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Der Schild · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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nirgend vorhanden." Selbst über jüdische Gemeinden wird Klage geführt, weil sie keine jüdischen Friedhofsgartner anstellen. Das traurigste ist aber, dah der Direktor von Ahlem klagen muß. daß „wir in den letzten Jahren ständig mit Wirtschaftssorgen kämpfen müsien, die den Ausbau und die Entwicklung mehr hemmen als wir im Interesse der großen Idee wünschen." Was ein einzelner Jude vor Jahrzehnten vorbildlich geschaffen hat, zu einer Zeit als man die Gefahren der Zusammenballung der Juden in den Großstädten noch nicht so klar übersehen konnte, wie es heute der Fall ist, das muß heute finanziell von der ganzen jüdischen Ge meinschaft erhalten werden. Der Wille zur Scholle, der damals von wenigen erfaßt wurde, mutz heute zum jüdi schen Gemeinwillen werden. Die Lehranstalt Ahlem muß nicht nur erhalten, sondern durch Siedlungsarbeit ersi ausgebaut und zur vollen Wirksamkeit gebracht werden Fördert jüdische Gärtner und Landwirte, wo Ihr könnt Verbreitet den Gedanken der jüdischen Bodenkultur bis ins letzte jüdische Haus. Gebt Geld für die „Israelitische Gartenbauschule Ahlem", die „Jüdische Landarbeit" und den „Reichsbund für jüdische Siedlung"! 8tu Bevölkerungspolitische Konferenz des Landesverbandes. Wichtige Beschlüsie. — Aufruf an die jüdische Gesamtheit zur Mitarbeit an der jüdischen BevölKerungspolitlK. Auf Einladung des bevölkerungspolitischen Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden fand unter Vorsitz von Frau Siddy W r o n s k y eine bevölkerungspolitische Konferenz statt. Es vertraten den Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes Prof. Dr. Türk, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Dr. Ollendorf, den Jüdischen Frauenbund Frau Martha Ollendorf und Frl. Edith Hirsch, die Großloge für Deutschland San.-Rat Dr. Goldschmidt, den sozialen Ausschuß des Rabbinerverbanöes Rabb. Tr. Emil Levy, den Verband der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Dir. Dr. Feist, den Deutsch^Israelitischen Gemeindebund Dr. Sandler, den Reichsausschuß der jüdischen Iugendverbände Dr. Lubinski, die Hauptstelle für jüd. Wanderfürsorge S. Adler-Rudel, den Bund der jüd. Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands Frl. Weinreich, die Gesellschaft ..ORT" Dir. Grätz, die Gesellschaft „OSE" Dr. Brutzkus und Dr. Olschwanger, die Jüdische Gemeinde Berlin und das Wohlfahrtsamt der Berliner Gemeinde Caspary, die Jüd. Kinderhilfe Dr. Stahl und Frl. Neufeld, den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Frau Dr. Edelheim, die Agudas Iisroel Frau Lea Salomon, die Zionistische Vereinigung für Deutschland Dr. Noth-s mann, die Gesellschaft für jüdische Familienforschung Dr. Ezellitzer, die Jüdische Gemeinde Breslau Frau Paula Ollendorff, die Jüd. Gemeinde Frankfurt a. Main Prof, Hanauer, die Jüd. Gemeinde Köln Chaim. — Des weiteren nahmen an der Konferenz teil: Otto Eskeles, Jakob Lestschinsky, Frau Dr. Hertha Heinrich, R.-A. Dr. Oskar Cohn. Frau Tr. Berg-Platau. Rabb. Dr. Eschelbacher, Frl. Dr. Marg. Bereut, Professor Seligman, I. Koralnik, Frau Johanna Meyer, Schulleiter Reschke. Frl: Edith Cohn, Frau Seligsohn, Geh. San. Rat Dr. Stern, Lewin. Frau Wronsky wies in ihrer Eröffnungsrede stuf die dringende Notwendigkeit hin, einmal in einem Kreise von Fachleuten die bevölkerungspolitischen Fragen durchzusprechen, die ja das brennendste Problem darstellen, das es zur Zeit für die jüdische Gesamtheit gäbe. An ein grundlegendes Referat von unserem Kameraden Dr. Theilhaber schloß sich eine eingehende Diskussion an,- an der Frau Berg-Platau, Rabb. Dr. Eschelbacher, Frau Ollendorff, Dr. Lubinski, Prof. Hanauer, Dr. Ezellitzer, Dr. Stahl, R.