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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 4 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
4 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 Zur Jüdisches Volksblatt Kelpfiriinfl uni) Unterhalt»»^; auf jüi)i schein Zobiele. Hertzusgegeb«» von Rabbiner I)r. Ludwig Philippson in Bonn. lR». 4. 1863.1 »cb feitfft 3«tMiriit <n*rin! trct^entlicb ei»e «immer. Prer« de« 2«hr. qanq« I Idlr. «»erreljahriK 7 'A «gr. »lle «uchdaudlUNge». Poft»mier un? .-ieiiunqserverilionen n«bmen Bestellungen an. slü. Laliry. 1. Cjuarti I.] Verbrechen und Liebe. -> Horn'ktznng. Die Mutter und Scheda harren sich den Abend seiner Rückkehr aus der Haft freundlich auSgemalr. Sie wollten ahm und sich eine glückliche Stunde bereiten; sie wollten ihm in zartester Art beweisen, daß er an Liebe und Achtung bei ihnen nichts verloren, ja daß sie ihn für das, was er erlitten, fast verehrten, und ihm Dank schuldig zu sein glaubten. Mit Aufbietung der letzten Mittel hattest sie ein schmackhafte« Adendbrob hergerichtrl, Scheda, arbestrte den ganzen Tag, um dem Zimmer ein festliches AuSsthen zu geben, und hatte selbst einen duftenden Blumenstrauß auf den Tisch gestellt. Die ängstlich erwartet« Stunde schlug. Eine Viertelstunde verging. yocb Joseph trat ein. Sein leidendes und vernachlässigte« Aussehen, etwa«, wa« die Liede mit, ihrem ersten Blick« gewahrt, konnte den beiden Frauen i nur die Thräne in da» Auge locken; aber der stiere, wilde ^Blick. den der im Gefängniß noch größer gewordene Jüngling auf die Harrenden warf, entsetzte sie und hielt die Thräne zurück. „Auren Abend!" rief er ihnen entgegen, adere« klang mehr Trotz und Widerwllligskeit al< Liebe und Verlangen heraus. Kalk war die Hand, die er der Mutter unddem Mädchen reichte, und die sie hirzhafr drückten, ohne eine Spur von Gegendruck'! zu empfinden. Der Mutter üderkam die« mir eisigem Schreck, sie hielt ihren Jammer nicht langer zurück, warf sich um den Hals ihre« Sohne«, und weinte heiße Thränen an ihm. ,,Wa« machst Du mein Joseph?" stöhnte sie hervor, „wie geht eS Dir? wie bist Du? Hast Du Deine Mutter gar nicht mehr lieb? Hast Du kein Wort der Zärtlichkeit für sie? Soll mein Kummer, mein Schmerz noch größer, noch schrecklicher werben'? Hat mein Kind sein Her; für mich verloren?"..; Scheda harke sich au« dem Zimmer geschlichen,! und kehrte nicht wieder. Joseph aber erttug kalt und stumm bi« Liebkosungen und SchmerzenSrüft seiner Mutter, wies sie dann zwar erwaS freundlicher zurfick und zur Rübe, bis er endlich verdrießlich ward, und! sie bat, da« Weinen und Jammern sein zu lassen. Daun setzte er sich zu Tisch, verschlang gierig dir kräftigen, lang» vermißten Speisen, und stand wieder auf, ohne das Tischgebet zu sprechen, und indem er sein Verlangen, in einem weichen und warmen Bette einmal wieder zu liegen, a»S» sprach, stieg er in seine Sammer hinauf, nachdem dennoch in ihm jetzt wieder die alte Zärtlichkeit erwachte und, er seiner Mutter einen Kuß zur Nachtruhe geboren. Ein Mutterherz hält sich bei einem verlorenen Sohne auch an das schwächste Zeichen neuerwachter Gefühle, und F au Ben,amin legte sich beruhigter nieder, mir der Hoffnurg, daß ikr vielgeprüfter Sohn doch wieder zum alten Le xn zurücktehren würbe. So harre e« auch bald den Arisch in. Der Friede und die Frömmigkeit, die in dem Hause »er Wirrwe heimisch waren, weheren den Jüngling wieder m, stimmten ihn ruhiger und öffneten die verschloss« en ~~ Schleusen seine« Gemürhe« wieder in Etwa«. N chc wenig trug hierzu Skbeda bei. J Da« zartfühlende M§dc m kam ihm zurückhaltend und schonend entgegen, sprach nit ihm ruhig und ohne irgend eine Aufwallung, und erlauft« hierdurch bald wieder einen Theil ihrer alten Herrschaft über ihn, ohne baß er e« wußte. Einige Tage dar uf brach Joseph da- Stillschweigen über seine Zukunft, rad zeigte der Mutter an, baß er, da emit dem Handel b >ch nicht wieder ginge, entschlossen sei, ein Handwerk zu erlern u, und zwar wolle er — ein Schlosser werden. Die Mut er fuhr betroffen zurück. „Und wie gedenkst Du da l e» heiligen Sabdath zu halten und die Festtage zu fei«r»? wird Dich da ein christlicher Meister in die Lehre aehm q, noch dazu, da Du keinen Pfennig Lehrgeld zu zahlen hast V — Da« lass Du meine Sorge sein!" fuhr .Joseph fie an, brach da« weitere Gespräch ab und ging zur Tbi re hinaus. / Al« Joseph au« der Shüre rrait, begegnete er Schetq^ die, von seinem Aussehen betroffen, ihn ängstlich ftagie: „Wohin willst Du Josephs Dieser antwortete, nachdem er einen Augenblick nachgesonnen: „Komm in den Hof, la f ein« Viertelstunde auf die Bank un« setzen, ich will mi h einmal aussprechen mir Dir." } Nachdem sie dort Platz genommen, hob Joseph au: „Wohin ich will? frägst Du Scheda. Ich muß fit meine Zukunft sorgen; i«t> kann doch nicht mehr so dad N schlendern. Du weißt Scheda, wie gut ich Dir bin; n ir sind mit einander aufgewachsen, haben Freud' und Leid der Kindheit mir einander getragen, und so es Dir eben o um- Herz ist. wie mir, soll ev so bleiben unser kebenlan u Gerade darum aber muß ich auf irgend eine Weife Erw. werden, und dazu will ich jetzt die nöthiqen Schrine tbun " „Und wa« ist da Deine Absicht, lieber Joseph klüftig e schüchtern da« Mädchen. ,-Jch will ein Handwerk erlernen." „Du ein Handwerk? Der Du so viel Geschick zurr Handel erwiesen? Du weißt, da« in unsrem Länbchen »i f Jud« nichtweiter al« ein Freimeister werden kann, al > keinen Gesellen und nur «inen Lehrling halten dar. Was aber so ein Handwerker, wenn er Alle« allein thu t

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