Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 25 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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HERAUSGEBER: REICHSBUND DÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. tjttfio Freitag Mit der illustrierten Beilage „DIE and Verlag: Berlin W 15, K urfürstendamm 200 (Reichsbund jüdischer zten E.V). Samin.-Nr. J 1—8571. Postscheck: Berlin 70885. Telegraramj; Scfaildkamerad. Redaktion »Schluß: jeden Dienstag vor Erscheinen! Für und Rücksendung unverlangt eingebender Manuskripte wird keint Oer tteiBommen. Bei Nichtlieferung ohne Verschulden kein Vergütungsanspruch. tS/IS. Jahrgang KRAFT" für Sport und Jugendertüchtigung Preis 20 Pfennig Bezugspreis: RM 0,55 im Monat zuzügl. Postbestcltgeld. Anzeigenpreis: Die 12 gespaltene Millimeter-Zeile KM 0,16. Stellenangebote u. -Gesuche,. Familienanzeigen RM 0,10. Anzeigenschluß: jeden Dienstag vor Erscheinen. Man verlange genauen Anzeigentarif! Anzeigcnverw.r Bepa - Verlag Benski & Pakuscber, Berlin W 50, Regensburger Straße 21. Fernspr.: B4 Bavaria 6697. —„ Postscheck: Berlin 32 529. ‘Berlin, 19. Jmti 1ÜLV jüdisches FrouiLLimpfertum Kämpferische Überlieferung - Geschichtliche Wendepunkte — Die große Bewährungsprobe Zeit des Umbruchs'— Neue Gesinnung - Frontkämpfer, sammelt Euch! I rontkätnpfer sammele Euch. Bleibt Kuren Vätern gleich Kuig Euch treul (Buodetlied de» Kjp ) Jfrontldmpfertum hat eine uralte .okition. Bereits non dem Atttellv» fejnmk der Biblischen Geschichte heben s Muer Vorzeit Gestalten ab. in denen ~dt -laubiger Frömmigkeit ein heldisches ferhim paart 3n frühgeschichtlicher Zeit he lleberlieferung van bet aus reit- _j tBrnjelboben genährten SBiberftanbs» I kw kleineit Volkes gegen den Anprall s&m Reiche des Orients zu berichten. ^Babylon, Aegypten 3n welchem Rufe ‘ Solbatentum weit über die Grenzen ' hinaus stand, zeigen die überraschen- - .jnmis-ijunbe von Elefant ine. deihüdeckung erst 1906—1908 erfolgte: Die ■Hel CJeiantine beherbergte als Vorposten fiaraoirenreidies eine jüdische Militärsie mit einem eigenen Tempel, der 410 IQt. zerstört wurde ll» heldischen Kämpfe der Makkabäer ^kie ungeheure syrische Uebermacht reiten Am vom Einig Einzigen Gott vor der Zutuns durch die Hellenistische Kultur. 'mR vieler Kriege und Siege wähn 1-140 der vorchristlichen Zeitrechnung.! unter dcr W e 11m a ch t R o m s. das ikamaligen Erdkreis zu feinen Provinzen sg hat. willen die Juden sich einen Rest itizenstaatlichkeit zu erhalten und zu eriHan weilt, wie Casus Julius tr, diele größte Gestalt des antiken «. die jüdische Bundesaenoslenschaft und l»lldärische Hilfe der Juden zu schätzen die chm in schwieriger Lage in Aegypl wurde Jahre allein braucht das Welt» ü.» Klaren, von 66—70, für den 3ünneg. der dieses kleine Land und Volk i mter leine Botmätzigkeit bringen, zur »rmig Jerusalems, des Tempels, führen - Äim 2ahre 73 fäM die letzte uialara, bereit heldenhafte Besatzung den Tod gibt. M der Widerstandsgeist jüdischen Kämp- M noch nicht gebrochen. Je schärfere "»Sen einsctzen. wie unter den Kaisern u.7! Trajan. desto heftiger bäumt sich ^^Ibstdehauptung auf. Mit dem Namen l «oidda verknüpft ist der Verzweiflungsl um Freiheit und Selbständigkeit, der Kaiser Hadrian von 132—135 währt. * 8erfo|flu0tlt*ltr ^"^rdrückung und blu- Erst der Uebergang des römischen Reiches zum Christentum als Staatsreligion bringt eine immer deutlichere Verschärfung der Lage. Druck erzeugt Gegendruck: 352 müssen dse Römer wieder einmal eine Erhebung in Galiläa Niederkämpfen. Das Jahr 439 bedeutet den neuen Wendepunkt jüdischen Schicksals: Theodosius II. erlätzt Ausnahmegesetze gegen die Juden, beschränkt sie in ihren religiösen und staatsbürgerlichen Rechten, fchlietzt sie von den Aemtern aus. Und mit dem Bürgerrecht gehen sie des Rechtes zur Wehrhaftigkeit verlustig. Und doch wissen wir aus der bewegten Geschichte der Völkerwanderung, bah Juden sich immer wieder als wehrhafte