Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 bi i muß, und wtnn er auch die Zeit kaum zum Es en und Schlafen ft*. gestattet, erwerben kann, und t »enn er ,aar keine Ansprüche macht, das siehst ^Du an meinem Daler." „haben. Mir denn aber", fiel ihr Joseph mit Tone ein, „dje Menschen etwas Anderes übrig haben sie mir nicht meine Kindheit verdorben, meir Waare geraubt, meinen Erwerb genommen, mich Kerker gesteckt zu Dieben und Mördern, ohne daß geringste Unrecht gerhani" „Das baden doch die Menschen nickt getban", a das Mädchen ,;die verkehrten Gesetze rharen es, ab muß doch sein, und wenn es auch Diesem oder Schaden thul. Was für ein Handwerk willst erlernen (" „Ich will Schlosser werden; dazu habe ich DaS Mädchen ergriff die Hand des Jünglirch sprach mir ihren süßesten Tönen: .„lieber Joseph, es doch noch einmal. Sieh zu, ob Du nicht ordentlichen Kaufmann unsres Glaubens in i kommen kannst. Du kannst gut schreiben und und bist gewandt und rbälig. Vielleicht'wird 'diesem Wege all' bas Uebel ersetzt, Vas Dir gesch Man muß nicht gleich verzagen und sich darar Es ist rin wüstes Leben, da« der christlichen Ha und paßt wenig zu dem, was der Jude gewohnt Jvleph erwiderte: „Ich will Dir folgen Ich chue.es um Deinetwillen. Ich will mick de und h«i allen Kaufleuren unsrer Stadt, bei ein dem anderen um eine Lehrling-steile bitten; ich demükbig darum betteln, wie man eS nur kann Du wirst sehen, eS. ist umsonst. Diese Leute den Sohn einer.armen Wittwe ins Haus zu Sie haben mir immer nur Abneigung und H erwiesen, selbst als ich noch ihre Waaren ihnen Daß sie Einiges an mir verloren haben, wofür nicht« konnte, vergeben sie mir nickt. Doch, ich rhun; dann aber merke Dir, Scheda, von wenn es mir mißlingen sollte, verlange nie wieder, Deinem Rarhe folgen solle, es sei denn in den Dmgen, die jeden Tag Vorkommen — sonst meinen Weg gehen, wie ich es selbst verstehe; liebe Dich von mir ab, und überlasse mich meinem - Was hast Du denn auch von mir — ich bin glück«vogel, das merke ich schon lange, und w nur Herzeleiy bereiten . . . Er sprach dies mit wachsender Leidenschaftlichkeit, sprang auf und ging davon. Scheda war tief ergriffen, s e senkte Mr Gesicht in ihre Hände-, und Thanen perlten du ch ihre ginger. Ader Joseph hatte doch recht gesprochen. Ec g mannhaftem Muthe von Kaufmann zu Kaufinani Händler zu Händler, wurde aber überall adgewiese hatte von Kindesbeinen an zu vielen Trotz, zu feldstst und starken Willen erwies,», sich abgesondert gehal r b.n Menschen Widerspenstigkeit gezeigt, als baß ibn gern bei sich ausgenommen. In kleinen und Städten leben alle Personen, namentlich der Gemeinde, wie auf öffenlichem Markte. Jeder Anderen, als wäre er ein Mitglied des eignen Schon über das spielende Kind bildete sich eitz n ke Allerem gelassen? biscken in den ich das rßtwortetr : Gesetz Jencm u denn rchr." s und versuche einem Lehre echnen, Dir auf den ist. geben, i dwerker st." cheba. > ringen, m wie will so Aber s ircklen, ehmen. chmuth adkaufte. ch doch will es ab, daß ich kleinen mich wende chicksal. in Um etzde Dir h Ute U\ ng mit von f. Sr lndkgen n und . jemand itkleren jüdischen nt den Hauses, allgemeines