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Der Schild · 1929-04-05 · 14 (5.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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ster Zeit versagt hätten. Vor einigen Tagen erschien erst wieder im „Völkischen Beobachter" ein ausführlicher Leitartikel mit der Ueberschrift: „Wieviel Juden sind im Kriege auf deutscher Seite gefallen?" und dem Untertitel: „12 000 behauptet der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" — 5000 halten einer sorgfältigen Nachprüfung stand." Es würde eigentlich durchaus genügen, wenn wir einfach als Antwort auf diesen und manchen anderen Artikel der völkischen Presse verweisen würden auf jenes in einiger Zeit erscheinende Gedenkbuch. Wir möchten aber schon heute auf einige der Behauptungen des Verfassers, des in dieser Frage wortführenden völkischen „Statistikers", Major a. D. Baumann. Heroldsamtmann des Ludendorffschen Tannenbergbundes, eingehen. Es ist ja schon ein gewisser Fortschritt in diesen Veröffentlichungen zu verspüren. Vor einem Fahre noch hatte er behauptet: „4697TotealsjüdischenGesamtverlustauf deutscher Seite: und das ist hoch gerechnet?" Schon vor ein paar Monaten hatten völkische Blätter, der „Eisenhammer", und die „Flamme" behauptet: „Major Baumann hat an Hand statistischer offizieller Forschungen nur deren 6000 gefunden." Wir haben diesen Fortschritt damals gleich registriert: in seiner letzten Veröffentlichung ist daher Herr Major Baumann wieder ein wenig mit der Zahl heruntergeaangen. Aber er scheint sich doch mit seiner „Statistik" nicht mehr so wohl zu fühlen denn immerhin halten jetzt doch 5000 „einer sorgfältigen Nachprüfung st and": aber Herr Major Baumann ist , ein sehr vorsichtiger Mann. Er ist auch schon dabei, seine Rückzugsstellung auszybauen. in die er sich nach der wohl auch von ihm schon erwarteten Niederlage zurückziehen wird. Er rechnet nämlich heraus, datz. selbst wenn wir 12 0 0 0 Gefallene hätten, dies auch nicht unserem Anteil an der Bevölkerung entsprechen würde, es müßten noch mehr sein. Nun hat schon die ursprüngliche, Eegallsche Statistik auch in recht ausgezeichneter Welse' die Altersgliederung der jüdischen Bevölkerung darqeleqt, die im allgemeinen etwas anders ist als die der übrigen deutschen Bevölkerung. Es kommt noch weiter hinzu daß in Stadt und Land recht verschiedene Gefallenenziffern vorliegen. Sogar die verschiedenen Religionsbekenntnisse haben relativ verschieden starke Opfer gebracht. Die Zahl der katholischen Gefallenen ist relativ größer als^bie der protestantischen. Bei den jüdischen Ziffern zeigt sich, daß in den einzelnen größeren und kleineren Städten im allgemeinen die Zahl der jüdischen Gefallenen dieselbe ist. wie die der nichtjüdischen Mitbürger, während die Gesamtziffer von Stadt zu Stadt oft sehr wechselt. Tie Zahlen, mit denen Herr Major Baumann hantiert, sind jedenfalls außerordentlich unsicher. Vor allem aber ist seine Schlußweise. alles andere als präzise. Um das Unsinnige seiner Schlüsse durch ein einfaches Beispiel darzulegen, mag es genügen, auf folgende Zahlen hinzuweisen. Wenn die 1914 ganz sicher nicht mehr als 555 000 deutschen Juden 12 000 Gefallene hatten, so mag dem entqeaengestellt werden, daß z. B. Münchenauf645 000 Einwohner bekanntlich 13 000 Gefallene gehabt hat. Herr Major Baumann, der selbst zu den Einwohnern Münchens gehört, wird diese ganz sicher nicht als Drückeberger bezeichnen wollen, nackdem ihre Gefallenenziffer relativ sicherlich nicht höher ist als die der deutschen Juden. Kurz, die Behauptungen des Herrn Major Baumann haben sich schon heu'e als falsch erwiesen. Er selbst rückt immer weiter von seinen eiaenen Zahlen ab, und wir möchten ihm dringend empfehlen, um sich nicht noch mehr zu blamieren, diesen Rückzug etwas zu beschleunigen. Der Vollständigkeit halber möchten wir auch noch auf einige in der Sache belanglose, aber für die Taktik der Gegenseite charakteristische Einwürfe des Herrn Major Baumann eingehtzji. In der bayerischen Liste hat Eckstein ausdrücklich 18 gemeinsame Namen mit der württembergischen Liste bezeichnet. Es kann glso doch von irgendeiner Mogelei nickt die Rede sein, wie sie Major Baumann mit Gewali konstruieren möcksse. Bei der vielfachen Verbundenheit Vkewürttembergischen