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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 30 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
30 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Indisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Unterhattung auf jüdischem Gebiete. *• ' i Herautgegebe» »o* Rabbiner ir. Ludwig Philippso» in^Magdeburg. U-SUK^ ajv 4QEO i So» »Ufer grttsckrtsr »SSr»»Uck «i»« N»M»»r. Vrktt de« Sa»r- ».»,,. n mk-»-lvn I SV» l9d9* 1 •dn«* 1 Xblt-?■/. «»r. flüe r«*bo«t!nn»'n, I O, O* QUifUll. I W nn» BertnnalrxrtHHentn ntbaien edKDunacn ». L » J V Moses Mendelssohn. (Aus ..Lebenslauf des achtzehnte» Zabrhunderlt". Cupplemeni- > band, 4. 6tQd.) <Schluß> Ein ähnlichegelehrte- Abenteuer bigegnete Men delSfohn einst auf einer Reise, welche» erzählte:. „3* wurde genLtbigr in eine» zu übernachten, wo kein ordentlicher Gaflbof war. DaS Wetter war sehr unfreundlich, und wie ch erfuhr, daß ein Prediger in diesem Dorfe wohnte, sch ckte ich zu ihm und ließ mich alS einen Gelehrten auS T erlin anmelden, und um ein Nachtlager bitten. Der Prediger ließ sich zwar willig dazu finden, hatte aber doch einige Bedenklichkeiten. da er hörte, daß der Gelehrte auS Berlin ein )ude fei. Wie ich auf daS HauS zukcin, sah ich den Prediger, der mich erwartete, einen sehr ehrwürdigen GreiS. vor der Thür stehen. Ehe mich I iefcr alte Mann unter sein Dach nöthigte. wollte er erst Erkundigungen einziehen und fragte nn er selbst also-' kleinen Dorfe! Arm und auf mich gerichteten Zeigrfi, gcr: Qoid est einige genauere ouSgestreckiem sagte ihm die ache und jener von Gott, und Wesen), so fiel kannte Melodie. Ontologia? (WaS ist Ontologie?) Ich Wolf'fche Definition in lateinischer Ep fragte nun weiter bis auf den Begriff da ich meine Beantwortung und Erklär» ig deS Begriff! von Gott mit den Worten schloßt Ens bub mam, Optimum, maximum (fia! höchste, beste und größt« der GreiS. gleichsam wie in eine ihm b mir Entzücken ein: En» surnwuw, optioium, maximum! und jetzt erst bot er mir freundlich die Hand und sagte: Sein Sie mir herzlich willkommen!" s So hat auf der Welt, wie Mendelssohn erfuhr, leber seinen verschiedenen Maßstab, mit welchem er seinen Mann mißt. AlS MendelSfobn aut feiner Rückreise wieder bei dem Prediger einsprach, war der Sohn desselben, welcher Mendelssohn- Schrifttn gelesen hatte, von der Universität zurückgekommen ind hatte seinen Dater mit seinem Herberg-gast bekannt gemacht, wo dann die Aufnahme ehrenvoll und herzlich w r. WaS der Schimmer der Lampe in der Dunkelheit ist. daß waren Mendelssohn'- Schriften unserm Jahrhundert; sie verbreiteten ein sanfte« bescheidene- Licht, welche! «ohlthätig leuchtete, ohne tzen Angen weh zu thun. Al! Philosoph ist er einer unserer b«en und gemeinnützigsten. Seine Gedankenfolge ist geordnet, hell und deutlich: sein Bortvag männlich schön, ohne Prunk und falschen Schmuck. Cr war einer der ersten, der die sokratische Form in unserer Sprache «infübtte. Besonder! zeichnete sich dieser edlle Mann durch eine gewisse Herzlichkeit und innige Traulichkeit feine» Charakterauk. Alle! scheint bei ihm auüberzeugter Seele und auvollem Herzt« berzufließen; allenthalben siebt man seinen Geist durch sein Herz, sein Herz durch seinen Geist bindurchschimmeru und daeine sich durch da! andere verklären. Dieser Zug seiner Seele mußte ihn notbwendig von der Natur eingedrückt sein; aber da» Schicksal, vaihn traf, fteund- und freudenlos in die weite Welt "hineingewvrfen. unter Juden und Christen Frenndc zu finden, Venen er sich, wie sie an ihn, so innigst onschlöß, mußte jenen natürlichen Zug seine! Charakter! ihm »mm« eigenihümlicher machen. Wahre Aufklärung allgemein zn verbreiten, war der Zweck, tzen er bei seinen literarischen Bemühungen nie au» den Augen verlor. Die Früchte sein«! Nachdenken! waren nicht bloein gelehrte- Spielwerk, wie bei vielen denkenden Köpfen, sondern tief durchdachte und Mft. Leichtigkeit vorgetragene Wahrheiten und praktische -ehren. Hätte ein seinem Vermögen gestanden, die Menschen glücksich zu machen, zweifelnde Herzen zu beruhigen, und den Tbeil seiner Ration, der noch in Dunkelheit lebte, vollendaofznkläten. so hätte er sich glücklicher al» rin König gedünkt, i Ihm war e- Vorbehalten, der Wegweiser seiner Brüder zu werben, sie zu einer freieren Denkung-art zu gewöhnen und so allmälig di« Vorurtheile zu entkräften, worin sie bi-her eingeschränkt gewesen waren. Cr suchte andere Erkenntnißauellen alseinen Talmud und Rabbinenlehren und fand sie in den Lehren der reinen Vernunft. Wenn feine Brüder sich nur dem Handel ergeben hatten und die Wissenschaften flohen, weil fie glaubten, durch solche sich nicht nähren zu können, so war Cr der Erste, de; diese Vorurtheile bekämpfte, und neue Wahrheiten besser alalte Jrrthümer fand. Ein bleibendeunsterbliche- Verdienst erwarb, er sich durch die von ihm bewirkte bessere Erziehung seiner Nation. Die Erziehung der jüdischen Jugend war seit langer Zeit in den größten Verfall gerathen. Die tzeutschen Juden verachteten die Gettheten »nrer ihren Land-- leuten und wählten «riß Polen zu ihren Rabbinern. Menschen aueinem sernen uncivilisirten Lande, Leute in den größten Dorvrtheilen versugkeu, und vom dümmsten Aberglauben angesteckt, in Sitte« und Gebräuchen von

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