Urtheil, das mir Zähigkeit festgehalten wird. Darum geschieht es an solchen Plätzen so selten, daß Jemand in seiner Heimalh in die Höhe kommen kann. Ec muß anderswo sein Glück suchen, dann mag er heimkehren und eine Rolle spielen. Hierzu kam für Joseph da- Unglück, daß ec verurkheilt gewesen undimGefängnißgefessen haue. Für Kleinstädter ist dies ein Berdammungsurtheil für immer. Mag der, welchen di«S betroffen, noch fo schuldlos, bas Vergehen noch so unerheblicher Art sein, man scheute ihn wie einen Aussätzigen. In der Thal löste Joseph sein Versprechen; mir einer Anstrengung, die für ihn fast übermenschlich war, schluckte er alle Kränkungen nieder, die er dabei erfuhr, achtete nicht auf die wegwerfende Weife, mir der man ihn adwies, und zwang sick, je öfter er vergebens sein Gesuch vorgetragen, zu immer demütbigeren Flehen, bis ihm selbst eine Thrän« in das Auge trar. Doch, wie gesagt, sein Urtbeil war gefällt und er unterlag demselben. (Forts, folgt ) Mcndelssohn's Todtenfeier am 4. Januar. Leipzig, 5. Jan. 1863. Der gestrige Todestag des großen jüdischen Weisen Moses Mendelssohn versammelte um die 7. Stunde ein zahlreiches und gewähltes Publikum in die Räume des H«'>tel de Pologne, um den Manen des deutschen Sokrates einen Tribut ihrer Huldigung darzudringen! Der „Verein zur Förderung geist. Int. im Judenthum", der alljährlich die Gedächrnißfeiec des großen Tobten begeht, bar das Verdienst, vor wenigen Jahren eine Stiftung ins Leben gerufen zuhaben, die sich zum edlen Zweck gestellt har. Jünger der Kunst und Wissenschaft auf ihrem dornenvollen Pfad mir materieller Hülfe beizustehen und der Name dieser Stiftung tragt den Mendelssobn's, der mit der Zeiz segenSvoll wirken möge! — Nach dieser kurzen Abschweifung gehe ich zu der gestern statkgefundenen Feier über. Die in jeder Hinsicht gelungene und dev großen Tod len würdige Feier wurde mir einer Sonate eis-mait) für Pianoforle von Beethoven eingeleilet, von Fräulein M. Hertwig aufs Vorzüglichste vorgerragen. Die Festrede hielt der gcoßherzogliche hessische Kreisradbiner, Herr Dr. S. Formste-ch er aus Offendach a/M», der mit freundlichem Entgegenkommen den an ihn ergangenen Ruf des Vereins-Borstandes annahm. Der hochgeehrte Herr Redner schilderte Mendelssohn als Philosoph und. zwar auf dem Gebiete des Jubenthums; sehr richtig bemerkte der hochwürditz« Rabbiner in seinem wissenschaftlich gediegenen Vortrage, daß eS nicht möglich fei, in einem engen Rahme» einer Rede Mindelssohn im Ganzen zu. schildern; man muß immer nur eine Seite dieser großen Persönlichkeit adgewinnen und dieser «ine Betrachtung widmen. — Als Laie maße ich mir kein Rechttan, über diese durch und durch philosophische Rede ein Urtheil zu fällen, und glaube, daß es genügt, den Namen de«'gelehrten Festredners zu nennen, der einen guten Klang in der Wissenschaft har, um üderzeugl zu sein, auf welche vorzügliche Weise er sich seiner Aufgabe entledigte. Hierauf trug der Vorsitzende des Vereins Herr I. Max Fränkel das zudieser Gelegenheit vom berühmten Verfiisser der „Geschichten aus dem Ghetto" Herrn Dr. Leopold Ko typerl in Wien eingesandte Gevicht: „Oer deutsche Jude, zi?r Mendelssohnfeier"