Männer und Bundesgenossen erweisen konnten: wir wissen es.aus der Geschichte der West» und der Ostgoten, die als arianische Christen den Juden Gleichberechtigung gaben. Im Orient aber und weit darüber hinaus tritt nun der Islam seinen Siegeszug an. und im Jahre 638 erobern die Araber unter dem. Kalifen Omar auch Palästina. Im abendländischen Mittelalter war den Inden keine Möglichkeit gegeben, die Tapferkeit ihres alten Stammes mit dem Schwert in' der Hand zu bewähren: aber zu Tausenden haben sie ein unerhörtes Heldentum im Dulden und Leiden auf den Scheiterhaufen der Inquisition bewährt: sie haben sich nicht um den Preis der Taufe von Rot und Verfol gung und qualvollem Tode freigekauft, son dem wutzten für ihre Ueberzeugungstreue als Glaubenshelden zu sterben. Ist mit der Geschichte der Kreuzzüge und den onschlietzenden Verfolgungen und Aus treibungen jüdisches Märtyrertum unlöslich ver knüpft, so ist mit der Epoche der g r 0 tz e n Entdeckungen, die ein neues Kapitel der Weltgeschichte einleiten sollte, der Name manches kühnen jüdischen Mannes verbunden. Erwähnt seien die Namen Gabriel Sanchez, der mit Columbus. Alfons Abuquerque. der mit Basco da Gatna über die Meere fuhr. Luis de Torres. der als erster Amerika betrat.^ und Pedro Tereira. Heere aller Völker in furchtbarem Ringen gepenüberfteben, sieht - zum ersten Mal auch in der jüdischen Geschichte der Diaspora Hunderttausende jüdischer Männer unter den Waffen, untef den Fahnen ihrer Heimatländer. Auf 400000 wird die Zahl jüdischer Frontkämpser in den Armeen des Weltkrieges geschätzt. Wie viele Zehntausende von ihnen zum Schutz ihrer Heimat auf dem Felde der Ehre geblieben sind, hat noch keine Statistik endgültig ermittelt: mindestens 12 000 davon starben für Deutschland. Nach Tausenden zählen die jüdischen Freiwilligen in allen am Krieg beteiligten ®taa ten, nach Tausenden die Beförderungen vor dem Feinde und die Kriegsdekorationen. So wurde der Welttrieg die grobe wellgeschichtliche Bewährungsprobe des Judentums dafür, datz seine Söhne an Pflichterfüllung. Vaterlandsliebe. Tapferkeit, auf welchen Posten sie auch gestellt sein mochten, niemandem nachstanden. Gi> h Stärke und auf leine MG Momente, die das alle rielengotz in uns erstehen feilen Glauben daran, dl Zittern, über allen Kataltjri ilie waltet, bellen Ra'.lch m wir uns' aber vertr find die Momente zuglchl alten jüdilckten Tunenden werden: jene' judilche HärHe beuglamleit. jene jiidi'che ner jüdische Stolz und icjr Wille —: unsere besten so Ikon zuruckrnfen. Tie ttoertrauen wieder lösten und den feilen über alten Ge ophen ein höherer 5uh wir nicht kennen, lensooll fügen Es ich. in denen die fieu Tn uns geboren jene nüdstche Un pserbercitlchaft. je er jüdische Lebens batiiiftcn Tugenden Musteren Zeichen beginnt die kubischen Diaspora. Aber das «Ist sich «ul! Nachdem Kaiser An- Blutbefeble seines ngt das Jahr 212 Bürgerjüdischen sich auf: ... aus um 140 die *jiuu> '^Wrs aufgehoben, bringt dc Juden das römische «argergb Damit verbunden ist nicht allem bas *«»ter in bekleidemVlLttzem auch *”*» timen imv söivcMscher Pflicht J-RdtBsmclslcr »arde iSG.Derlln! Bam cara wieder engilstaer Heister? (Sportberichte Im Innern dem Blatte») Für das Judentum reicht das Mittelalter bis in das 18,. Jahrhundert hinein- Erst dann brachten die neuen Ideen und Ideale eines neüen Zeitabschnitts auch eine neue, veränderte Einstellung der Kulturvölker zu ihren jüdischen Beoölkerungsgruppen. Der Durchbruch des nationalstaatlichen Gedankens setzt an die Stelle des Untertanen den Bürger, bringt an Stelle der Söldnerarmeen die Dolksheere der allgemeinen Dienstpflicht. In der neuen Welt sind bereits an dem Unabhängigkeitskriege der Vereinigten Staaten jüdische Soldaten beteiligt. In den meisten europäischen Ländern reihen sich die emanzipierten Juden erst als Freiwillige, dann auf, Grund der allgemeinen Wehrpflicht in die Volksheere ein- Seit den Freiheitskriegen von 1813. 