und bayerischen Verhältnisie ist 114 derartiges gar nicht erstaunlich. Der Herr „Statistiker" hat aber „nachgerechnet" und findet, daß die Zahl der würtitembergljcheu Gefallenen aus dl reduziert weroen n'njfe, wobei er den Einfall z. B auf Meck.enburg-Schwcrin re ,,v genau so einsetzt, wie den auf Bayern. In die gl. che Kerbe gehört auch die ^Feststellung", daß unter den 35 bayerischen Gefallenen auch noch 16 angeführt sind, ne nach 1918 in den Lazaretten an ihren schweren Bern mdungen starben. Diese Büchlein aus Bayern und W rttemberg wollen ja nicht nur Statistiken, sondern .or allem Gedenkbücher sein. Aber alle Deuteleien .d Spitzfindigkeiten werden dem, der diese Büchlein unparteiisch liest und das zuurunde liegende Material piüsi, » rzu ihin ja auf Wunsch durch die in Betracht kommenden Sie cn jederzeit vollste Gelegenheit gegeben wird, nur vt. stellen können, daß die Juden in Bayern und Würitenil'.rg in i>er Erfüllung ihrer Pflicht nicht hmter ihren Miibürg.ni zurückstanden. Bei der Feststellung unserer Gesamtliste, für die diese Einzelstatistiken eine sehr gute Unterstützung bedeuten, kommen die von Herrn Major Baumann.so sehr befürchteten Doppelzählungen überhaupt nicht in Betracht. Ein richtiger Statistiker würde solche in sehr kurzer Zeit einwandfrei feststellen. Aehnlich steht es auch mit den übrigen von Herrn Major Baumann gegen unsere Liste geäußerten Einwände. Wir konnten natürlich im „Schild" mit Rücksicht auf den Raum nicht alle Taten angeben, über die wir verfügen, sondern mußten uns auf solche beschränken, die zur vollständigen Identifizierung hinreichen. Aber aych diese Listen würden schon jetzt einer Kommission vhn richtigen Fachleuten, mögen sie Freunde oder Gegner sein, ermöglichen, eine genaue Nachprüfung vorzunehmen und die Zahl der jüdischen Gefallenen genügend genau festzulegen. Dies würde ihnen noch durch das bei uns liegende ergänzende Material erleichtert werden. Wir würden auch eine solche Untersuchungschonheute seitens einer von allen Seiten als einwandfrei befundenen Stelle oder Kommission verlangen, wenn nicht das Gedenkbuch diese Prüfung viel einfacher gestalten und jedem ermöglichen wijrde. Nun noch das letzte Argument von Herrn Major Baumann, das er immer wieder vorbringt. Er sagt: Alle diese, unsere Zweifel und Bedenken, kann der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" entkräften, wenn er sich entschließt, die nun schon wiederholt von uns geforder ten Angaben zu bringen. Das Ehrenbuch bietet ihm' Ge legenheit dazu. Bis zu dessen Erscheinen halten wir andere>: aber uns an das Ergebnis, das der gleiche jüdische Ausschuß für KriLgsstatistik während des Krieges ermittelt und ver öffentlicht hat. Danach waren bis zum 10. Mai 1927 31 33t Juden gefallen, gestorben oder vermißt, so datz sich für die ganze Dauer des Krieges ein« Zahl von höchstens 4700 Krieqstoten ergibt, wenn man zugunsten der jüdischen Seite a>: nimmt, daß sie im letzten Teil des Krieges noch den gleiche«' verhältnismäßigen Anteil an den Verlusten trug wie im ersten (was aber nicht der Fall ist). In diesen Sätzen ist zunächst ein harmloser Druck fehler richtigzustellen. Es soll heißen „zum 10. Mai 1911 3133 Juden". Beträchtlich bösartiger ist aber ein anderer Fehler. Von dem jüdischen Ausschuß für Kriegsstatistiß ist während des Krieges weder diese noch eine sonstige Zahl herausgegeben worden. Er wäre dazu auch gar nicht imstande gewesen. Einige der Generalkomman dos hatten seine Aufnahmetätigkeit aanz untersagt. In den übrigen Gebieten war sie mit allerlei Einschränkun gen gestattet. Die Angaben der Truppenteile, des Ortes des Todes usw. waren gänzlich untersagt, begreiflicher weise im Interesse der Geheimhaltung. Im Mai 1917 laa daher keine einiaermaßen autbentifche Zahl vor. Die erste vom Ausschuß für Krieqsstatistik jemals der Oeffentlichkeit genannten Zahlen sind die in dem oben genannten Bücklein von 1922. Die Zahl, die Herr Major Baumann hier nnaibi steht in einer gänzlich unmaßaeblicken Kiemen jüdischen Zeitung, ohne daß dieser irgendwelches authentisches Material zu einer solchen Behauvtunq vor lng. D"s sind nun die „Grundlagen", auf denen Herr Major Baumann zu folgendem ungeheuerlichen Schlüsse kommt: i

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