnnng. Er hat t'icl, nicln viel' verändert E> spricht genau so. aberalle Eowbons sprechen seht »tit einem angesproclien .jüdischen Akzent." „To oft iil) iu :>>om bin, denke ich an diese cN-schicble E - herrscht zwar nicht der jüdische Akzent, ähnlich iultie micl» bei üeki jtalicnern vollkommen zn Haine l Mussolini lächle laut, und nnlonveuiionell. Ei sliNd ans und 'gestikulierte in einer sei» semiiifchen oder iichliaet.lateiciif.lcen Art nttd Weise, jn seinem Benehmen nun.etivas so cianzlitlt unkonveniictnelles. solche sieie An, dast icb v>'llkomme» tuv ihn eingenomnnln >var. jcli geivan» die Uebei zengnna. das; die iialie nische judepheil vom j-aschismns gder von dein Tcbopser eines neuen jlalcens nicht--- Zn snrchien liai. -N. L.

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