1814, 1815 stehen sie ihren Mann, leisten ihren BlutzoN und zeichnen sich wie Befördemngen und Orden bezeugen, nicht. minder aus wie ihre christlichen Kameraden. Line jahrhundertelang unterdrückte, unter Sonderrecht gestellte Gemeinschaft be weift, datz der soldatische Geist ihres ehrwürdigen Stammes in ihr lebendig geblieben ist. Der Weltkrieg «cher. jene vier blutigen Jahre, ln denen sich zum ersten Mal Millionen- Und all die jüdilchen. Mcimter. die einst inde» Schützengräben des Weltkriege-, l.i.uu, die über die Meere fuhrin und doch ", den Lüfte» kreisten, jede» Äugenhlick die .’•■ ■ tuna vor Äugen und ihi Gottvertraue» 1» Her en. hiebe jüdische Frontsoldaien sind es. die vor ihre Ge nein'chakt binkreien. Sie erinnern an die unsterb iche ruhmvolle Tra bitioit unseres Stammes feit den frühesten Tagen menschlicher Gerichte: und sie ge mahnen stumm, durch il r Dasein, aa die grobe, mit kostbarem Bit t erbrachte Bewab rungsvrobe des Judentums im Weltkrieg. rilen, Erdstötze über as sonst hat eine unsere einem Schick le Wetterwand vor eilen als ihren be »eilt? Womit sonst stark machen als tztseiy jener gewaldie wir vor zwei üdisches Ehrenmal auf den Schlachtfeldern der Westfront (Ardifi bUd) Noch sind nicht zwei Jahrzehnte seit dem Ende des Groben Krieges verflossen. An verschiedensten Ecken der Welt, in Palästina selbst, sehen wir das jüdische Schicksal bedroht, die jüdischen Lebensmöglichkeiten umkämpft. Kündigt sich wieder ein Wendepunkt an? Wir erblicken die Menschheit in schwerste Krisen und Konflikte verwickelt: hier flammen Massenstreiks auf; da loht Aufruhr empor: dort — im fernen Osten — zucken die grellen Blitze neuer Kriegsgefahr auf. Der Seismograph scheint Erschütterung. Erdbeben anzukünden Und das find die Zeiten, von denen wir aus vieltoujendjähriger Ge'chichtserfahnmg wissen. datz sie die Krisenpunkte und Wendepunkte jüdischen Schicksals in sich bergen. Das aber sind auch die historischen Momente, die das Judentum zur Besinnung auf seine LBenn Erschütierungen. die Lande Hinweggehen, kleine Gruppe wie bi fal, das sich wie eine bui ihr. aufrichtet, entqegenzü hechten und.stahlharten können wir uns inner!, durch das lebendige 33e tigen Bewährungsprobe. , Jahrzehnten vor der Wdlt abgelegt haben! Diese grotze geschichtliche Tatsache, die btmb nichts auslöschbare oder zu verdunkelnde ehren volle Pflichterfüllung und soldatische Leistung Hunderttausender jüdischer Männer im groben Völkerringen. — sie -tritt uns, wenn. wir, auf weite Sicht in grotze künftige Zeitraum-? zu blicken versuchen, als das z uck un f t s b e stimmende Element der ferneren jüdischen Schicksalsgestaltung vor das innere Auge. In Zeiten des Umbruchs, wie wir liedurchschreiten, erweisen sich doktrinäre Lölun >en, ideologische Programme stets in ihrer Unzulänglichkeit: aus -anderen Epochen über nommene Begriffsbildungen. Abgrenzungen. Problemstellungen, Kategorien müssen in ihrer Fragwürdigkeit erkannt werden, um einer neuen Haltung Raum zu schaffen, die von uns gefordert wird, wenn eine Schicksals wende nicht zu Untergang, sondern ,u Selbst erhaltung führen soll. Es ist die frontkämpferische Hai hing, gegen die sich die Ewig-Gestrigen mit all ihren auf die Dauer untauglichen Mittelchen überwundener Methoden und eines überholten Denkens wehren mögen. Die jüdische Zukunft aber — wenn es eine solche in dieser Welt geben soll und wird — gehört jenen zeitlos-unsterblichen höchsten Ideen und Gesinnungen, deren unüberwindliche Echtheit und Wahrheit der jüdische Frontsoldat in den Stablgewittern des Weltkrieges erlebt und aus den Schützengräben in feinem Serien, mit heim gebracht hat: der bedingungslosen Pflichterfüllung, die den Dienst am Ganzen über das liebe Ich stellt: der tiefen, schlichten Gläubigkeit. die härtesten Dienst, Kämpfen und Sterben mit starkem Herzen tragen und überwinden macht: der Tapfer^ keil gefestigter Charaktere, die ihren einzig artigen Wert erweist, wo überkommene Bor