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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 27 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
27 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlaft. j : Zur - i JJefeönuig unö Anterhaftung auf jüdischem Gebiete. H^auegcgrben von I Rabbiner vr. Ludwig Phili-psou in Bonst.! lNo. 27. 1862.] So« dieser ZeirsLris, ers»eiot wvchenttich et»« Rümmer. Prei« de« Jahrgang« » Lhlr. Sienetjährig 7Rar. Sie v»chbandl»»ge», Postämter u»d Aeituugrerprdirieueu] nehmen Bestellungen an. [9, IsKrg. 3. Äusrtsl.j Tischreden am Beschneidungsmahle. ». In sec h. Schrift finden sich drei Ausdrücke für «mp und dieselbe Sache. Bon Noach wird gesagt: „Noach war vollkommen in seinen Zeiten, mit Gott wandelt« Noach." s l Mos. 6, 8.) Zu Abraham sprach der Herr^: „Wandte vor mir und wandte vollkommen." (1 Mos. 17,1.) Den Israeliten endlich wird zugerufen: „Vollkommen seid mit dem Ewigen, indem Ihr dem Ewigen Eurem Gotte nachwandeltl" Was ist nun der Unterschied zwischen diesen drei Ausdrücken? oder warum wählte baS heilige Wort bei diesen verschiedenen Gelegenheiten die verschiedene Bezeichnung: mit, vor und nach Gott wandeln? Ein Weiser beantwortet dieses durch folgendes Gleichnis. So lange der Knabe klein ist, nimmt ihn der Vater an die Hand und laßt ihn mir sich gehe», damit ec nicht strauchele, falle oder sich verliere. Sobald er größer gewordefi, läßt ihn der Vater v o r sich hecgehen, denn er kann bereis allein gehen, hört aber genau auf den Zuruf des DaterS, wenn er rechts oder links vom Wege abweichen will; der Vater har ihn stetS vor Augen, und kann ihn bei jedem einzelnen Fehltritte belehren. Ist er aber zum Jüngling herangewachsen, so läßt ihn der Vater hinter sich hergehen; er stellt ihm frei, seinen Weg zu wählen, ermahnt ihn aber, ja auf seinem, deS Vater« Wege zu bleiben, indem er ihn mit dem Zwecke, dem Ziele und der Richtung des Weges bekannt gemacht. Eo bezeichnen also jene drei Ausdrücke „mit, vor und nach Gott wandeln" die drei verschiedenen Stufen der religiös-sittlichen Entwicklung. Noach ist noch die ganz kindliche Stufe, wo das Rechte und Wahre wie ein instinktives Gefühl aus dem inneren Wesen de- Menschen herauSquillt. Abraham ist schon der GotteSerkennmiß und deS GotteSver» trauenvoll, aber ihm fehlt noch di« Flamme, die auf dem Sinai gezündet ward, und erst da- Volk Israel erhielt die Lehre und daS Gesetz, durch welche es die Wege Gottes genau kannte, womit ihm aber auch die Wahl fceigestellt ward, auf diesen Wegen zu wandeln oder sie;u verlassen. — Und so sei denn die erste Gabe, die wir dem Knaben in die Wiege legen, der innige Wunsch, daß er auf den verschiedenen Stufen feine« Lebmmit, vor und nach >^ott wandele; daß, wenn er zum ftöhlichen 'Knaben erblühet, das Göttliche in feiner Seele erwache, aus der geheimnißvollen Tiefe der Seele ihm die Neigung;um Guten und Wahren entquill«, und da« Gefühl für daS Rechne und Schöne in ihm lebendig werde; daß wenn er zum Jünglinge heranreift, die Gottes begeistrrung di« Räume seine- Herzenfülle, und er dem Rufe defrommen und tugendreichen Sinnein allen Deisuchrmgen folge; daß er, wenn er zum Mannje geworden, ein Rann der Wahrheit, de« Rechte- und der Liebe sei, in seine n Leben-- beruf« unermüblich»arbeite, abex vor den Pflichten I ti bürgerlichen Lebenniemaldie Pflichten de- Gott erfüll ea Israeliten, des den höchsten Zielen nachstredenden Geiste, vergesse! «Lehen wir aber noch einmal zurück, wiej^es jenen drei Trägern der ^eliglö«-sittlichen Entwickeluyg erging. Noach wurde auden furchtbaren'Gefahren, di« lhn umringten , gerettet. Ob auch der Sturm die D ogen de- Meerebian den Himmel peitschte, ob auo die Gewässer diS über die Gipfel der höchsten Berge st »wall und Alles mit Verderben deckten: Noach fuhr ruhig in seiner Arche auf der Oberfläche der Wasser hin, er sah d n riesigen Schwall sich wieder verlieren, er sah den gvldenefi Sonnenschein sich wieder auf die verjüngte Erbe legen.! Abraham „kam in die Jahre, und der Ewige hatte ihp gesegnet in Allem" (1 Mos. 24, alle Schrecken der Wüste bis geführt, und nahm diezu 1.) Israel aber ward durch in da- Land der Berheißung einer fünfzehnhundkrtjährigen Wohnstätte in Besitz. Wohlan! metric Freunde, auch birstgehe an dem heute in best Bund geweihettn Knabe» in Erfüllung. Wie er in seiner Kindheit ifiit Gott wandele, so schütze die Gnade de- Allgütigen, ihn in allen Gefahren, welche den Menschen schon im zarten Lebensalter bedrohen. Trifft ihn Siechthum, so gehl «-'glücklich an ihm vorüber, und die Blüthe entfalck sich an ihm nachher um so kräftiger. Jederherbe Verlust bleibe ihm fern, Entbehrung und Mangel lern« er nicht kennen, und die größte Gefahr, daß die Eltern fehlgreifeü in seiner Erziehung, komme niemals über ihn. Dnnn .aper, wenn er Jüngling geworden, und er vor Gott «anhelt, so sei er gesegnet an Allemgesund an Leib, kräftig 1 an Geist, mit den Mitteln ausgerüstet, sich zu feinem Berufe vorzubereiten, sittlich rein und mit geebneter Bähst. Ist er endlich zum Manne gereift, und wandelt auf kien Wege» Gotte-, so ernte er von der Saat, die er au-jestreut, so gehe er unverwundet und ungeschwächt durch alle die Prüfungen, die ihm nicht erspart werben können und sollen, und gelang« in da- Land der Verheißung, in das Land de- Frieden-, der treuen Pflichterfüllung, der Uebung aller göttlichen Gesetze zu lange dauerndem Aufenthalts Ja, er werde ein blühender Knabe, ein tüchtigerl Jüngling, ein gesegneter Mann, wandelnd mit, vor und ^ach Gott!

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