Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 9 (1860) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
9 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026344--1568-4910098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jüdisches BolksAatt. Zur Lelehrung und Anterhattung auf.jüdischem <gekiete. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magvrbuxgt r tu« ft 4 oi»a 1 Bon ticscr ZeitsibriN ersibeint wöchentlich eine Nummer. Prci« dts^brr~, -w , - , *i I?l0. lOOU. S-NZS I ZHr. B.cneljährig 7 Ngr. Alle Buchdanrluugc». Pesl-Micr /. Mlll'0. 1 OllMtül.! *■ ■* und ^eitungstxvtdMone» nehmen Brstennngt» an. . > f' s* * t * J Die Wichtigkeit der Israeliten in der französischen Gesellschaft. (Nach dem Französischen auS: La veritd israolitp, Lief. 2.1 Wenn man die Stellung, welche Israel inmitten der modernen Gesellschaft einnimmt, und die Rolle, welche seine Söhne und Repräsentanten in derselben spielen, überschaut, so scheint eS uns, als wenn man mit Recht stolz darauf fein könne, diesem auserwahlten, so lange verfolgten Stamme anzugehören, der, sobald das drückende Joch sich etwagelüftet, sich schnell und auf's Glänzendste vor den Augen der Nationen, unter dem Schutze des gerechten Gottes erhoben hat. Achtzehn Jahrhunderte der Sklaverei und der Erniedrigung hätten, dem Anschein nach bei diesem verbannten Volke auf lange Zeit jede edle geistige Befähigung, jedes Gefühl des Guten und Schönen ersticken müssen. Diese von allen Nationen Ausgestoßenen hatten während dieselangen Martyriums jedes Bewußtsein persönlicher Würde, jede Empfänglichkeit für große Ideen und große Tugenden, allen Geschmack für Wissenschaften, Künste, für Literatur, mit einem Worte, für Alles was den socialen und moralischen Fortschritt bezeugt, verlieren müssen. Und überdies hat dies Volk, ein willkommenes Spielzeug der Launen der Fürsten, das jeden Augenblick gewärtig sein mußte, sich von dem Grund und Boden, auf dem ihm erlaubt worden, sein Zelt für einen Tag aufzuschlagen, verjagt zu werden, ohne Bürgschaft für seine Familie, für sein Leben, für fein Vermögen, in die materiellen Sorgen für seinen Unterhalt, in das fortwährende Bedachtsein auf seine Vertheibigung und seinen Bestand aufgehen, und die Angelegenheiten der Intelligenz und des Geistigen vernachlässigen müssen. j Welche lange Reihe von Jahren, von Jahrhunderten, j vielleicht hätte eü wohl bedurft, sollte man denken, um in j seinem Geiste den, in den finstern Zeiten der Knechtschaft, verdunkelten, vielleicht auf immer erloschenen, göttlichen Strahl anzufachen und zu belebend Ein halbes Jahrhundert ist kaum seit dem Tage verflossen, an dem die Kelten Jscael's unter dem Einflüsse der durch Frankreich proclamirten Grundsätze -der Brüderlichkeit und Gleichheit, gefallen sind. Folgen wir, bei dieser so plötzlichen veränderten Stellung, den Ueberresten des jüdischen Volkes. Was wird aus ihm werden im Schoße der modernen Gesellschaft- Welchen Gebrauch wird «» von dieser ihm auf so wunderbare Weise verliehenen Freiheit machen? Ich sehe es, zuvörderst, im Zustand bedeutender Minorität, inmitten von dre den — — —. Noch kraft, welche Frankreich >ßig Millionen Franzosen, verschwinheute, ungeachtet der Anziehungsdas Land der Religionsgleichheit, auf alle Juden der üb igen Länder ausüben mußte, erhebt sich die israelitisch« Bevölkerung unsres Lande? doch nicht hl von hundert Tausend Seelen. Aber es giebt in dieser! kleinen Zahl eine intelleetuelle Kraft, eine moralisch« Stärke, deren wenige andre Menschenstämme fähig sind. ' Einige Jahre warn, für sie hinreichend, um sich den verschiedenen Elementen der Gesellschaft, die sie in ihrer Mitte aufnahyi, zu asiimiliren. Nach geringer Zeit sinder man sie mit allem dem vermischt, woraus das sociale Leben in feiney höchste», vorgeschrittensten, intelligentesten und fruchtbarsten Elementen besteht. Man hat sich oft mit der unbestreitbaren Superioritat, die sie im 8^«^^ charakterisier, gegen sie gewaffnet. Ein Schriftsteller ist sogar soweit gegangen, sie, in'diesem Punkte, die Könige dm Zeirepoche zu nennen. Es! ist in der That sicher, daß die Lebensstellung, in her sie fett ihrer Zerstreuung gelebt, in >welcher sie ohne Unterlaß genöthigt waren, die, besten Mittel aufzusuchen, um die rein mobilen Glücksgüter zu bewahren und in Circulation zu setzen, ihren Geist und ihr Interesse natürlicher Weise auf alle dies« Combinationen so sehr hat. richten müssen, wie es diese Art von Besitz nur irgend zuläßt. Seitdem, in einem Augenblicke, wo die bew> glichen Güter eine herrschende Wichtigkeit angenommen ha»en, wo der Umlauf und die Mvbilisirung aller Arien ,on öffentlichen und privaten Vermögen das große Grf tz der gesellschaftlichen Oekonomie geworden sind, konnte sch die israelitische Bevölkerung, seit langer Zeit erfahren , in diesen Sachen, auf den ersten Platz unter den Finanzmänn >rn, die erfüllt von diesen neuen Theorien waren, stellen. Aber die Anwendung dieser fruchtbaren ökonomischen Systeme har nichts gerinn mit den elenden Praktiken jener Geldmacher, jener im Dunkel schleichenden Wucherer, welche die Vorurtheile des Volkes und selbst der höheren Classen unter dem verfolgten Israel zu sehen geglaubt haben. Den Leuten, denen man die Anlegung der Elftnbahnen, diesen großen Hebel dss Fortschrittes und des Friedens unter den Nationen, dielRealisation der bedeutenden öffenl-. lichrn Nützlichkeirsarheitsn, welche daS Land und die Städte umgewanbelt. haben, sowie die vervollkommneren Eredit- und Jnbustnemittel? die in so kurzer Zeit das sociale Vermögen verzehnfacht und ins all« Volksckassen Leben und Bewegung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.