-A. Dr. Oskar Cohn, Caspary, Rabb. Dr. Emil Levy. Prof. Seligmann, Frau Johanna Meyxr, Frl. Dr. Bereut. Dr. Ollendorff u. a. sich beteiligten. Ueber den Inhalt der Konferenz wird in einem Sonderdruck der Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege, der der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, ausführlich berichtet werden. Die Konferenz faßte einstimmig die folgende Resolution: .V. Tie vom bevölkerungspolitischen Ausschuß des Preußischen Landesverbandes einberufene Konferenz über jüdische Bevölkerungspolitik erkennt einmAig die Notwendigkeit, aber auch die Möglichkeit einer chinheitlicken, starken, zielbewuhtsn. umfassenden jüdischen Bevölkerunpspolitik zur Erhaltung von Kraft und Zahl der Iudenheit an. li. Die Konferenz bejaht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens aller im Judentum lebendigen religiösen, ethischen und wirtschaftlichen Ideen und Kräfte zu diesem Ziele und ruft alle im öffentlichen Leben stehenden Männer und Frauen, vor allem die Rabbiner, die Lehrer, die Aerzte, die Gemeindevorstände und besonders auch die jüdische Jugend zu gemeinsamer Arbeit auf. 6. Die Konferenz erkennt als ihre grundlegende Ueberzeugung an, daß — insbesondere in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Not — von einer Gemeinschaft die gebieterische Forderung auf ihre eigene Erhaltung durch Geburtenvermehrung nur dann gestellt werden darf und kann, wenn diese Gemeinschaft bereit ist, ihr Letztes an die wirtschaftliche Hilfe und Sicherstellung der Geborenen zu setzen. I>. Deshalb richtet die Konferenz ihren besonderen starken und eindringlichen Aufruf an die jüdischen Gemeinden, in viel höherem Umfange als bisher aktive und produktive Bevölkerungspolitik im Sinne einer gehobenen Sozialpolitik zu treiben auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, besonders aber: JL in einer weitgehenden Wohnungs- und Siedlungspolitik: 2. in einer Arbeits- und Berufsfürsorge: 3. in ihrer eigenen Gehalts- und Beamtenpolitik im Sinne einer Bevorzugung der kinderreichen Familien: 4. in der Verstärkung und Zusammenfassung der jüdischen Mütter-, Kinder-, Iugendschutz- und Iugendpflegebxstrebungen und derjenigen der Gesundheitsfürsorge, der hauswirtschaftlichen Ausbildung und körperlichen Kräftigung: 5. in der Einrichtung von Jugend- und Eheberatungsstellen sowie in der Förderung aller Maßnahmen, die zur Schließung jüdischer Ehen dienen: 6. in jeglicher Förderung der Frühehe; 7. in des. Erziehungsbeihilfen, besonders für jedes dritte und weitere Kind in Anerkennung der Mutterschaftsleistung als solcher; 8. in Anerkennung jeder Mutterschaftsleistung der Frau durch unbedingte rechtliche Gleichstellung des unehelichen mit dem ehelichen Kinde: 9. in der Begründung von Jugend- und Gemeindeheimen; 10. in der vollen Nutzbarmachung der allgemeinen öffentlichen Leistungen der . Versicherungsträger und Fürsorgeoerbände auf diesem Gebiet und in ihrer Ergänzung aus eigenen Mitteln in allen Fällen, in denen die genannten Stellen nicht ausreicken; 11. die vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen allen Juden, gleichviel ob eingesessene oder zugewanderte gleichmäßig zugute kommen. E. Die Konferenz erwartet, daß diese Fragen auch zum Gegenstand eingehender Beratung in der Konferenzgemeinschast der Großgemeinden, in den Landesverbänden und der Reichsarbeitsgemeinschaft und iy den Verbänden der oben erwähnten Berufe gemacht Erden. Sie beauftragt den bevölkerungspolitischen Ausschuß mit der Auswertung der Konferenzergebnisse und besonders mit der alsbaldigen Ausstellung eines bevölkerungspolitischen Gemeindeprogramms. *’•?!e Konferenz richtet zum Schluß einen Aufruf an die zudlsche Gesamtheit zu einmütiger Mitarbeit in der jüdischen Bevölkerungspolitik. 1 90

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