Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 24 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
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alS dessen Spcifesaal sie einstens dienre. Die Halle ist groß und geräumig und erhält Licht von mehreren Seiten. Ihre ganze Bauart ist edel und symmetrisch und macht dem Geschmack« der Augustiner alle Ehre. Diese Stätte ist auch dadurch classisch gervordra, daß der mächtige Reformator. welcher mit seiner Rede Kraft die größte Macht der Welt, das Pabstrhum bekämpfte, als Augustiner-Mönch darin gelebt hat. Daher auch der jetzige Name „MartinSstjft." Jetzt ist die Halle mit Büchern gefüllt und enthält,viele PorkraitS berühmter Männer aus dem Mittelalter. Das evangelische Ministerium hat nämlich hier feine Bibliothek und in dieser sollen auch, nach ihrem Kataloge, folgende Gegenstände enthalten sei«: I—V vier große hebräische Codices, von denen der erster« in zwei Theile zerfällt; VI—IX vi«r antike Torahcollrn; X ein Codex der Masorah; Xl Mischnah; Xll Machsdr oder Koldo; Xill, XIV zwei Codices, Rasch,« Commentar enthaltend; XV eme Caimstik der Rabdinen; XVI em türkischer Koran. Wir haben keinen Sinn für ander« sehenöireclhe Antiquitäten, die hier zu finden, und brennen vor Begierde, die angeführten Gegenstände zu sehen. Jetzt kommt der ersehnte Augenblick, denn unser Begleiter, edt freundlicher evangelischer Geistlicher, öffnet rin Spind und wir erkennen auf den ersten Augenblick die Gegenstände, die wir suchen. Ader welch trüben Eindruck machen sie atzf uns! Die heilig« Torah, welche die reiche erfur'ec Gemeinde einst mit Gold und Seide geschmückt hatte, nackt und trauernd, gleichsam im Kerker verschlossen und nur bann an da« Tageslicht tretend, wenn ein wißbegieriger Forscher ihrer begehrt, überall Spuren an sich tragend deS verzehrenden FeuerS und de« StraßenkotheS, deren Raub sie nur mit Noch entgangen zu sein scheint. Heilige Horab, trauerst du um deine Söhne, welche, oft so feierlich den Segen über dich gesprochen und die eine Beute teS Schwertes und d.S wilden Fanatismus worden sinbkl Und du — ach, ein zerstörte« 'Heiligthum, ja zerstört und — dennoch Heiligtbum! Wie sollen wir alle die schmerzlichen Gefühle schildern, die un« beim Anblicke dieser Hettigthfimer bestürmten f D, können ja Gefühle überhaupt nicht durch Worte mikgetherlt werden, wollen diese ja vielmehr mitempfunben sein, um wie viel weniger könnte daS kalte'Wort Gefühle schildern, die so unaussprechlich schmerzstch die Brust bewegten! — Darum ab davon und zur C^ache. Theilen wir da« 'Wichtigste deS von uns Gesehenen i mit. Nr. I und II ein großer Codex, auS zwei Theilen bestehend. Er ist im größten' Folio und die aus dem schönsten Pergament bestehen, rheinische Fuß lang und mehr denn l1* F, ß breit. Der erste Theil enthält 581, der zweite 512 s ttcher Blätter. Fast jede Seile enthält drei Columnen, ausgenommen im Hohen Lied, wo die Seite in zwei, und Buche« , wo sie in keine Columnen gethl ilt ist. Jede Columne enthält 30 Jetten, sehr schön r >it hebräischen Quadrarbuchstrdea geschrieben. Die Schrift ist im ganzen ein wahres kalligraphische« Kunstwerk, die nannigfachsten Figuren sind aus Buchstaben wie hingez^ ubert. Diese Paraphrase); 3) die große und kleine Masorah; jene oben in drei und unten in zwei Theilen über den Columnen, diese auf den Marginalsriten; 4) verschiedene Lesearten und kritisch« Noten, theilS unter die Masorah geworfen. Der Codex ist beinahe allenthalben unbeschädigt und vollständig, denn es fehlen nur zwei Blätter. Die Masorah und die übrigen Noten sind von späterer Hand beigefügt. Der hebräische und chaldäische Text ist mit einer besondern Tinte, die Punkte und Noten aber mit gewöhnlicher Tinte geschrieben. Der Punclator unterscheidet sich ausdrücklich von dem Schreiber und von beiden ein dritter kritischer Censor. Der Name deS Schreibers, der sich an mehreren Orten findet, ist Baruch den Serach. So oft der Name Baruch oder Serach vorkömmt, hat er ihn mit großen Buchstaben und ^kalligraphischen Jicrralhen geschrieben. Der Punclator, welcher die Vocale und die Mosorak beifügte, Simson Menneninon, vollendete seine Arbeit im Jahre 1313 (also sechs Jahre vor der Verfolgung). beiden Theile enthalten 1) den hebräischen mit Bocalen; 2) den Targum (chaldaisch! intertexruelle V-ia r Berlaz von sein« Blatter, ssnd jedes zwei »iblischen Text Cuiiosuui. Die Arch. isr. theilen Folgende« mit: Einer unserer Correspondenten auS Rom theilt unS folgende Erzählung mit, welche, wenn sie in allen ihren Theilen begründet ist, die sonderbarsten Ideen von dem Werlhe gibt, den man draußen der Eroberung einer Seele — welche es auch sein mag — beilegt. Ein römischer Jude, Israel 93**roit, war durch einen Spruch-der Kriegsgerichte der. französischen AccupaiionS» bivision zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt, welche er in Toulon verbüßte. Nach Rom zurückgrkehct, beging er ein neues Verbrechen, für welches er zu zwanzig Jahren Zwangardeit verurtheilt wurde. Dies war die Art der Dienst« des ehrrnwerthen Deroli, als die päpstliche Regierung ihm Begnadigung anbielen ließ, unter der Bedingung, daß er sich taufen lasse. Oer Elende, welcher zwischen Strafe oder Abfall zu wählen hatte, zögerte nicht, sich für den letzlern zu bestimnrrn: offen gestanden, ist dies ein sehr wenig bedauernSwrttder Verlust! Allgemeine Zeitung deSZudenrbumS. No. 23. Ittö4. Inhalt: Leitende Artikel: Die jüdischen Künstler. — DaS ungarische Rabbinerseminar. (Schluß von lll.) — Literarischer Wochenbericht. — Nekrologe. — Zeitungsnachrichten: Preußen: Bonn, Frankfurt a O , Könitz. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Krakau, Mako, Znaim. Frankreich: Paris. Tunis: Tunis. yy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. nvortticher Redactmr: G. Friyfche. r't LuchhavdUlng », Vnvtis- — Druck vo» S. Krediias i» Leivrig.